Agrar­sub­ven­ti­ons­zah­lun­gen und das Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz

Auch wenn die Sub­ven­ti­ons­da­ten­ban­ken im Inter­net nicht mehr ver­füg­bar sind: Infor­ma­tio­nen über Agrar­sub­ven­ti­ons­zah­lun­gen müs­sen teil­wei­se her­aus­ge­ge­ben wer­den, ent­schied jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter und gab damit in drei bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren den Anträ­gen von zwei Stern-Redak­teu­ren sowie von Green­peace e.V. weit­ge­hend Recht. Die Klä­ger hat­ten beim Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um des Lan­des NRW, beim Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um und bei der Bun­des­an­stalt für Land­wirt­schaft und Ernäh­rung den Antrag gestellt, Infor­ma­tio­nen über die größ­ten Emp­fän­ger von Zah­lun­gen aus dem EU-Agrar­haus­halt (z.B. Direkt­zah­lun­gen an Land­wir­te) zu erhal­ten.

Agrar­sub­ven­ti­ons­zah­lun­gen und das Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz

Die in ers­ter Instanz mit den Kla­gen befass­ten Ver­wal­tungs­ge­rich­te hat­ten unter­schied­lich ent­schie­den: Das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen; das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat­te zwei Kla­gen grund­sätz­lich statt­ge­ge­ben, aber eine vor­he­ri­ge Anhö­rung aller Zah­lungs­emp­fän­ger ver­langt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter haben die Klä­ger grund­sätz­lich einen Infor­ma­ti­ons­an­spruch nach dem Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz (UIG). Die begehr­ten Infor­ma­tio­nen sei­en Umwelt­in­for­ma­tio­nen im Sin­ne des UIG; denn die Agrar­sub­ven­tio­nen wirk­ten sich mit­tel­bar auf den Erhalt von Natur und Umwelt aus. Zur Wah­rung ihrer Daten­schutz­rech­te müss­ten aller­dings die natür­li­chen Per­so­nen vor der Her­aus­ga­be der gewünsch­ten Infor­ma­tio­nen (Höhe der Zah­lun­gen, Name und Anschrift der Emp­fän­ger) ange­hört wer­den; anschlie­ßend müss­ten die beklag­ten Behör­den eine Abwä­gungs­ent­schei­dung tref­fen. Etwas ande­res gel­te für die juris­ti­schen Per­so­nen (AG, GmbH, ein­ge­tra­ge­ne Genos­sen­schaf­ten). Die­se sei­en aus dem Anwen­dungs­be­reich der (euro­päi­schen) Daten­schutz­richt­li­nie und des deut­schen Daten­schutz­ge­set­zes bewusst aus­ge­nom­men wor­den. Auf ein Betriebs- oder Geschäfts­ge­heim­nis könn­ten sie sich nicht beru­fen, da nicht ersicht­lich sei, dass allein die Kennt­nis der Jah­res­be­trä­ge erhal­te­ner Agrar­sub­ven­tio­nen Rück­schlüs­se auf exklu­si­ves kauf­män­ni­sches oder tech­ni­sches Wis­sen zulas­se. Die­ser Auf­fas­sung sei im Übri­gen auch der Bun­des­be­auf­trag­te für den Daten­schutz und die Infor­ma­ti­ons­frei­heit.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urtei­le vom 1. März 2011 – 8 A 2861/​07, 8 A 3357/​08 und 8 A 3358/​08