Grund­ur­teil bei meh­re­ren ein­ge­klag­ten Teil­an­sprü­chen

Bei einem Kla­ge­be­geh­ren, das sich aus meh­re­ren – wenn auch in einem ein­zi­gen Leis­tungs­an­trag zusam­men­ge­fass­ten – Teil­an­sprü­chen zusam­men­setzt, darf ein ein­heit­li­ches Grund­ur­teil nur dann erge­hen, wenn fest­steht, dass jeder Teil­an­spruch dem Grun­de nach gerecht­fer­tigt ist 1.

Grund­ur­teil bei meh­re­ren ein­ge­klag­ten Teil­an­sprü­chen

So hat der Bun­des­ge­richts­hof 2 aus­ge­führt: "Umge­kehrt kann bei einem Kla­ge­be­geh­ren, das sich – wie im Streit­fall – aus meh­re­ren Teil­an­sprü­chen zusam­men­setzt, ein ein­heit­li­ches Grund­ur­teil nur erge­hen, wenn fest­steht, dass jeder der Teil­an­sprü­che dem Grun­de nach gerecht­fer­tigt ist 3. Das gilt jeden­falls dann unein­ge­schränkt und ohne dass pro­zess­öko­no­mi­sche Erwä­gun­gen zu einem ande­ren Ergeb­nis füh­ren könn­ten, wenn es sich nicht nur um die Fra­ge han­delt, ob die Ursäch­lich­keit des scha­dens­stif­ten­den Ereig­nis­ses hin­sicht­lich aller ein­zel­ner Scha­dens­pos­ten zu beja­hen ist 4, son­dern wenn das Gericht sogar den Haf­tungs­grund ins­ge­samt für jede ein­zel­ne Teil­for­de­rung in sei­nem Grund­ur­teil nicht beja­hen kann."

Im vor­lie­gend vom Ober­lan­des­ge­richt Cel­le ent­schie­de­nen Fall kommt hin­zu, dass die erst­in­stanz­li­che Beweis­auf­nah­me noch nicht abge­schlos­sen war. Aus den Grün­den der Ent­schei­dung ist daher auch nicht erkenn­bar, wegen wel­cher Män­gel eigent­lich die Haf­tung dem Grun­de nach end­gül­tig fest­ge­stellt wer­den soll­te (und wel­che Män­gel etwa nicht bewie­sen sind). Auch dies steht dem Erlass eines Grund­ur­teils ent­ge­gen, weil es an der Bestimmt­heit fehlt. Hier blie­be unge­wiss, in wel­chem Umfang über den Kla­ge­an­spruch rechts­kräf­tig ent­schie­den ist und in wel­cher Höhe er – als dem Grun­de nach gerecht­fer­tigt – noch anhän­gig ist 5. Dies wird auch beson­ders deut­lich durch die Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts zur Ver­jäh­rung: es hält näm­lich einen Teil der Gesamt­for­de­rung, soweit sie über 200.000 € liegt, für ver­jährt. Dann aber stellt sich die Fra­ge, wegen wel­cher Män­gel oder Teil­for­de­run­gen auf wel­che Män­gel eigent­lich Ver­jäh­rung ein­ge­tre­ten sein soll­te.

Auch die vom Land­ge­richt ange­führ­te Pro­zess­öko­no­mie (Klä­rung der Ver­jäh­rungs­fra­ge) ver­mag des­halb ein Grund­ur­teil nicht zu recht­fer­ti­gen. Dies könn­te wohl bei einer ein­heit­li­chen Scha­dens­er­satz­for­de­rung 6 anders gese­hen wer­den; die­ser Son­der­fall liegt hier aber nicht vor, denn es geht nicht um eine ein­heit­li­che For­de­rung, die sich nur aus meh­re­ren Posi­tio­nen zusam­men­setzt, son­dern um eine Viel­zahl von Bau­män­geln.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 20. März 2014 – 16 U 57/​13

  1. vgl. BGHZ 89, 383, 388; 139, 116, 117; BGH, Urteil vom 02.10.2000 – II ZR 54/​99, NJW 2001, 224, 225[]
  2. BGH in BGHZ 89, 383[]
  3. vgl. Stein/​Jonas/​Leipold/​Schumann, ZPO, 19. Aufl., § 304 Anm. I 3 m. w. Nachw.[]
  4. so OLG, Urteil vom 02.05.1961 – VI ZR 153/​60 = NJW 1961, 1465 = VersR 1961, 619 und BGH, Urteil vom 10.06.1968 – II ZR 101/​66 , NJW 1968, 1968 = VersR 1968, 765[]
  5. BGH, Urteil vom 12.07.1989 – VIII ZR 286/​88, BGHZ 108, 256 – 268[]
  6. dazu BGHZ 108, 256 – 268[]