Pau­schal­rei­sen – und die Höhe der Anzah­lung

Bei Pau­schal­rei­sen kann es zuläs­sig sein, wenn der Ver­an­stal­ter bei Buchung eine Anzah­lung in Höhe von 40% des Rei­se­prei­ses ver­langt.

Pau­schal­rei­sen – und die Höhe der Anzah­lung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit ver­lang­te der kla­gen­de Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len und Ver­brau­cher­ver­bän­de von der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin TUI Deutsch­land GmbH, es zu unter­las­sen, beim Abschluss bestimm­ter Pau­schal­rei­sen eine Rei­se­be­din­gung zu ver­wen­den, die eine Anzah­lung in Höhe von 40 % des Rei­se­prei­ses vor­sieht.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Han­no­ver hat der Rei­se­ver­an­stal­te­rin die Ver­wen­dung der kon­kre­ten Klau­sel unter­sagt 1. Die Beru­fung der Rei­se­ver­an­stal­te­rin hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le zurück­ge­wie­sen. Auf die vom Ober­lan­des­ge­richt Cel­le zuge­las­se­ne Revi­si­on der Rei­se­ver­an­stal­te­rin hat der Bun­des­ge­richts­hof im Dezem­ber 2014 das Beru­fungs­ur­teil teil­wei­se auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le zurück­ver­wie­sen 2. Im wie­der­eröff­ne­ten Beru­fungs­ver­fah­ren hat die Rei­se­ver­an­stal­te­rin die Beru­fung zum Teil zurück­ge­nom­men und die Klau­sel nur noch in fol­gen­der Fas­sung ver­tei­digt:

"Bei Ver­trags­schluss wird bei Rei­sen der Mar­ken X1-2-Fly und XTUI gegen Aus­hän­di­gung der Bestä­ti­gung die Anzah­lung in Höhe von 40 % des Gesamt­prei­ses fäl­lig".

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le hat die ver­blie­be­ne Beru­fung der Rei­se­ver­an­stal­te­rin erneut zurück­ge­wie­sen 3. Es hat ange­nom­men, die Rei­sen­den wür­den durch eine Anzah­lung in Höhe von 40 % des Rei­se­prei­ses unmit­tel­bar bei Ver­trags­schluss unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt. Die Rei­se­ver­an­stal­te­rin habe zwar für die in Rede ste­hen­den Rei­sen die Vor­leis­tungs­quo­ten für die Geschäfts­jah­re 2013/​14 und 2014/​15 mit 47,1 % und 46 % berech­net, dabei aber aus Rechts­grün­den nicht berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Pro­vi­si­ons­zah­lun­gen an Rei­se­bü­ros ein­be­zo­gen. Nach deren Abzug ver­blie­ben Vor­leis­tungs­quo­ten von 37,8 % und 36,6 %, die eine Anzah­lung in der gefor­der­ten Höhe nicht recht­fer­ti­gen könn­ten. Zudem wie­sen die Vor­leis­tun­gen der Rei­se­ver­an­stal­te­rin bei den Kos­ten für Flug­be­för­de­rung und Hotels eine zu gro­ße Band­brei­te auf. Die für die Rei­sen der jewei­li­gen Mar­ken gebil­de­te durch­schnitt­li­che Vor­leis­tungs­quo­te sei daher nicht, wie vom Bun­des­ge­richts­hof ver­langt, für die Gesamt­heit die­ser Rei­sen reprä­sen­ta­tiv.

Die vom Ober­lan­des­ge­richt Cel­le zuge­las­se­ne Revi­si­on der Rei­se­ver­an­stal­te­rin hat­te nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof wie­der­um Erfolg und führ­te zur Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils und zur erneu­ten Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le:

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Pro­vi­si­ons­zah­lun­gen an Rei­se­bü­ros als Auf­wen­dun­gen des Rei­se­ver­an­stal­ters ange­se­hen, die die­ser für die Bera­tung des Rei­sen­den und die Pla­nung der von die­sem gebuch­ten Rei­se im zeit­li­chen Zusam­men­hang mit der Buchung erbrin­gen muss. Die Zah­lun­gen ver­rin­gern folg­lich buchungs­be­zo­gen die liqui­den Mit­tel des Rei­se­ver­an­stal­ters.

Hin­sicht­lich der Flug­kos­ten, die die Rei­se­ver­an­stal­te­rin nach ihrem Vor­trag in etwa 90 % der Rei­sen vor­fi­nan­zie­ren muss und in etwa 10 % erst bei Durch­füh­rung der Rei­sen bezahlt, hat der Bun­des­ge­richts­hof es anders als das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le nicht für erfor­der­lich gehal­ten, bei der Bemes­sung der Höhe der Anzah­lung zwi­schen bei­den Fäl­len zu dif­fe­ren­zie­ren. Denn es besteht kein Zusam­men­hang zwi­schen Art, Zuschnitt und Qua­li­tät der Rei­se­leis­tun­gen, die der Ver­brau­cher bucht, und der Art und Wei­se, wie die Rei­se­ver­an­stal­te­rin die Flug­be­för­de­rung finan­ziert und gege­be­nen­falls vor­fi­nan­ziert. Es ist daher nicht zu bean­stan­den, wenn die Gesamt­heit der Vor­leis­tun­gen der Rei­se­ver­an­stal­te­rin für die Flug­be­för­de­rung mit einem iden­ti­schen Pro­zent­satz des Rei­se­prei­ses auf die von der Gesamt­heit der Rei­sen­den der Kate­go­ri­en X1-2-Fly und XTUI zu leis­ten­den Anzah­lun­gen umge­legt wer­den.

Hin­sicht­lich der Vor­leis­tun­gen, die die Rei­se­ver­an­stal­te­rin gegen­über Hotel­be­trei­bern erbringt ("tou­ris­ti­sche Vor­leis­tun­gen"), bedarf es noch der Klä­rung durch das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, ob zwi­schen Rei­sen der Kate­go­ri­en X1-2-Fly und XTUI und den übri­gen von der Rei­se­ver­an­stal­te­rin ange­bo­te­nen Rei­sen oder inner­halb die­ser Kate­go­ri­en signi­fi­kan­te Unter­schie­de bei der Höhe der tou­ris­ti­schen Vor­leis­tun­gen bestehen, die es gebo­ten erschei­nen las­sen, die­se bei den Anzah­lun­gen nicht mit einem ein­heit­li­chen Pro­zent­satz vom Rei­se­preis zu berück­sich­ti­gen, son­dern inso­weit zu dif­fe­ren­zie­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Juli 2017 – X ZR 71/​16

  1. LG Han­no­ver, Urteil vom 30.10.2012 – 18 O 129/​12[]
  2. BGH, Urteil vom 09.12.2014 – X ZR 147/​13, NJW-RR 2015, 618[]
  3. OLG Cel­le, Urteil vom 23.06.2016 – 11 U 279/​12[]