Tan­ken ohne Bezah­lung – und die Detek­tiv­kost­ne

Ein Tank­stel­len­be­trei­ber kann die zur Ermitt­lung eines Kun­den auf­ge­wand­ten Kos­ten von die­sem erstat­tet ver­lan­gen, wenn der Kun­de ohne zuvor zu bezah­len das Tank­stel­len­ge­län­de ver­lässt.

Tan­ken ohne Bezah­lung – und die Detek­tiv­kost­ne

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall tank­te der Beklag­te am 7. März 2008 an der von der Klä­ge­rin geführ­ten Selbst­be­die­nungs­tank­stel­le an der A8 Die­sel­kraft­stoff zum Preis von 10,01 €. An der Kas­se bezahl­te er ledig­lich einen Scho­ko­rie­gel und zwei Vignet­ten zu einem Gesamt­preis von 25,30 €. Die Klä­ge­rin schal­te­te, nach­dem sie bemerkt hat­te, dass der Kraft­stoff nicht bezahlt wor­den war, ein Detek­tiv­bü­ro zur Ermitt­lung des Beklag­ten ein. Hier­für sind Kos­ten in Höhe von 137,00 € ange­fal­len. Zudem begehrt die Klä­ge­rin die Erstat­tung einer Aus­la­gen­pau­scha­le von 25,00 € und vor­ge­richt­li­cher Anwalts­ge­büh­ren in Höhe von 39,00 €. Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Amts­ge­richt Rosen­heim hat die Kla­ge abge­wie­sen 1, dage­gen hat das Land­ge­richt Traun­stein auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hin das amts­ge­richt­li­che Urteil auf­ge­ho­ben und der Kla­ge statt­ge­ge­ben 2. Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on des Beklag­ten blieb jetzt vor dem Bun­des­ge­richts­hof ohne Erfolg.

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass der Klä­ge­rin die gel­tend gemach­ten Beträ­ge jeden­falls als Ver­zugs­scha­den gemäß § 280 Abs. 1, 2, § 286 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 4 BGB zuste­hen. Dabei stell­te der Bun­des­ge­richts­hof klar, dass beim Tan­ken an einer Selbst­be­die­nungs­tank­stel­le ein Kauf­ver­trag über den Kraft­stoff bereits mit der Ent­nah­me des­sel­ben zustan­de kommt. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied zudem, dass sich der Beklag­te bereits zum Zeit­punkt des Ver­las­sens der Tank­stel­le im Ver­zug mit sei­ner Zah­lungs­pflicht befun­den hat. Einer Mah­nung bedurf­te es für den Ver­zugs­ein­tritt hier nicht, denn es ist dem Kun­den einer Selbst­be­die­nungs­tank­stel­le offen­sicht­lich, dass er unver­züg­lich nach dem Tan­ken den Kauf­preis ent­rich­ten muss. Eine geson­der­te Zah­lungs­auf­for­de­rung ist dem Tank­stel­len­be­trei­ber zudem in der Regel ohne erheb­li­chen Auf­wand nicht mög­lich, sobald der Kun­de die Tank­stel­le ver­las­sen hat, da ihm die Per­so­na­li­en des Kun­den und des­sen Anschrift unbe­kannt sind.

Als Fol­ge des Ver­zu­ges kann die Klä­ge­rin Ersatz ihrer Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten ver­lan­gen. Dazu gehö­ren im ent­schie­de­nen Fall auch die Kos­ten des Detek­tiv­bü­ros, da eine mehr­stün­di­ge Video­aus­wer­tung vor­ge­nom­men wer­den muss­te, die die Klä­ge­rin nicht mit eige­nem Per­so­nal bewerk­stel­li­gen konn­te. Für die Fra­ge der Ange­mes­sen­heit der Höhe der Kos­ten ist nicht pri­mär auf das Ver­hält­nis zum Kauf­preis abzu­stel­len, son­dern dar­auf, ob die Auf­wen­dun­gen sich im Rah­men des­sen hal­ten, was ein ver­stän­di­ger Mensch in glei­cher Lage auf­ge­wandt hät­te. Dies war nach den vom Bun­des­ge­richts­hof gebil­lig­ten Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts hier der Fall, weil Tank­stel­len­be­trei­ber sich auch bei rela­tiv gering­fü­gi­gen Beträ­gen nicht dar­auf ver­wei­sen las­sen müs­sen, von Ermitt­lun­gen wegen unbe­zahlt getank­ten Kraft­stoffs abzu­se­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Mail 2011 – VIII ZR 171/​10

  1. AG Rosen­heim, Urteil vom 13.08.2009 – 9 C 2095/​08[]
  2. LG Traun­stein, Urteil vom 07.07.2010 – 5 S 2956/​09 []