Regress­ver­zicht des Gebäu­de­ver­si­che­rers

Nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist dem Gebäu­de­ver­si­che­rungs­ver­trag ein Regress­ver­zicht des Ver­si­che­rers für die Fäl­le zu ent­neh­men, in denen der Mie­ter einen Gebäu­de­scha­den leicht fahr­läs­sig (also weder grob fahr­läs­sig noch vor­sätz­lich) her­bei­ge­führt hat. Nun­mehr hat­te der IV. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­ho­fes in vier Revi­si­ons­ver­fah­ren erneut über die Fra­ge des Regress­ver­zichts des Ver­si­che­rers und über wei­te­re damit zusam­men­hän­gen­de und in der Recht­spre­chung der Instanz­ge­rich­te und der Lite­ra­tur umstrit­te­ne Rechts­fra­gen zu ent­schei­den.

Regress­ver­zicht des Gebäu­de­ver­si­che­rers

Im Ergeb­nis ergibt sich aus den vier Urtei­len:

  1. Der BGH hält dar­an fest, dass in der Gebäu­de­ver­si­che­rung die ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung einen Regress­ver­zicht des Ver­si­che­rers für die Fäl­le ergibt, in denen der Mie­ter einen Scha­den am Gebäu­de durch leich­te Fahr­läs­sig­keit ver­ur­sacht hat, und dass dem Ver­si­che­rer der Regress auch dann ver­wehrt ist, wenn der Mie­ter eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung unter­hält, die Ansprü­che wegen Schä­den an gemie­te­ten Sachen deckt.
  2. Ein Regress­ver­zicht des Gebäu­de­ver­si­che­rers ist auch bei einem auf Dau­er ange­leg­ten unent­gelt­li­chen Nut­zungs­ver­hält­nis anzu­neh­men.
  3. Eine vor­sätz­li­che oder grob fahr­läs­si­ge Her­bei­füh­rung des Gebäu­de­scha­dens durch einen Drit­ten ist dem Mie­ter nur zuzu­rech­nen, wenn der Drit­te sein Reprä­sen­tant war. § 278 BGB ist nicht anwend­bar.
  4. Dem Gebäu­de­ver­si­che­rer, dem der Regress gegen den Mie­ter ver­wehrt ist, steht gegen des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rer ent­spre­chend den Grund­sät­zen der Dop­pel­ver­si­che­rung (§ 59 Abs. 2 Satz 1 VVG) ein Anspruch auf antei­li­gen Aus­gleich zu; einen vol­len Aus­gleich im Deckungs­um­fang der Haft­pflicht­ver­si­che­rung kann er nicht ver­lan­gen.
  5. Die Recht­spre­chung zum Regress­ver­zicht des Gebäu­de­ver­si­che­rers kann auf die Haus­rat­ver­si­che­rung des Ver­mie­ters nicht über­tra­gen wer­den.

    Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 13. Sep­tem­ber 2006 – IV ZR 378/​02, IV ZR 26/​04, IV ZR 116/​05 und IV ZR 273/​05