Klei­ne und gro­ße Lösung und das Trans­se­xu­el­len­ge­setz

Das Ver­hält­nis von §§ 1 und 8 TransSG ist nicht zwin­gend ein sol­ches von "klei­ner" zu "gro­ßer" Lösung, weil ent­ge­gen den Erkennt­nis­sen zur Zeit des Geset­zes­er­las­ses (1980) für das Vor­lie­gen der Trans­se­xua­li­tät nicht mehr eine geschlechts­an­pas­sen­de Ope­ra­ti­on für not­wen­dig erach­tet wird, son­dern nach neue­rer For­schung die Sta­bi­li­tät des trans­se­xu­el­len Wun­sches aus­schlag­ge­bend ist.

Klei­ne und gro­ße Lösung und das Trans­se­xu­el­len­ge­setz

Ange­sicht der neue­ren wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se ste­hen dem Gesetz­ge­ber meh­re­re Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung, an wel­che Vor­aus­set­zun­gen er die Sta­bi­li­tät des trans­se­xu­el­len Wun­sches knüp­fen kann; die­se rei­chen von Bera­tungs- und/​oder The­ra­pie­pflich­ten bis zu Vor­ga­ben hin­sicht­lich des Erschei­nungs­bil­des, soweit nur nicht aus­nahms­los eine Ope­ra­ti­on ver­langt wird, die die Geschlechts­merk­ma­le ver­än­dert und zur Zeu­gungs­un­fä­hig­keit führt.

Gelangt des­we­gen das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach Fest­stel­lung eines untrenn­ba­ren Teils der Norm­tei­le zu einer unbe­fris­te­ten Unan­wend­bar­keits­er­klä­rung, geschieht dies, um dem pflich­ti­gen Gesetz­ge­ber die Gestal­tungs­frei­heit zu belas­sen.

Anhän­gi­ge Ver­fah­ren, bei denen die Ent­schei­dung von der/​dem ver­fas­sungs­wid­ri­gen Nor­m/-teil abhän­gen, sind bis zum Erlass des ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen neu­en Rechts aus­zu­set­zen. Gegen­tei­li­ges wäre allen­falls dann anzu­neh­men, wenn das BVerfG für die Über­gangs­zeit kon­kre­te Anord­nun­gen getrof­fen hät­ten.

Amts­ge­richt Mann­heim, Beschluss vom 4. April 2011 – Ke 2 UR III 4/​11

  1. BVerfG, Beschluss vom 11.01.2011 – 1 BvR 3295/​07, NJW 2011, 909[]