Not­wen­di­ger Inhalt einer Beru­fungs­be­grün­dung

Mit dem not­wen­di­gen Inhalt einer Beru­fungs­be­grün­dung hat sich der Bun­des­ge­richts­hof aus­führ­lich in einer aktu­el­len Ent­schei­dung befasst:

Not­wen­di­ger Inhalt einer Beru­fungs­be­grün­dung

Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Umstän­de bezeich­nen, aus denen sich nach Ansicht des Beru­fungs­klä­gers die Rechts­ver­let­zung und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung erge­ben; nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 ZPO muss sie kon­kre­te Anhalts­punk­te bezeich­nen, die Zwei­fel an der Rich­tig­keit oder Voll­stän­dig­keit der Tat­sa­chen­fest­stel­lung im ange­foch­te­nen Urteil begrün­den und des­halb eine erneu­te Fest­stel­lung gebie­ten. Dazu gehört eine aus sich her­aus ver­ständ­li­che Anga­be, wel­che bestimm­ten Punk­te des ange­foch­te­nen Urteils der Beru­fungs­klä­ger bekämpft und wel­che tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Grün­de er ihnen im Ein­zel­nen ent­ge­gen­setzt. Beson­de­re for­ma­le Anfor­de­run­gen bestehen zwar nicht; auch ist es für die Zuläs­sig­keit der Beru­fung ohne Bedeu­tung, ob die Aus­füh­run­gen in sich schlüs­sig oder recht­lich halt­bar sind. Die Beru­fungs­be­grün­dung muss aber auf den kon­kre­ten Streit­fall zuge­schnit­ten sein. Es reicht nicht aus, die Auf­fas­sung des Erst­ge­richts mit for­mu­lar­mä­ßi­gen Sät­zen oder all­ge­mei­nen Rede­wen­dun­gen zu rügen oder ledig­lich auf das Vor­brin­gen ers­ter Instanz zu ver­wei­sen 1.

Hat das Erst­ge­richt die Abwei­sung der Kla­ge auf meh­re­re von­ein­an­der unab­hän­gi­ge, selb­stän­dig tra­gen­de recht­li­che Erwä­gun­gen gestützt, muss die Beru­fungs­be­grün­dung – wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend erkannt hat – in die­ser Wei­se jede tra­gen­de Erwä­gung angrei­fen; andern­falls ist das Rechts­mit­tel unzu­läs­sig 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Febru­ar 2015 – VI ZB 26/​14

  1. st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschluss vom 22.05.2014 – IX ZB 46/​12 7 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 18.10.2005 – VI ZB 81/​04, VersR 2006, 285 Rn. 8 f.; BGH, Beschlüs­se vom 28.01.2014 – III ZB 32/​13 13; vom 23.10.2012 – XI ZB 25/​11, NJW 2013, 174 Rn. 11; vom 15.06.2011 – XII ZB 572/​10, NJW 2011, 2367 Rn. 10; vgl. auch Hk-ZPO/Wöst­mann, 5. Aufl., § 520 Rn. 23; Zöller/​Heßler, ZPO, 30. Aufl., § 520 Rn. 37a; jeweils mwN[]