Streit­wert bei Strom­sper­rung

Der Streit­wert für den Antrag auf Dul­dung der Ein­stel­lung der Strom­ver­sor­gung durch Sper­rung der instal­lier­ten Mess­ein­rich­tung rich­tet sich in der Regel nach der Höhe der Abschlags­zah­lun­gen für einen Zeit­raum von 6 Mona­ten.

Streit­wert bei Strom­sper­rung

In dem vom Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg ent­schie­de­nen Fall der Streit­wert­fest­le­gung stimmt das Gericht der weit über­wie­gen­den Ansicht in der Recht­spre­chung zu, ins­be­son­de­re nach der der Ober­lan­des­ge­rich­te1, wonach sich der Streit­wert des Antrags auf Dul­dung der Ein­stel­lung der Strom­ver­sor­gung durch Sper­rung der instal­lier­ten Mess­ein­rich­tung danach rich­tet, wel­cher Wert der mit die­ser Ziel­set­zung ver­folg­ten Maß­nah­me, die in der Unter­bin­dung der Ent­nah­me wei­te­rer Ver­sor­gungs­leis­tun­gen liegt, bei­zu­mes­sen ist. Bei der Bewer­tung die­ses Inter­es­ses ist auf den Zeit­raum abzu­stel­len, der übli­cher­wei­se zwi­schen der Ent­ste­hung des Dul­dungs­an­spruchs und dem Vor­lie­gen einer ent­spre­chen­den voll­streck­ba­ren Ent­schei­dung liegt. Der in die­ser Zeit vor­aus­sicht­lich anfal­len­de Ver­brauch, der in den fest­ge­setz­ten Monats­ab­schlä­gen zum Aus­druck kommt, spie­gelt das Inter­es­se des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens wie­der und ist daher als Grund­la­ge für den gemäß § 3 ZPO nach frei­em Ermes­sen fest­zu­set­zen­den Streit­wert anzu­se­hen.

Die Streit­wert­be­mes­sung rich­tet sich nicht nach § 6 ZPO, weil es den Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men nicht um die Her­aus­ga­be und den Besitz der Mess­ge­rä­te geht, son­dern um die Durch­set­zung ihres Zurück­be­hal­tungs­rechts durch Unter­bre­chung der Strom- und/​oder Gas­ver­sor­gung. Auch sind auf­ge­lau­fe­ne Rück­stän­de kein Fak­tor für die Bemes­sung des Streit­werts des auf zukünf­ti­ge Unter­bin­dung der Ver­sor­gung abzie­len­den Antrags. Der Umfang des Rück­stan­des fin­det ggfls. in einem ent­spre­chen­den Zah­lungs­an­trag sei­nen Nie­der­schlag. Dass die Sper­rung der wei­te­ren Ver­sor­gung zur Durch­set­zung auch die­ser Alt­for­de­run­gen die­nen soll, kann nicht als streit­wert­be­stim­mend für die­sen Antrag auf Dul­dung der Sper­rung ange­se­hen wer­den.

Ent­ge­gen der Ansicht des Land­ge­richts ist der Zeit­raum, der übli­cher­wei­se zwi­schen der Ent­ste­hung des Dul­dungs­an­spruchs und der Erlan­gung einer voll­streck­ba­ren Ent­schei­dung liegt, nicht danach zu bemes­sen, wel­che durch­schnitt­li­che Ver­fah­rens­dau­er im jewei­li­gen Gerichts­be­zirk gege­ben ist. Viel­mehr ist im Inter­es­se einer Rechts­klar­heit eine gene­ra­li­sie­ren­de und zugleich auch ver­ein­fa­chen­de Betrach­tungs­wei­se gebo­ten. Dies steht im Ein­klang mit den oben genann­ten Ent­schei­dun­gen der Ober­lan­des­ge­rich­te, wobei aller­dings Unei­nig­keit besteht, ob inso­weit ein Zeit­raum von 6 Mona­ten2 oder von 12 Mona­ten3 anzu­neh­men ist.

