Vor­läu­fi­ge Voll­streck­bar­keit und die Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung

Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung aus einem für vor­läu­fig voll­streck­bar erklär­ten Urteil sind nicht erstat­tungs­fä­hig, soweit der Ver­ur­tei­lung durch das Rechts­mit­tel­ge­richt die mate­ri­ell-recht­li­che Grund­la­ge ent­zo­gen wird.

Vor­läu­fi­ge Voll­streck­bar­keit und die Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung

Inhalt und Umfang der Zah­lungs­ver­pflich­tung des Beklag­ten ergab sich in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall für die Par­tei­en erst aus dem Tenor und den den Tenor tra­gen­den Ent­schei­dungs­grün­den des rechts­kräf­ti­gen Urteils des Beru­fungs­ge­richts vom 11.01.2007. Dort ist unter ande­rem fest­ge­stellt, dass der vom Beklag­ten zu zah­len­de Betrag in Höhe von 35.790,43 € erst mit Ablauf des 31.12.2006 zur Zah­lung fäl­lig wur­de. Des­halb hat das Beru­fungs­ge­richt dem Klä­ger auch Zin­sen erst ab dem 1.01.2007 zuge­spro­chen. Durch die­ses Urteil ist die mate­ri­ell-recht­li­che Grund­la­ge der im land­ge­richt­li­chen Urteil aus­ge­spro­che­nen und für vor­läu­fig voll­streck­bar erklär­ten Leis­tungs­pflicht des Beklag­ten inso­weit ent­fal­len, als sie des­sen Zah­lungs­ver­pflich­tung vor Ablauf des 31.12.2006 zum Inhalt hat­te.

Die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung ist daher – soweit es die vom Klä­ger vor Ablauf des 31.12.2006 ergrif­fe­nen Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men anbe­trifft – ver­gleich­bar der­je­ni­gen, dass das Urteil, aus dem die (vor­läu­fi­ge ange­ord­ne­te) Zwangs­voll­stre­ckung betrie­ben wor­den ist, auf­ge­ho­ben wird. Für die­sen Fall bestimmt § 788 Abs. 3 ZPO, dass die Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung dem Schuld­ner zu erstat­ten sind. Die­se Vor­schrift beruht, wie der ver­gleich­ba­re § 717 Abs. 2 ZPO, auf dem all­ge­mei­nen Rechts­ge­dan­ken, dass der Gläu­bi­ger aus einem noch nicht end­gül­ti­gen Titel auf eige­ne Gefahr voll­streckt 1. Die­sem Rechts­ge­dan­ken ist zu ent­neh­men, dass Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung aus einem für vor­läu­fig voll­streck­bar erklär­ten Urteil nicht dem Schuld­ner zur Last fal­len sol­len, soweit der Ver­ur­tei­lung durch das Rechts­mit­tel­ge­richt die mate­ri­ell- recht­li­che Grund­la­ge ent­zo­gen wird. Der­ar­ti­ge Kos­ten sind daher nicht nur zu erstat­ten, wenn sie bereits bei­ge­trie­ben wur­den; sie dür­fen bereits im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Sep­tem­ber 2011 – VIII ZB 27/​09

  1. BGH, Beschluss vom 05.05.2011 – VII ZB 39/​10, WM 2011, 1142 Rn. 10; vgl. Zöller/​Stöber, ZPO, 28. Aufl., § 788 Rn. 22[]