Män­gel am Feri­en­haus im Aus­land

Ein Ver­brau­cher kann Ansprü­che gegen sei­nen Rei­se­ver­an­stal­ter wegen Män­geln eines Feri­en­hau­ses im Aus­land vor deut­schen Gerich­ten gel­tend machen:

Män­gel am Feri­en­haus im Aus­land

Macht ein Ver­brau­cher gegen­über einem Rei­se­ver­an­stal­ter Ansprü­che aus einem Ver­trag gel­tend, in dem sich der Rei­se­ver­an­stal­ter zur zeit­wei­sen Über­las­sung eines in einem ande­ren Ver­trags­staat bele­ge­nen und einem Drit­ten gehö­ren­den Feri­en­hau­ses ver­pflich­tet hat, unter­fällt der Rechts­streit nicht der aus­schließ­li­chen Zustän­dig­keit des Art. 22 Nr. 1 Brüs­sel-I-VO. Auf Ver­trä­ge, in denen sich der Rei­se­ver­an­stal­ter gegen­über sei­nem Kun­den allein zur Bereit­stel­lung einer Feri­en­un­ter­kunft ver­pflich­tet hat, sind die Vor­schrif­ten des Rei­se­ver­trags­rechts ins­ge­samt ent­spre­chend anzu­wen­den 1.

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit buch­ten die Klä­ger, die ihren Wohn­sitz in Schwe­rin haben, im Jahr 2007 bei der Beklag­ten, einem däni­schen Rei­se­ver­an­stal­ter, ein Feri­en­haus in Bel­gi­en, das die Beklag­te in ihrem Kata­log ange­bo­ten hat­te. Bei Anrei­se stell­ten die Klä­ger erheb­li­che Män­gel fest, die die Beklag­te trotz meh­re­rer Auf­for­de­run­gen nicht besei­tig­te. Dar­auf­hin reis­ten die Klä­ger nach ent­spre­chen­der Ankün­di­gung ab. Sie machen gegen die Beklag­te Ansprü­che u.a. auf Rück­zah­lung des Rei­se­prei­ses und Ent­schä­di­gung wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit gel­tend und haben Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Schwe­rin erho­ben. Die Beklag­te hat die feh­len­de inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te gerügt. Da der Rechts­streit unmit­tel­bar an einen Miet­ver­trag über eine unbe­weg­li­che Sache anknüp­fe, sei gemäß Art. 22 Nr. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001 des Rates vom 22. Dezem­ber 2000 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen (Brüs­sel-I-Ver­ord­nung) das Gericht aus­schließ­lich zustän­dig, in des­sen Bezirk das Feri­en­haus bele­gen sei, damit das Gericht in Lüt­tich (Bel­gi­en). Die Klä­ger haben gel­tend gemacht, gemäß Art. 15 Abs. 1c in Ver­bin­dung mit Art. 16 Abs. 1 der Ver­ord­nung sei das Amts­ge­richt Schwe­rin zustän­dig, da sie als Ver­brau­cher die Beklag­te als Rei­se­ver­an­stal­ter in Anspruch näh­men.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Amts­ge­richt Schwe­rin hat sei­ne inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit bejaht und den Klä­gern die gel­tend gemach­ten Ansprü­che zuge­spro­chen 2. Der Ver­brau­cher­schutz­ge­dan­ke, so das Amts­ge­richt Schwe­rin, gebie­te die Anwend­bar­keit der Art. 15, 16 der Brüs­sel-I-Ver­ord­nung.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Beklag­ten ist vom Land­ge­richt Schwe­rin zurück­ge­wie­sen wor­den, das eben­falls Art. 22 Nr. 1 der Brüs­sel-I-Ver­ord­nung nicht für anwend­bar gehal­ten hat 3.

Auf die Revi­si­on des beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­ters bestä­tig­te dies jetzt und ent­schied, dass die deut­schen Gerich­te für die Kla­ge inter­na­tio­nal zustän­dig sind: Ein Ver­brau­cher, der von einem gewerb­li­chen Rei­se­ver­an­stal­ter ein einem Drit­ten gehö­ren­des Feri­en­haus gemie­tet hat, kann Ansprü­che aus dem Miet­ver­hält­nis gegen den Rei­se­ver­an­stal­ter bei dem Gericht sei­nes Wohn­sit­zes gel­tend machen.

Die aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit des Gerichts des Ortes, an dem sich das Feri­en­haus befin­det, greift in die­sem Fall nicht ein. Die­se Vor­schrift, die die Par­tei­en zur Kla­ge vor einem Gericht ver­pflich­ten kann, das von dem Sitz bzw. Wohn­sitz bei­der Par­tei­en abweicht, ist nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on eng aus­zu­le­gen. Hat ein Rei­se­ver­an­stal­ter ein Feri­en­haus an einen Ver­brau­cher ver­mie­tet und ste­hen sich damit bei einem Rechts­streit aus dem Miet­ver­hält­nis nicht Mie­ter und Eigen­tü­mer der Immo­bi­lie gegen­über, kann der Ver­brau­cher an sei­nem Wohn­sitz gegen den Rei­se­ver­an­stal­ter kla­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat fer­ner sei­ne Recht­spre­chung bestä­tigt, nach der der Ver­brau­cher von dem Rei­se­ver­an­stal­ter bei Män­geln sei­ner Leis­tung eine Ent­schä­di­gung wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 651f Abs. 2 BGB auch dann ver­lan­gen kann, wenn der Rei­se­ver­an­stal­ter kei­ne Gesamt­heit von Rei­se­leis­tun­gen erbringt, son­dern sei­ne ver­trag­li­che Leis­tung wie hier nur in der Über­las­sung eines Feri­en­hau­ses besteht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Okto­ber 2012 – X ZR 157/​11

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 09.07.1992 – VII ZR 7/​92, BGHZ 119, 152[]
  2. AG Schwe­rin, Urteil vom 04.06.2010 – 14 C 636/​07[]
  3. LG Schwe­rin, Urteil vom 16.11.2011 – 6 S 69/​10[]