Wirk­sam­keit der Voll­macht im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren

Die Wirk­sam­keit der Voll­macht im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren kann nicht mit der­sel­ben Begrün­dung erneut in Fra­ge gestellt wer­den, wenn bereits zuvor das Pro­zess­ge­richt auf die Rüge des Geg­ners einen Man­gel der Voll­macht ver­neint hat.

Wirk­sam­keit der Voll­macht im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bleibt die Rechts­be­schwer­de ohne Erfolg, weil im Kos­ten-fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht erneut zu prü­fen ist, ob der dama­li­ge Ver­wal­ter berech­tigt war, einen Anwalt mit der Ver­tre­tung der Beklag­ten zu beauf­tra­gen.

Gemäß § 88 ZPO kann der Man­gel der Voll­macht eines Pro­zess­be­voll-mäch­tig­ten von dem Geg­ner zwar in jeder Lage des Rechts­streits und damit grund­sätz­lich auch noch im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren gel­tend gemacht wer­den 1. Da in die­sem Ver­fah­ren Ein­wen­dun­gen gegen die zugrun­de lie­gen­de Kos­ten­grund­ent­schei­dung nicht erho­ben wer­den kön­nen, ist die Rüge aller­dings unbe­acht­lich, soweit sie sich auf die Voll­macht zur Füh­rung des Pro­zes­ses in der Haupt­sa­che bezieht. Gerügt wer­den kann nur die Berech­ti­gung, einen Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag für die Par­tei zu stel­len 2.

Auch eine sol­che Rüge ist aber aus­ge­schlos­sen, wenn ein mög­li­cher Man­gel der Voll­macht in dem vor­aus­ge­gan­ge­nen Rechts­streit bereits geprüft und ver­neint wor­den ist. Die Beur­tei­lung des für die Haupt­sa­che zustän­di­gen Gerichts bleibt dann – vor­be­halt­lich einer Über­prü­fung durch die höhe­re Instanz – für die wei­te­ren Pro­zess­hand­lun­gen des Bevoll­mäch­tig­ten maß­geb­lich und kann des­halb im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren, wel­ches einen Teil des Rechts­streits bil­det 3, nicht mit der­sel­ben Begrün­dung erneut in Fra­ge gestellt wer­den 4.

So ver­hält es sich hier. Nach­dem das Amts­ge­richt die Voll­macht der für die Beklag­ten auf­ge­tre­te­nen Rechts­an­wäl­te geprüft und im Hin­blick auf § 27 Abs. 2 Nr. 2 WEG für wirk­sam erach­tet hat 5, wären Ein­wen­dun­gen gegen die­se Rechts­an­sicht mit der Beru­fung gel­tend zu machen gewe­sen. Im Kos­ten­fest-set­zungs­ver­fah­ren ist der Klä­ger mit ihnen aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juli 2011 – V ZB 237/​10

  1. vgl. OLG Hamm, OLGR 2005, 385, 386; OLG Bam­berg, Jur­Bü­ro 1977, 1439, 1440; Stein/​Jonas/​Bork, ZPO, 22. Aufl., § 88 Rn. 2; Münch­Komm-ZPO/ v. Met­ten­heim, 3. Aufl., § 88 Rn. 6; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 28. Aufl., § 88 Rn. 2[]
  2. so zutref­fend: OLG Hamm, aaO; Zöller/​Vollkommer, aaO[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 22.11.2006 – IV ZB 18/​06, NJW-RR 2007, 422 Rn. 8[]
  4. vgl. BVerwG, AnwBl 1987, 236; KG, Jur­Bü­ro 2008, 316, 317; LG Bonn, AnwBl 1983, 518, 519[]
  5. AG Hei­del­berg, Ent­schei­dung vom 22.10.2009 – 45 C 73/​08[]