Sperr­frist Rück­nah­me eines Rest­schuld­be­frei­ungs­an­trags

Nimmt der Schuld­ner sei­nen Antrag auf Rest­schuld­be­frei­ung zurück, ist ein neu­er Antrag erst nach Ablauf einer Sperr­frist von drei Jah­ren zuläs­sig.

Sperr­frist Rück­nah­me eines Rest­schuld­be­frei­ungs­an­trags

Ein Antrag auf Rest­schuld­be­frei­ung ist unzu­läs­sig, wenn er inner­halb von drei Jah­ren nach rechts­kräf­ti­ger Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung in einem frü­he­ren Ver­fah­ren wegen einer vor­sätz­li­chen oder grob fahr­läs­si­gen Ver­let­zung sei­ner Aus­kunfts- oder Mit­wir­kungs­pflich­ten gestellt wor­den ist (§ 290 Abs. 1 Nr. 3 InsO ana­log 1). Glei­ches gilt, wenn der Rest­schuld­be­frei­ungs­an­trag in dem frü­he­ren Ver­fah­ren als unzu­läs­sig ver­wor­fen wor­den ist 2. Stellt der Schuld­ner in einem vor­an­ge­gan­ge­nen Insol­venz­ver­fah­ren über sein Ver­mö­gen kei­nen Antrag auf Rest­schuld­be­frei­ung, gilt die Sperr­frist von drei Jah­ren eben­falls 3.

Stellt der Schuld­ner – wie im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall – im Erst­ver­fah­ren einen Antrag auf Rest­schuld­be­frei­ung, nimmt er die­sen Antrag dann aber zurück, um so eine Ent­schei­dung des Insol­venz­ge­richts über einen Ver­sa­gungs­an­trag zu ver­hin­dern, kann nichts ande­res gel­ten 4. Es steht nicht im Belie­ben des Schuld­ners, neue Ver­fah­ren ein­zu­lei­ten, um die an zeit­li­che Fris­ten geknüpf­ten Ver­sa­gungs­tat­be­stän­de des § 290 Abs. 1 Nr. 2 bis 4 InsO zu umge­hen und durch eine Anpas­sung der tat­säch­li­chen Grund­la­gen nach­träg­lich eine Rest­schuld­be­frei­ung zu errei­chen 5. Die Sperr­frist von drei Jah­ren beginnt in einem sol­chen Fall mit der Rück­nah­me des Antrags auf Rest­schuld­be­frei­ung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Mai 2011 – IX ZB 221/​09

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 16.07.2009 – IX ZB 219/​08, BGHZ 183, 13 Rn. 11 ff.[]
  2. BGH, Beschluss vom 03.12. 2009 – IX ZB 89/​09, NZI 2010, 153[]
  3. BGH, Beschluss vom 21.01.2010 – IX ZB 174/​09, NZI 2010, 195 Rn. 8[]
  4. Pape in Fest­schrift Gan­ter, 2010, S. 315, 335 f[]
  5. BGH, Beschluss vom 16.07.2009, aaO Rn. 9 f[]
  6. BGH, Beschluss vom 01.03.1993 – II ZR 179/​91, NJW 1993, 1715[]