In Anse­hung der in den ver­schie­de­nen Ent­schei­dun­gen zur Recht­fer­ti­gung der unter­schied­li­chen Zeit­dau­er ange­führ­ten Grün­de ist das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt der Auf­fas­sung, dass der Zeit­raum von 6 Mona­ten den tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten bes­ser gerecht wird als die Frist von einem Jahr. Die durch­schnitt­li­che Dau­er amts­ge­richt­li­cher Ver­fah­ren liegt nach den vor­lie­gen­den Sta­tis­ti­ken mehr oder weni­ger deut­lich unter sechs Mona­ten, wobei Rechts­strei­tig­kei­ten der hier in Rede ste­hen­den Art eher zügi­ger als der Durch­schnitt been­det sein dürf­ten. Selbst wenn man bei der Ermitt­lung des Zeit­raums einen gewis­sen Vor­lauf bis zur gericht­li­chen Gel­tend­ma­chung des Dul­dungs­an­spruchs und auch eine aller­dings kurz zu bemes­sen­de Frist für den Zeit­raum zwi­schen Vor­lie­gen des Titels und sei­ner Voll­stre­ckung ein­be­zieht, so erweist sich ein Zeit­raum von 6 Mona­ten als sach­ge­recht. Dass für die Erlan­gung eines Voll­stre­ckungs­ti­tels zur Unter­bin­dung der Ener­gie­zu­fuhr im Durch­schnitt ein Jahr zu ver­an­schla­gen sei, wie es in der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Köln4 heißt, erscheint dem­ge­gen­über nicht rea­lis­tisch. Auch der Ver­weis auf den Jah­res­wert des § 41 GKG führt nicht wei­ter, weil es hier nicht um das Bestehen oder Nicht­be­stehen eines Rechts­ver­hält­nis­ses geht und auch kein Her­aus­ga­be­an­spruch in Rede steht, son­dern ein kon­kre­tes Inter­es­se der kla­gen­den Par­tei zu bewer­ten ist, das sich mit einem Zeit­raum von 6 Mona­ten gerin­ger als ein Jah­res­ent­gelt dar­stellt5.

Ein Abschlag auf die­sen inner­halb von 6 Mona­ten zu erwar­ten­den Ver­brauch im Hin­blick dar­auf, dass das Aus­fall­ri­si­ko für die Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men nur einen Bruch­teil des inso­weit geschul­de­ten Ent­gelts aus­ma­che, ist nicht gerecht­fer­tigt, weil das Aus­maß der Gefahr, in der Zwangs­voll­stre­ckung aus­zu­fal­len, grund­sätz­lich auf die Streit­wert­be­mes­sung kei­nen Ein­fluss hat.

Ist dem­nach die Höhe der Abschlags­zah­lun­gen für einen Zeit­raum von 6 Mona­ten für den nach § 3 ZPO zu ermit­teln­den Streit­wert maß­geb­lich, so führt dies vor­lie­gend zu einem Streit­wert von 408,00 € (6 x 68,00 €). Soweit die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin einen Zeit­raum von 12 Mona­ten zugrun­de gelegt und den auf­ge­lau­fe­nen Rück­stand von ins­ge­samt 802,49 € ein­ge­rech­net wis­sen wol­len, hat ihre Beschwer­de hin­ge­gen kei­nen Erfolg.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 12. Juli 2010 – 1 W 30/​10

  1. vgl. OLG Köln, Beschl. vom 05.12.2005 – 5 W 161/​05, ZMR 2006, 208; OLG Braun­schweig, Beschl. vom 20.06.2006 – 7 W 24/​06, NJW-RR 2006, 1584; Han­sOLG Ham­burg, Beschl. vom 17.01.2008 – 14 W 3/​08, ZMR 2008, 891; OLG Schles­wig, Beschl. vom 02.02.2009 – 14 W 6/​09, OLGR 2009, 234; OLG Olden­burg, Beschl. vom 22.10.2009 – 5 W 54/​09, NZM 2010, 135
  2. so OLG Braun­schweig, Beschl. vom 20.06.2006 – 7 W 24/​06, NJW-RR 2006, 1584; OLG Schles­wig, Beschl. vom 02.02.2009 – 14 W 6/​09, OLGR 2009, 234; OLG Olden­burg, Beschl. vom 22.10.2009 – 5 W 54/​09, NZM 2010, 135
  3. so OLG Köln, Beschl. vom 05.12.2005 – 5 W 161/​05, ZMR 2006, 208; Han­sOLG Ham­burg, Beschl. vom 17.01.2008 – 14 W 3/​08, ZMR 2008, 891; in die­sem Sin­ne auch LG Ham­burg, Beschl. vom 16.04.2004 – 309 T 39/​04, ZMR 2004, 586
  4. Beschl. vom 05.12.2005 – 5 W 161/​05, ZMR 2006, 208
  5. vgl. auch OLG Braun­schweig, Beschl. vom 20.06.2006 – 7 W 24/​06, NJW-RR 2006, 1584