Unver­bind­li­che Flug­zei­ten im Rei­se­ver­trag

Die Ver­wen­dung einer Klau­sel, die dem Rei­se­ver­an­stal­ter eine nach­träg­li­che Ände­rung der Flug­zei­ten ermög­licht, ist unwirk­sam, da sie gegen­über dem Rei­sen­den zum Aus­druck bringt, die Flug­zei­ten könn­ten jeder­zeit ohne Begrün­dung geän­dert wer­den.

Unver­bind­li­che Flug­zei­ten im Rei­se­ver­trag

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Unter­las­sungs­be­geh­ren des Bun­des­ver­ban­des der Ver­brau­cher­zen­tra­len hin­sicht­lich unver­bind­li­cher Flug­zei­ten gegen einen Rei­se­ver­an­stal­ter in zwei­ter Instanz ent­schie­den. Bis­her war es dem Rei­se­ver­an­stal­ter auf­grund des Vor­be­halts „Die end­gül­ti­ge Fest­le­gung der Flug­zei­ten obliegt dem Ver­an­stal­ter mit den Rei­se­un­ter­la­gen" mög­lich, sogar in Fäl­len in denen bei der Buchung der Rei­se fes­te An- und Abflug­zei­ten benannt wur­den, die­se nach­träg­lich ein­sei­tig neu fest­zu­le­gen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le sei die ver­wen­de­te Klau­sel unwirk­sam, da sie gegen­über dem Rei­sen­den zum Aus­druck brin­ge, die Flug­zei­ten könn­ten jeder­zeit ohne Begrün­dung geän­dert wer­den. Indem der Rei­se­ver­an­stal­ter mit Flug­zei­ten wer­be, wür­den die­se Ein­fluss auf die Ent­schei­dung des Rei­sen­den neh­men und sei­en ent­spre­chend Gegen­stand des Rei­se­ver­tra­ges. Wäre eine im Rei­se­bü­ro oder im Inter­net benann­te Flug­zeit tat­säch­lich unver­bind­lich, so kön­ne der Rei­se­ver­an­stal­ter nach­träg­lich die begehr­ten Flug­zei­ten in weni­ger begehr­te ändern, um mit den wie­der frei gewor­de­nen begehr­ten Flug­zei­ten neu zu wer­ben und wei­te­re Ver­trä­ge zu schlie­ßen. Die­se Art der Neben­ab­re­de unter­lä­ge jedoch dem Recht all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen. Der Rei­se­ver­an­stal­ter dür­fe sich hier­nach eine völ­lig freie Flug­zei­ten­än­de­rung, wie die vor­lie­gen­de, nicht vor­be­hal­ten. Weder kön­ne der Ver­an­stal­ter ohne Anga­be trif­ti­ger Grün­de ein­sei­tig neue Flug­zei­ten bestim­men, noch im Fal­le nicht benann­ter Flug­zei­ten die­se ohne berech­tig­tes Inter­es­se ein­sei­tig erst­ma­lig fest­ge­le­gen. Eine Ände­rung der Flug­zei­ten füh­re zur Ände­rung der ver­trag­li­chen Leis­tung und müs­se für den Rei­sen­den zumin­dest durch zuvor kon­kret beschrie­be­ne trif­ti­ge Grün­de über­schau­bar sein.

Dar­über hin­aus ent­schied das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, dass die bis­her ver­wen­de­te Klau­sel, „Infor­ma­tio­nen über Flug­zei­ten durch Rei­se­bü­ros sind unver­bind­lich", nicht wei­ter in die Ver­trä­ge über Pau­schal­rei­sen auf­ge­nom­men wer­den dür­fe. Dem Rei­sen­den wür­de der Ein­druck ver­mit­telt, sämt­li­che Anga­ben des Rei­se­bü­ros zu Flug­zei­ten sei­en immer unver­bind­lich. Dies sei irre­füh­rend. Denn gäbe das Rei­se­bü­ro ledig­lich die Flug­an­ga­ben des Rei­se­ver­an­stal­ters wei­ter, müs­se sich der Rei­se­ver­an­stal­ter an sei­ne selbst genann­ten Anga­ben in jedem Fall fest­hal­ten las­sen. Ob es sich jedoch um eige­ne Anga­ben des Rei­se­bü­ros oder wei­ter­ge­lei­te­te Anga­ben des Rei­se­ver­an­stal­ters han­de­le, kön­ne der Rei­sen­de nicht erken­nen.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 7. Febru­ar 2013 – 11 U 82/​12