Wohn­raum­fo­tos im Inter­net

Wer­den Fotos von Wohn­räu­men ohne Ein­wil­li­gung des Bewoh­ners der Räu­me zu Wer­be­zwe­cken ins Inter­net gestellt, stellt dies kei­ne Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung dar, sofern aus den Fotos selbst oder ihrer Ein­bet­tung in die umge­ben­de Home­page kein Rück­schluss auf die Per­son des Bewoh­ners gezo­gen wer­den kann.

Wohn­raum­fo­tos im Inter­net

Das Recht der Klä­ge­rin auf Wah­rung ihrer Pri­vat­sphä­re ist nicht ver­letzt, wenn aus den Bil­dern nur erkenn­bar ist, dass irgend­ein Bade­zim­mer abge­bil­det ist und nicht erkenn­bar ist, dass es sich um das Bade­zim­mer gera­de der Klä­ge­rin han­delt. Das Per­sön­lich­keits­recht ist nicht um sich selbst wil­len geschützt, son­dern nur als Aus­fluss des Rechts auf Wah­rung der per­sön­li­chen Inte­gri­tät und der Pri­vat­sphä­re, was vor­aus­setzt, dass es untrenn­bar und für Außen­ste­hen­de erkenn­bar für mit sei­nem Trä­ger ver­knüpft ist. Dies gilt auch für die in der Recht­spre­chung ent­schie­de­nen Fäl­le, in denen uner­laubt Wer­bung gera­de mit der Per­son etwa eines Pro­mi­nen­ten betrie­ben wur­de 1, soweit der ver­mö­gens­recht­li­che Gehalt des Per­sön­lich­keits­rechts betrof­fen ist. In die­sen Fäl­len ist ent­schei­dend für den Scha­dens­er­satz­an­spruch die Ver­knüp­fung gera­de einer Per­son mit kom­mer­zi­el­len Inter­es­sen. An die­ser Ver­knüp­fung aber fehlt es hier. Hier wird aus­schließ­lich ein Bade­zim­mer mit der Wer­bung des beklag­ten Hand­wer­kers ver­knüpft, nicht aber gera­de die Per­son der Klä­ge­rin. Anders wäre der Fall zu beur­tei­len, hät­te der Beklag­te uner­laubt mit dem Namen oder einem Bild der Klä­ge­rin gewor­ben. Dies geschah hier aber nicht; die Wer­bung kon­zen­trier­te sich aus­schließ­lich auf Tat­sa­chen, näm­lich Gestal­tung und Ein­rich­tung des Bads, die Außen­ste­hen­de nicht mit der Per­son der Klä­ge­rin ver­knüp­fen konn­ten.

Die Klä­ge­rin hat gegen den beklag­ten Hand­wer­ker außer­dem kei­nen urhe­ber­recht­li­chen Anspruch auf Zah­lung von Scha­dens­er­satz in Form der fik­ti­ven Lizenz­ge­bühr aus § 97 Abs. 2 Satz 1 UrhG. Die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Vor­schrift lie­gen nicht vor. Bei dem Bade­zim­mer der Klä­ge­rin han­delt es sich nicht um ein urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Werk. Es fehlt schon an der not­wen­di­gen Schöp­fungs­hö­he im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 UrhG, weil es sich bei einem Bade­zim­mer um einen Gegen­stand des all­täg­li­chen Lebens han­delt. Es ist weder dar­ge­tan noch sonst ersicht­lich, dass es sich bei dem Bade­zim­mer der Klä­ge­rin um einen künst­le­risch beson­ders wert­vol­len oder aus sons­ti­gen Grün­den urhe­ber­recht­lich schüt­zens­wer­ten Raum han­delt. Denn All­tags­bau­ten, die ledig­lich bekann­te archi­tek­to­ni­sche For­men wie­der­ho­len und sich nicht aus der Mas­se des all­täg­li­chen Bau­ens, die also rein hand­werk­li­che pla­ne­ri­sche Rou­ti­neleis­tun­gen dar­stel­len, sind als rei­ne Zweck­bau­ten ohne künst­le­ri­schen Anspruch nicht geschützt 2. Abge­se­hen davon sind ein­zel­ne Zim­mer eines Gebäu­des nicht selbst­stän­dig geschützt 3. Ein­fa­che Tat­be­stän­de des All­tags, die kei­nen beson­de­ren künst­le­ri­schen Wert haben, sind urhe­ber­recht­lich nicht geschützt. Maß­geb­lich ist, ob es sich bei einem Werk um eine indi­vi­du­el­le Schöp­fung mit einem gewis­sen künst­le­ri­schen Wert han­delt. Eine der­ar­ti­ge indi­vi­du­el­le Schöp­fung schei­det aus, wenn ein Werk ledig­lich vor­han­de­ne Aus­drucks­for­men wie­der­holt. Das Werk muss sub­jek­tiv neu sein.

Amts­ge­richt Donau­eschin­gen, Urteil vom 10. Juni 2010 – 11 C 81/​10

  1. ver­glei­che nur BGH, NJW 2000, 2195 „Mar­le­ne Diet­rich“ und BGH, NJW 2000, 2201 „Blau­er Engel“[]
  2. vgl. hier­zu OLG Karls­ru­he, GRUR 1985, 524, 535 und Bul­lin­ger, in: Wandtke/​Bullinger, Urhe­ber­recht, 3. Aufl. 2009, § 2 UrhG Rn. 109[]
  3. Bul­lin­ger, a. a. O.[]