Reak­ti­ons­mög­lich­keit bei Frist­ab­lauf

Der Rechts­an­walt muss sich davon über­zeu­gen, dass ihm am Tag des notier­ten Frist­ab­laufs noch Zeit für die Anfer­ti­gung der Rechts­mit­tel­be­grün­dung oder für einen Antrag auf Ver­län­ge­rung der Begrün­dungs­frist ver­bleibt, wenn ihm die Sache zur Vor­be­rei­tung einer frist­ge­bun­de­nen Pro­zess­hand­lung vor­ge­legt wird.

Reak­ti­ons­mög­lich­keit bei Frist­ab­lauf

Nach den zur anwalt­li­chen Fris­ten­kon­trol­le ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen hat der Rechts­an­walt alles ihm Zumut­ba­re zu tun und zu ver­an­las­sen, damit die Fris­ten zur Ein­le­gung und Begrün­dung eines Rechts­mit­tels gewahrt wer­den 1. Nur von der rou­ti­ne­mä­ßi­gen Frist­be­rech­nung und Fris­ten­kon­trol­le kann er sich durch Über­tra­gung die­ser Tätig­keit auf zuver­läs­si­ge und sorg­fäl­tig über­wach­te Büro­kräf­te ent­las­ten. Hier­von ist die Prü­fung des Frist­ab­laufs im Zusam­men­hang mit der Bear­bei­tung der Sache zu unter­schei­den. Die­sen hat der Rechts­an­walt eigen­ver­ant­wort­lich nach­zu­prü­fen, wenn ihm die Sache zur Vor­be­rei­tung der frist­ge­bun­de­nen Pro­zess­hand­lung vor­ge­legt wird 2. Die Prü­fungs­pflicht ent­steht mit Vor­la­ge der Akten unab­hän­gig davon, ob sich der Rechts­an­walt zur sofor­ti­gen Bear­bei­tung der Sache ent­schließt oder die Ver­län­ge­rung der Frist bean­tragt. Bei der Vor­la­ge muss sich der Rechts­an­walt davon über­zeu­gen, ob ihm am Tag des notier­ten Frist­ab­laufs noch Zeit für die Anfer­ti­gung der Rechts­mit­tel­be­grün­dung oder für einen Antrag auf Ver­län­ge­rung der Begrün­dungs­frist ver­bleibt 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juni 2012 – VI ZB 76/​11

  1. BGH, Beschluss vom 28.09.1989 – VII ZR 115/​89, NJW 1990, 1239, 1240 = BGHR ZPO § 233 Fris­ten­kon­trol­le 12 und vom 10.03.2011 – VII ZB 37/​10, NJW 2011, 1597 Rn. 12[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 29.09.1998 – VI ZB 16/​98; vom 09.03.1999 – VI ZB 3/​99, VersR 1999, 866, 867 und vom 10.06.2008 – VI ZB 2/​08, VersR 2009, 283 Rn. 7; BGH, Beschlüs­se vom 13.11.1975 – III ZB 18/​75, NJW 1976, 627, 628; vom 06.07.1994 – VIII ZB 12/​94, NJW 1994, 2831, 2832; vom 24.10.2001 – VIII ZB 19/​01, VersR 2002, 1391 f. und vom 19.04.2005 – X ZB 31/​03[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 25.04.2007 – VI ZB 66/​06, VersR 2008, 273 Rn. 7 und vom 29.09.1998 – VI ZB 16/​98 aaO[]