Not­we­ge­recht trot bestehen­den Wege­rechts

Trotz des bereits bestehen­den Wege­recht ist ein dar­über hin­aus­ge­hen­des Not­we­ge­recht mög­lich 1. Bei Wohn­grund­stü­cken kommt ein sol­ches in Betracht, wenn die Erreich­bar­keit mit Fahr­zeu­gen ins­be­son­de­re zur Befrie­di­gung von Grund­be­dürf­nis­sen über ein bestehen­des Wege­recht nicht gewähr­leis­tet ist 2.

Not­we­ge­recht trot bestehen­den Wege­rechts

Ein sol­cher Not­weg müss­te dann in der Regel 3 m, zumin­dest aber 2, 50 m Brei­te auf­wei­sen.

Dies ist jedoch nicht mög­lich, wenn das Haus des die­nen­den Grund­stücks die natür­li­che Gren­ze eines Weges an die­ser Stel­le des Grund­stücks bil­det. Der nach § 917 BGB belas­te­te Eigen­tü­mer ist zur Dul­dung der Benut­zung ver­pflich­tet, nicht aber zum Abriss von Gebäu­de­tei­len, um dem Not­we­ge­be­rech­tig­ten einen von ihm gewünsch­ten Weg zu ermög­li­chen. Der wege­be­dürf­ti­ge Eigen­tü­mer hat kei­nen Anspruch auf einen bestimm­ten Ver­lauf des Weges 3.

Ein abwehr­fä­hi­ger Ein­griff in ein etwai­ges Not­we­ge­recht kommt nicht in Betracht, weil ein Not­we­ge­recht erst mit Nut­zungs­ver­lan­gen ent­steht 4 und ein sol­ches im vor­lie­gen­den Fall jeden­falls erst nach den letz­ten Bau­maß­nah­men auf dem die­nen­den Grund­stück erfolgt ist.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 9. Dezem­ber 2014 – 9a U 8/​14

  1. s. BGH NJW-RR 2009, 515, 517[]
  2. s. Beck­OK-BGB/Fritz­sche, § 917 Rn. 16; Staudinger/​Roth, Neubearb.2009, § 917 Rn. 11[]
  3. s. RGZ 160, 185[]
  4. s. BGH NJW-RR 2006, 1160, 1161[]