Vor­ne und hin­ten ver­wech­sel ich nicht – sprach der Arzt…

Einem 20-jäh­ri­gen Fuß­ball­spie­ler steht nach einem Urteil des Land­ge­richts Osna­brück auf­grund einer feh­ler­haf­ten Ope­ra­ti­on am Ober­schen­kel ins­ge­samt ein Schmer­zens­geld von 8.000,- € zu. Ein Osna­brü­cker Kran­ken­haus wur­de daher zur Zah­lung von wei­te­ren 5.000,- € Schmer­zens­geld zzgl. Zin­sen und antei­li­ger Anwalts­kos­ten ver­ur­teilt. Im Vor­feld hat­te das Kran­ken­haus bereits 3.000,- € an den Fuß­bal­ler gezahlt.

Vor­ne und hin­ten ver­wech­sel ich nicht – sprach der Arzt…

Der Klä­ger ist ange­hen­der Pro­fi­fuß­bal­ler und erlitt beim Fuß­ball­spie­len am vor­de­ren Ober­schen­kel­mus­kel eine Zer­rung der Leis­te mit Seh­nen­riss. Am 5. Novem­ber 2009 wur­de der Klä­ger des­we­gen von dem ver­klag­ten Osna­brü­cker Kran­ken­haus am lin­ken Bein ope­riert – jedoch an dem gesun­den hin­te­ren Ober­schen­kel­mus­kel. Die­ser Behand­lungs­feh­ler beruh­te auf eine Ver­wechs­lung der Dia­gno­sen im Hau­se der Beklag­ten. Nach­dem dies erkannt wor­den war, wur­de der Klä­ger am 9.November 2009 ein zwei­tes Mal ope­riert, dies­mal an dem ver­letz­ten vor­de­ren Mus­kel.

Die Kam­mer sieht hier­in einen schwe­ren Behand­lungs­feh­ler des Kran­ken­hau­ses. Durch die über­flüs­si­ge ers­te Ope­ra­ti­on hat sich die Dau­er des sta­tio­nä­ren Auf­ent­halts um 4 Tage ver­län­gert. Ins­be­son­de­re auf­grund der Aus­füh­run­gen des medi­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen ist die Kam­mer davon über­zeugt, dass der Klä­ger unnö­ti­ger­wei­se eine 13 cm lan­ge Nar­be am Ober­schen­kel erlit­ten hat und nicht in der Lage ist, län­ger als 2 bis 3 Stun­den schmerz­frei zu sit­zen. Wenn der Klä­ger an die Gren­ze sei­ner Leis­tungs­fä­hig­keit gelangt, wer­den die Fol­gen der ers­ten Ope­ra­ti­on sei­ne Leis­tung etwas her­ab­set­zen. Trotz­dem wird er aber Fuß­ball auf hohem Niveau spie­len kön­nen. Dem­ge­gen­über konn­te der Klä­ger nicht bewei­sen, dass er eine Ver­här­tung des Unter­schen­kels und eine rele­van­te psy­chi­sche Beein­träch­ti­gung erlit­ten hat. Das Taub­heits­ge­fühl am Ober­schen­kel ist nicht auf die ers­te Ope­ra­ti­on zurück­zu­füh­ren.

Land­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 15. April 2011 – 2 O 1265/​10