Recht­li­ches Gehör – und die Ent­schei­dungs­grün­de

Die Bestim­mung des Art. 103 Abs. 1 GG garan­tiert den Betei­lig­ten eines gericht­li­chen Ver­fah­rens, dass sie Gele­gen­heit erhal­ten, sich zu dem einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt vor Erlass der Ent­schei­dung zu äußern, und dass das Gericht das Vor­brin­gen zur Kennt­nis nimmt und bei sei­ner Ent­schei­dung in Erwä­gung zieht1.

Recht­li­ches Gehör – und die Ent­schei­dungs­grün­de

Die Par­tei hat jedoch kei­nen Anspruch dar­auf, dass das Gericht sich mit ihrem Vor­brin­gen in dem Sinn befasst, den sie für rich­tig erach­tet2.

Danach ist das recht­li­che Gehör nicht ver­letzt, wenn sich das Gericht mit dem von der Pro­zess­par­tei ange­führ­ten Prä­ze­denz­ur­teil befasst und es zur Begrün­dung her­an­ge­zo­gen hat. Dass das Gericht hier­aus nicht die von der Par­tei gewünsch­ten Schluss­fol­ge­run­gen gezo­gen hat, ver­letzt ihren Anspruch auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Mai 2018 – I ZR 110/​16

  1. BVerfGE 86, 133, 144; BVerfG, NJW-RR 2004, 1710, 1712 []
  2. BGH, Beschluss vom 03.04.2014 – I ZR 137/​12, Mar­kenR 2014, 343 Rn. 2 – BAVARIA; Beschluss vom 21.01.2016 – I ZR 159/​14, Rn. 2; Beschluss vom 14.12 2017 – I ZR 195/​15, Rn. 5 []