Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen bei der Gel­tend­ma­chung von Miet­män­geln

Zu den Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen bei der Gel­tend­ma­chung von Män­geln am Miet­ob­jekt hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung genom­men:

Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen bei der Gel­tend­ma­chung von Miet­män­geln

Das Gericht ver­letzt den Anspruch einer Par­tei auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG) ver­letzt, wenn es die Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen offen­kun­dig über­spannt und es dadurch ver­säumt, den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­vor­trag der Par­tei Beklag­ten in der nach Art. 103 Abs. 1 GG gebo­te­nen Wei­se zur Kennt­nis zu neh­men und die ange­bo­te­nen Bewei­se zu erhe­ben 1

Ein Sach­vor­trag zur Begrün­dung eines Anspruchs ist dann schlüs­sig und erheb­lich, wenn die Par­tei Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net und erfor­der­lich sind, das gel­tend gemach­te Recht als in der Per­son der Par­tei ent­stan­den erschei­nen zu las­sen. Die Anga­be nähe­rer Ein­zel­hei­ten ist nicht erfor­der­lich, soweit die­se für die Rechts­fol­gen nicht von Bedeu­tung sind 2. Das Gericht muss nur in die Lage ver­setzt wer­den, auf­grund des tat­säch­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei zu ent­schei­den, ob die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für das Bestehen des gel­tend gemach­ten Rechts vor­lie­gen 3. Sind die­se Anfor­de­run­gen erfüllt, ist es Sache des Tatrich­ters, in die Beweis­auf­nah­me ein­zu­tre­ten und dabei gege­be­nen­falls die benann­ten Zeu­gen oder die zu ver­neh­men­de Par­tei nach wei­te­ren Ein­zel­hei­ten zu befra­gen oder einem Sach­ver­stän­di­gen die beweis­erheb­li­chen Streit­fra­gen zu unter­brei­ten 4.

Da die Min­de­rung nach § 536 Abs. 1 BGB kraft Geset­zes ein­tritt, genügt der Mie­ter sei­ner Dar­le­gungs­last schon mit der Dar­le­gung eines kon­kre­ten Sach­man­gels, der die Taug­lich­keit der Miet­sa­che zum ver­trags­ge­mä­ßen Gebrauch beein­träch­tigt; das Maß der Gebrauchs­be­ein­träch­ti­gung (oder einen bestimm­ten Min­de­rungs­be­trag) braucht er hin­ge­gen nicht vor­zu­tra­gen 5. Von ihm ist auch nicht zu for­dern, dass er über eine hin­rei­chend genaue Beschrei­bung der Man­gel­er­schei­nun­gen ("Man­gel­sym­pto­me") hin­aus die – ihm häu­fig nicht bekann­te – Ursa­che die­ser Sym­pto­me bezeich­net 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Okto­ber 2011 – VIII ZR 125/​11

  1. vgl. auch BGH, Beschlüs­se vom 01.06.2005 – XII ZR 275/​02, NJW 2005, 2710 unter II 2; vom 02.06.2008 – II ZR 121/​07, NJW-RR 2008, 1311 Rn. 2; vom 19.06.2008 – VII ZR 127/​06, NZBau 2008, 644 Rn. 7 f.; vom 20.05.2010 – V ZR 201/​09[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 12.07.1984 – VII ZR 123/​83, NJW 1984, 2888 unter II 1 a; vom 21.01.1999 – VII ZR 398/​97, NJW 1999, 1859 unter II 2 a mwN; Beschlüs­se vom 01.06.2005 – XII ZR 275/​02, aaO unter II 2 a; vom 21.05.2007 – II ZR 266/​04, NJW-RR 2007, 1409 Rn. 8; vom 12.06.2008 – V ZR 223/​07[]
  3. BGH, Urtei­le vom 12.07.1984 – VII ZR 123/​83, aaO mwN; vom 13.12.2002 – V ZR 359/​01, NJW-RR 2003, 491 unter II 2 a[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 12.07.1984 – VII ZR 123/​83, aaO unter II 1 b; vom 21.01.1999 – VII ZR 398/​97, aaO unter II 2 b; Beschlüs­se vom 21.05.2007 – II ZR 266/​04, aaO; vom 12.06.2008 – V ZR 223/​07, aaO Rn. 7[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 27.02.1991 – XII ZR 47/​90, NJW-RR 1991, 779 unter 2 c; BGH, Beschluss vom 11.06.1997 – XII ZR 254/​95, WuM 1997, 488 unter b mwN; jeweils zu § 537 BGB aF[]
  6. vgl. BGH, Urtei­le vom 03.07.1997 – VII ZR 210/​96, NJW-RR 1997, 1376 unter II 1; vom 03.12.1998 – VII ZR 405/​97, NJW 1999, 1330 unter II 1; jeweils zum Besei­ti­gungs­ver­lan­gen von Bau­män­geln[]