Kos­ten­er­stat­tung für einen zu gro­ßen Miet­wa­gen

Der Geschä­dig­te kann Ersatz nur der­je­ni­gen Miet­wa­gen­kos­ten ver­lan­gen, die ein ver­stän­di­ger, wirt­schaft­lich den­ken­der Mensch in der Lage des Geschä­dig-ten zum Aus­gleich des Gebrauchs­ent­zugs sei­nes Fahr­zeugs für erfor­der­lich hal­ten durf­te. Aus­zu­glei­chen sind nur sol­che Vor­tei­le, die für den Gebrauch des Fahr­zeugs von wesent­li­cher Bedeu­tung sind.

Kos­ten­er­stat­tung für einen zu gro­ßen Miet­wa­gen

Gemäß § 249 Abs. 1 BGB hat der zum Scha­dens­er­satz Ver­pflich­te­te den Zustand her­zu­stel­len, der bestehen wür­de, wenn der zum Ersatz ver­pflich­ten­de Umstand nicht ein­ge­tre­ten wäre. Ist wegen der Ver­let­zung einer Per­son oder der Beschä­di­gung einer Sache Scha­dens­er­satz zu leis­ten, so kann der Geschä­dig­te gemäß § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB statt der Her­stel­lung den dazu erfor­der­li­chen Geld­be­trag ver­lan­gen. Dem­entspre­chend kann der­je­ni­ge, der sein Fahr­zeug infol­ge des schä­di­gen­den Ereig­nis­ses nicht nut­zen kann, grund­sätz­lich Ersatz der für die Anmie­tung eines gleich­wer­ti­gen Fahr­zeugs ent­ste­hen­den Kos­ten bean­spru­chen 1. Aller­dings hat der Geschä­dig­te auch das in § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB ver­an­ker­te Wirt­schaft­lich­keits­ge­bot zu beach­ten. Danach hat der Geschä­dig­te im Rah­men des ihm Zumut­ba­ren stets den wirt­schaft­lichs­ten Weg der Scha­dens­be­he­bung zu wäh­len. Für den Bereich der Miet­wa­gen­kos­ten bedeu­tet dies, dass er Ersatz nur der­je­ni­gen Kos­ten ver­lan­gen kann, die ein ver­stän­di­ger, wirt­schaft­lich den­ken­der Mensch in der Lage des Geschä­dig­ten zum Aus­gleich des Gebrauchs­ent­zugs sei­nes Fahr­zeugs für erfor­der­lich hal­ten durf­te 2. Aus­zu­glei­chen sind nur sol­che Vor­tei­le, die für den Gebrauch des Fahr­zeugs von wesent­li­cher Bedeu­tung sind.

Es ist nicht zu bean­stan­den, dass das Gericht die Kos­ten für die Anmie­tung eines dem beschä­dig­ten Fahr­zeug der Geschä­dig­ten gleich­wer­ti­gen Miet­wa­gens unter den Umstän­den des Streit­falls auf den Betrag geschätzt hat, der dem auf der Grund­la­ge des gewich­te­ten Mit­tels des Schwa­cke-Auto­miet­preis­spie­gels für 2003 im Post­leit­zah­len­ge­biet von Pf. ermit­tel­ten Nor­mal­ta­rif für einen Pkw der Fahr­zeug­klas­se 8 ent­spricht.

Eine Schät­zung auf der Grund­la­ge des Schwa­cke-Auto­miet­preis­spie­gels für 2003 lässt Rechts­feh­ler nicht erken­nen. Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass der Tatrich­ter in Aus­übung sei­nes Ermes­sens gemäß § 287 ZPO den "Nor­mal­ta­rif" grund­sätz­lich auf der Grund­la­ge des "Schwa­cke-Miet­preis­spie­gels" im maß­ge­ben­den Post­leit­zah­len­ge­biet ermit­teln kann 3.

Es begeg­net kei­nen durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken, dass das Gericht die Son­der­aus­stat­tung sowohl des geschä­dig­ten als auch des gemie­te­ten Fahr­zeugs nicht zum Anlass genom­men hat, den auf der Grund­la­ge des gewich­te­ten Mit­tels des Schwa­cke-Auto­miet­preis­spie­gels ermit­tel­ten Nor­mal­ta­rif für einen Pkw der Fahr­zeug­klas­se 8 durch einen Zuschlag zu erhö­hen. Nach den Fest­stel­lun­gen hat die Klä­ge­rin das von der Geschä­dig­ten ange­mie­te­te Fahr­zeug in ihrer Rech­nung vom 10.03.2005 aus­drück­lich in die Fahr­zeug­klas­se 8 des Schwa­cke-Auto­miet­preis­spie­gels ein­ge­ord­net. Hin­wei­se auf beson­de­re wert­er­hö­hen­de Aus­stat­tungs­merk­ma­le fin­den sich weder in der Rech­nung noch im Miet­ver­trag vom 21.02.2005. Bei die­ser Sach­la­ge ist es nicht zu bean­stan­den, dass das Beru­fungs­ge­richt die Klä­ge­rin im Ergeb­nis an ihrer eige­nen Ein­ord­nung fest­ge­hal­ten und die Son­der­aus­stat­tung mit dem Betrag als abge­gol­ten ange­se­hen hat, der dem auf der Grund­la­ge des gewich­te­ten Mit­tels des Schwa­cke-Auto­miet­preis­spie­gels für 2003 ermit­tel­ten Nor­mal­ta­rif für einen Pkw der Fahr­zeug­klas­se 8 ent­spricht. Das Beru­fungs­ge­richt hat inso­fern die Gren­zen tatrich­ter­li­cher Wür­di­gung nicht über­schrit­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. März 2012 – VI ZR 40/​10

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 17.03.1970 – VI ZR 108/​68, VersR 1970, 547, 548; vom 02.03.1982 – VI ZR 35/​80, VersR 1982, 548, 549[]
  2. vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 12.10.2004 – VI ZR 151/​03, BGHZ 160, 377, 383; vom 12.04.2011 – VI ZR 300/​09, VersR 2011, 769 Rn. 10[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 09.05.2006 – VI ZR 117/​05, VersR 2006, 986 Rn. 6; vom 30.01.2007 – VI ZR 99/​06, VersR 2007, 516 Rn. 8; vom 12.06.2007 – VI ZR 161/​06, VersR 2007, 1144, 1145; vom 24.06.2008 – VI ZR 234/​07, VersR 2008, 1370 Rn. 22 und vom 18.05.2010 – VI ZR 293/​08, VersR 2010, 1054 Rn. 4[]