Räu­mungs­kla­ge gegen Mie­ter und des­sen Mit­be­woh­ner

Die Rechts­kraft der gegen den Mie­ter ergan­ge­nen Ent­schei­dung über den Rück­ga­be­an­spruch des Ver­mie­ters aus § 546 Abs. 1 BGB hat hin­sicht­lich der Fra­ge der Been­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses kei­ne Bin­dungs­wir­kung für eine nach­fol­gen­de Ent­schei­dung über den gegen den Drit­ten gerich­te­ten Rück­ga­be­an­spruch aus § 546 Abs. 2 BGB 1.

Räu­mungs­kla­ge gegen Mie­ter und des­sen Mit­be­woh­ner

Der Mit­be­woh­ner ist durch die Rechts­kraft des Räu­mungs­ur­teils gegen den Mie­ter nicht dar­an gehin­dert, mit der von ihm ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tel gel­tend zu machen, dass das Miet­ver­hält­nis zwi­schen dem Ver­mie­ter und dem Mie­ter ent­ge­gen der Annah­me des Gerichts in dem Räu­mungs­pro­zess gegen den Mie­ter nicht been­det sei. Denn die Rechts­kraft der gegen den Mie­ter ergan­ge­nen Ent­schei­dung über den Rück­ga­be­an­spruch des Ver­mie­ters aus § 546 Abs. 1 BGB hat, wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, hin­sicht­lich der Fra­ge der Been­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses kei­ne Bin­dungs­wir­kung für eine nach­fol­gen­de Ent­schei­dung über den gegen den Drit­ten gerich­te­ten Rück­ga­be­an­spruch aus § 546 Abs. 2 BGB 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof sieht kei­nen Anlass, davon im vor­lie­gen­den Fall abzu­wei­chen. Die Revi­si­on des Mit­be­woh­ners (hier: des Lebens­ge­fähr­ten der Mie­te­rin) ist daher nicht bereits wegen der Rechts­kraft der Ent­schei­dung über den gegen den Mie­ter gerich­te­ten Rück­ga­be­an­spruch unbe­grün­det. Sie hat­te im ent­schie­de­nen Fall aber aus mate­ri­ell-recht­li­chen Grün­den kei­nen Erfolg.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. April 2010 – VIII ZR 6/​09

  1. Bestä­ti­gung und Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 12.07.2006 – XII ZR 178/​03, NJW-RR 2006, 1385[]
  2. BGH, Urteil vom 12.07.2006 – XII ZR 178/​03, NJW-RR 2006, 1385, Tz. 26 ff.; vgl. auch MünchKommZPO/​Gottwald, 3. Aufl., § 325 Rdnr. 86; Stein/​Jonas/​Leipold, ZPO, 22. Aufl., § 325 Rdnr. 94; Musielak, ZPO, 7. Aufl., § 325 Rdnr. 18; Prüt­tin­g/Gehr­lein/Völz­mann-Sti­ckel­brock, ZPO, § 325 Rdnr. 32; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO, 68. Aufl., § 325 Rdnr. 34; Palandt/​Weidenkaff, BGB, 69. Aufl., § 546 Rdnr. 24; Schack, NJW 1988, 865, 871; aA Zöller/​Vollkommer, ZPO, 28. Aufl., § 325 Rdnr. 38; eben­so zu § 556 BGB aF: Blo­mey­er, Zivil­pro­zess­recht, Erkennt­nis­ver­fah­ren, 2. Aufl., § 93 III 2 b.; Häse­mey­er, ZZP 101 [1988], 385, 404; Bet­ter­mann, Die Voll­stre­ckung des Zivil­ur­teils in den Gren­zen sei­ner Rechts­kraft, S. 217 ff.; ders. in: Fest­schrift Baur [1981], S. 273 ff., 283 f.; Grun­sky, Grund­la­gen des Ver­fah­rens-rechts, 2. Aufl., § 47 VI 2 c[]