Teil­kos­ten­ent­schei­dung im selbst­stän­di­gen Beweisverfahren

Grund­sätz­lich ergeht im selbst­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren kei­ne Teil­kos­ten­ent­schei­dung, weil auch über die nicht von der Haupt­sa­che­kla­ge abge­deck­ten Tei­le ent­spre­chend § 96 ZPO mit­ent­schie­den wer­den kann. Nur aus­nahms­wei­se kann in kom­ple­xen Ver­fah­ren die ein­heit­li­che Kos­ten­ent­schei­dung zwi­schen Haupt­sa­che­ver­fah­ren und selbst­stän­di­gem Beweis­ver­fah­ren unterscheiden.

Teil­kos­ten­ent­schei­dung im selbst­stän­di­gen Beweisverfahren

Betreibt der Antrag­stel­ler ein selbst­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren nicht wei­ter, so kön­nen ihm in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 269 Abs. 3 S. 2 ZPO auf Antrag des Geg­ners die Kos­ten des Ver­fah­rens auf­er­legt wer­den1.

So liegt der Fall in dem hier vom Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richt ent­schie­de­nen Fall:

Es besteht eine Aus­nah­me­kon­stel­la­ti­on, weil es ein Haupt­sa­che­ver­fah­ren hin­sicht­lich des über­schie­ßen­den Teils der im selbst­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren fest­ge­stell­ten Man­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten nicht gibt, in dem regu­lär über die Kos­ten des selbst­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens ent­schie­den wer­den könn­te. In sol­chen Fäl­len besteht gleich­wohl ein Rege­lungs­be­dürf­nis, damit der (im Ergeb­nis ohne Erfolg in Anspruch genom­me­ne) Antrags­geg­ner die ihm ent­stan­de­nen Kos­ten liqui­die­ren kann. Die­se Rege­lungs­lü­cke wird mit einer Ana­lo­gie zu § 269 Abs. 3 S. 2 ZPO geschlos­sen, um einen inter­es­sen­ge­rech­ten Kos­ten­aus­gleich vor­neh­men zu kön­nen2. Eine ent­spre­chen­de Kos­ten­tra­gung der Antragstellerin/​Klägerin lässt sich näm­lich nicht über § 494 a Abs. 2 S. 1 ZPO errei­chen3.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 10. Sep­tem­ber 2019 – 7 W 19/​19

  1. OLG Koblenz, Beschluss vom 18.08.2004 – 5 W 521/​04, MDR 2005, 291[]
  2. vgl. OLG Koblenz, a.a.O. mit Hin­weis auf OLG Mün­chen vom 02.03.2001 – 28 W 979/​01, MDR 2001, 768[]
  3. BGH, Beschluss vom 24.06.2004 – VII ZB 11/​03, BauR 2004, 1485 – 1487[]