Selb­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren – und die Kos­ten­ent­schei­dung bei Antrags­rück­nah­me

Im Fal­le der Rück­nah­me des Antrags auf Durch­füh­rung einer Beweis­auf­nah­me im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren hat die Kos­ten die­ses Ver­fah­rens ent­spre­chend § 269 Abs. 3 Satz 2 ZPO grund­sätz­lich der Antrag­stel­ler zu tra­gen.

Selb­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren – und die Kos­ten­ent­schei­dung bei Antrags­rück­nah­me

Der Kos­ten­aus­spruch ist in die­sem Fall jeden­falls dann dem Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor­be­hal­ten, wenn ein sol­ches anhän­gig ist und des­sen Par­tei­en und Streit­ge­gen­stand mit den­je­ni­gen des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens iden­tisch sind.

Einen vom Antrag­stel­ler erklär­ten "Über­gang" vom selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren in das Haupt­sa­che­ver­fah­ren sieht das Pro­zess­recht nicht vor. Zu Recht hat das Beschwer­de­ge­richt die ent­spre­chen­de Erklä­rung des Antrag­stel­lers des­halb in eine Rück­nah­me des Antrags auf Durch­füh­rung einer Beweis­auf­nah­me im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren und eine davon zu tren­nen­de Kla­ge­er­he­bung umge­deu­tet. Denn auch im Ver­fah­rens­recht gilt in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 140 BGB der Grund­satz, dass eine feh­ler­haf­te Par­tei­hand­lung in eine zuläs­si­ge und wirk­sa­me Pro­zess­erklä­rung umzu­deu­ten ist, wenn deren Vor­aus­set­zun­gen ein­ge­hal­ten sind, die Umdeu­tung dem mut­maß­li­chen Par­tei­wil­len ent­spricht und kein schutz­wür­di­ges Inter­es­se des Geg­ners ent­ge­gen­steht 1. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im Streit­fall ohne Wei­te­res erfüllt. Ins­be­son­de­re ver­moch­te die Antrag­stel­le­rin das von ihr ver­folg­te Ziel, das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren sofort und end­gül­tig zu been­den und statt­des­sen das Kla­ge­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren, nur auf dem vom Beschwer­de­ge­richt ange­nom­me­nen Weg zu errei­chen.

Im Fal­le der Rück­nah­me des Antrags auf Durch­füh­rung einer Beweis­auf­nah­me im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren hat – was das Beschwer­de­ge­richt eben­falls noch zutref­fend erkannt hat – die Kos­ten die­ses Ver­fah­rens in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 269 Abs. 3 Satz 2 ZPO grund­sätz­lich der Antrag­stel­ler zu tra­gen 2. Dies bedeu­tet aber nicht, dass die­se Kos­ten­fol­ge in jedem Fall noch im Rah­men des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens aus­zu­spre­chen ist. Ist – wie im Streit­fall – ein Haupt­sa­che­ver­fah­ren anhän­gig und sind des­sen Par­tei­en und Streit­ge­gen­stand mit den­je­ni­gen des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens iden­tisch 3, so ist auch die­ser Kos­ten­aus­spruch viel­mehr dem Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor­be­hal­ten 4 und dort – ggf. unter Anwen­dung von § 96 ZPO 5 – auch mög­lich.

Die vom Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he 6 inso­weit in Bezug genom­me­ne Ent­schei­dung des VIII. Zivil­se­nats vom 07.12 2010 7 und die Ent­schei­dung des VII. Zivil­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs vom 24.02.2011 8 ste­hen dem nicht ent­ge­gen. Denn mit der hier gege­be­nen Fall­ge­stal­tung, dass ein Haupt­sa­che­ver­fah­ren bereits anhän­gig ist, befas­sen sie sich nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. April 2015 – VI ZB 36/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 07.12 2010 – VIII ZB 14/​10, NJW 2011, 1292 Rn. 9 mwN[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 07.12 2010 – VIII ZB 14/​10, NJW 2011, 1292 Rn. 10 ff.; vom 10.03.2005 – VII ZB 1/​04, NJW-RR 2005, 1015[]
  3. vgl. nur BGH, Beschluss vom 08.10.2013 – VIII ZB 61/​12, VersR 2014, 353 Rn. 9 mwN[]
  4. BGH, Beschluss vom 10.03.2005 – VII ZB 1/​04, aaO, 1016[]
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.10.2013 – VIII ZB 61/​12, aaO Rn.19; vom 09.02.2006 – VII ZB 59/​05, NJW-RR 2006, 810 Rn. 14[]
  6. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 31.03.2014 – 13 W 10/​14[]
  7. BGH, Beschluss vom 07.12.2010 – VIII ZB 14/​10, aaO[]
  8. BGH, Beschluss vom 24.02.2011 – VII ZB 20/​09, NJW-RR 2011, 932[]