Ver­wir­rung bei einer Bestand­teils­zu­schrei­bung

Sind bei der Bestand­teils­zu­schrei­bung nach § 6 Abs. 1 S. 1 GBO das zuzu­schrei­ben­de und das auf­neh­men­de Grund­stück unter­schied­lich belas­tet, so kann allein hier­aus eine Besorg­nis der Ver­wir­rung nicht her­ge­lei­tet wer­den.

Ver­wir­rung bei einer Bestand­teils­zu­schrei­bung

Eine Ver­wir­rung im Sin­ne von § 6 Abs. 1 Satz 1 GBO ist zu besor­gen, wenn die Ein­tra­gun­gen im Grund­buch durch die Ver­ei­ni­gung der­art unüber­sicht­lich und/​oder schwer ver­ständ­lich wür­den, dass die Rechts­la­ge nicht mehr mit der gebo­te­nen Klar­heit und Bestimmt­heit erkenn­bar ist und des­halb die Gefahr von Strei­tig­kei­ten ein­ge­tra­ge­ner Berech­tig­ter unter­ein­an­der mit Drit­ten oder von Ver­wick­lun­gen im Fall der Zwangs­ver­stei­ge­rung besteht 1.

Die unter­schied­li­che Belas­tung der zu ver­bin­den­den Grund­stü­cke allein begrün­det – wie § 1131 BGB, der die Ver­schie­den­heit der Belas­tung vor­aus­setzt, zeigt – regel­mä­ßig nicht die Gefahr der Ver­wir­rung. Solan­ge näm­lich aus dem Grund­buch ersicht­lich ist, auf wel­chem Teil des dann ein­heit­li­chen Grund­stücks wel­ches Recht mit wel­chem Rang besteht, also die ein­zel­nen Tei­le nicht katas­ter­mä­ßig ver­schmol­zen sind, ist Ver­wir­rung nicht zu befürch­ten. Denn die bean­trag­te Zuschrei­bung als beson­de­re Art der Ver­ei­ni­gung hat ledig­lich zur Fol­ge, dass die ver­ei­nig­ten Grund­stü­cke ihre Selb­stän­dig­keit ver­lie­ren. Belas­tun­gen blei­ben in dem bis­he­ri­gen Umfang bestehen, kei­nes der frü­he­ren Grund­stü­cke haf­tet für die Las­ten der übri­gen; die Zwangs­voll­stre­ckung kann in jedes der frü­he­ren Grund­stü­cke geson­dert betrie­ben wer­den, wie wenn sie noch selb­stän­di­ge Grund­stü­cke wären.

Für die Fra­ge der Beur­tei­lung der Ver­wir­rungs­ge­fahr kommt es dabei auf den Stand des Grund­buchs zum Zeit­punkt der Ein­tra­gung der gewünsch­ten Ver­bin­dung unter Berück­sich­ti­gung gleich­zei­tig gestell­ter Anträ­ge an; der­zeit nicht bean­trag­te oder in Aus­sicht ste­hen­de Ver­schmel­zun­gen von Flur­stü­cken – die gege­be­nen­falls die Annah­me der Besorg­nis der Ver­wir­rung recht­fer­ti­gen könn­ten -, blei­ben für die Beur­tei­lung außer Betracht 2.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 5. Novem­ber 2013 – 4 W 192/​13

  1. vgl. z. B. OLG Cel­le, Beschluss vom 28.08.2013 – 4 W 150/​13; OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 31.03.2009 – 5 Wx 9/​09; BayO­bLG, Beschluss vom 25.09.1996 – 2Z BR 78/​96[]
  2. vgl. OLG Cel­le, a. a. O; OLG Nürn­berg, Beschluss vom 09.07.2012 – 10 W 2296/​11, unter Bezug­nah­me auf die dor­ti­ge Ent­schei­dung vom 28.12.2011 – 10 W 2043/​11; OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 19.06.2000 – 3 Wx 438/​99; OLG Schles­wig, Beschluss vom 17.02.1982 – 2 W 4/​82; Wald­ner in Bauer/​von Oefe­le, Grund­buch­ord­nung, 3. Aufl., § 6 Rn. 28; ande­rer Ansicht: Schöner/​Stöber, Grund­buch­recht, 15. Aufl., Rn. 636[]