Tarif­li­che Aus­schluss­fris­ten bei der Insol­venz­an­fech­tung

Auf eine Insol­venz­an­fech­tung von im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung erlang­ter Arbeits­ver­gü­tung sind tarif­li­cher Aus­schluss­fris­ten nicht anwend­bar.

Tarif­li­che Aus­schluss­fris­ten bei der Insol­venz­an­fech­tung

Nach § 131 Abs. 1 Nr. 2 InsO ist eine Rechts­hand­lung anfecht­bar, die einem Insol­venz­gläu­bi­ger eine Siche­rung oder Befrie­di­gung gewährt hat, die er nicht oder nicht in der Art oder nicht zu der Zeit zu bean­spru­chen hat­te (sog. inkon­gru­en­te Deckung), wenn die Hand­lung inner­halb des zwei­ten oder drit­ten Monats vor dem Eröff­nungs­an­trag vor­ge­nom­men wor­den ist und der Schuld­ner zur Zeit der Hand­lung zah­lungs­un­fä­hig war.

Nicht „in der Art“, wie sie der Gläu­bi­ger zu bean­spru­chen hat, erfolgt auch eine im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung erlang­te Befrie­di­gung. Folg­lich kann der Insol­venz­ver­wal­ter bei Vor­lie­gen der übri­gen Anfech­tungs­vor­aus­set­zun­gen von einem Arbeit­neh­mer die Rück­zah­lung von Arbeits­ver­gü­tung zur Mas­se ver­lan­gen, die die­ser durch Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men erlangt hat.

Die­ser Rück­for­de­rungs­an­spruch unter­fällt kei­nen tarif­li­chen Aus­schluss­fris­ten. Die insol­venz­recht­li­chen Anfech­tungs­re­ge­lun­gen sind zwin­gen­des Recht, in wel­ches die Tarif­ver­trags­par­tei­en nicht ein­grei­fen dür­fen. § 146 InsO, der für die Insol­venz­an­fech­tung auf die Rege­lun­gen über die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rung nach dem Bür­ger­li­chen Gesetz­buch ver­weist, nor­miert die zeit­li­che Begren­zung des Anfech­tungs­rechts abschlie­ßend.

In dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall war die Klä­ge­rin seit 1983 bei der Schuld­ne­rin beschäf­tigt. Auf­grund eines Insol­venz­an­trags vom 10. Mai 2007 wur­de am 1. Juli 2007 über das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net. In den letz­ten drei Mona­ten vor dem Insol­venz­an­trag erlang­te die Klä­ge­rin durch For­de­rungs­pfän­dun­gen von der Schuld­ne­rin rück­stän­di­ges Arbeits­ent­gelt. Der beklag­te Insol­venz­ver­wal­ter focht die Zah­lun­gen unter dem 23. April 2010 an. Mit der Wider­kla­ge ver­langt er die Rück­zah­lung zur Mas­se.

Das Arbeits­ge­richt hat der Wider­kla­ge statt­ge­ge­ben. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hin hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg die Wider­kla­ge wegen der Ver­säu­mung einer tarif­li­chen Aus­schluss­frist und mit der Begrün­dung abge­wie­sen, es lie­ge kei­ne inkon­gru­en­te Deckung vor 1. Auf die Revi­si­on des Beklag­ten hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt das Urteil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg zurück­ver­wie­sen. Die­ses wird nun im zwei­ten Rechts­gang zu klä­ren haben, ob die Schuld­ne­rin zur Zeit der maß­geb­li­chen Rechts­hand­lun­gen, dh. bei Zustel­lung der Pfän­dungs­be­schlüs­se, bereits zah­lungs­un­fä­hig war.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Okto­ber 2013 – 6 AZR 466/​12

  1. LAG Nürn­berg, Urteil vom 30. April 2012 – 7 Sa 557/​11[]