Pro­zess­kos­ten­hil­fe für Ver­gleichs­mehr­wert

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für einen Ver­gleichs­mehr­wert kann nur bewil­ligt wer­den, wenn die pro­to­kol­lier­te Ver­ein­ba­rung einen Ver­gleich dar­stellt. Nach § 779 BGB ist ein Ver­gleich ein Ver­trag, durch den der Streit oder die Unge­wiss­heit der Par­tei­en über ein Rechts­ver­hält­nis oder die Unsi­cher­heit über die Ver­wirk­li­chung eines Anspruchs im Wege gegen­sei­ti­gen Nach­ge­bens besei­tigt wird. Kei­nen Ver­gleich stellt des­halb eine Ver­ein­ba­rung dar, durch die Rech­te und Pflich­ten erst begrün­det wer­den 1. Eben­so wenig han­delt es sich um einen Ver­gleich, wenn nur zu des­sen Pro­to­kol­lie­rung ein Rechts­streit anhän­gig gemacht wird, obwohl zwi­schen den Par­tei­en nichts strei­tig ist 2. Uner­heb­lich ist es jedoch, ob sich das Nach­ge­ben gera­de auf den ursprüng­li­chen Streit­ge­gen­stand oder auf ande­re Gegen­stän­de bezieht, solan­ge nur ein gegen­sei­ti­ges Nach­ge­ben vor­liegt 3.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für Ver­gleichs­mehr­wert

Dem­nach kann auch ein gericht­li­cher Ver­gleich nicht in sol­che Tei­le, hin­sicht­lich derer bereits ein Streit bestand, und ande­re Tei­le auf­ge­spal­ten wer­den, solan­ge und soweit die gefun­de­ne Gesamt­lö­sung der Bei­le­gung einer tat­säch­lich bestehen­den Mei­nungs­ver­schie­den­heit dient.

Wird Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Mehr­wert eines Ver­gleichs bean­tragt, kommt es für die erfor­der­li­che Erfolgs­aus­sicht nicht dar­auf an, ob der Pro­zess­par­tei, wäre über den zusätz­lich in den Ver­gleich ein­be­zo­ge­nen Gegen­stand ein Pro­zess geführt wor­den, Erfolgs­aus­sich­ten zur Sei­te stün­den oder nicht. Viel­mehr besteht eine Erfolgs­aus­sicht dann, wenn zu erwar­ten ist, dass ein Ver­gleich zustan­de kommt 4.

Die Mög­lich­keit, zu Las­ten der Staats­kas­se Gegen­stän­de in den Ver­gleich auf­zu­neh­men, besteht nicht unbe­grenzt. Pro­zess­kos­ten­hil­fe kann viel­mehr auch inso­weit nur gewährt wer­den, wenn die Rechts­ver­fol­gung, also die Rege­lung zusätz­li­cher Gegen­stän­de in dem Ver­gleich, nicht mut­wil­lig iSv. § 114 ZPO ist.

Mut­wil­lig­keit liegt vor, wenn eine nicht bedürf­ti­ge Par­tei in ver­gleich­ba­rer Lage ver­nünf­ti­ger­wei­se unter Berück­sich­ti­gung der Kos­ten­fol­gen von der Auf­nah­me der zusätz­li­chen Gegen­stän­de in den Ver­gleich abge­se­hen hät­te 5. Das ist ins­be­son­de­re der Fall, wenn ledig­lich aus Anlass eines Rechts­streits und sei­ner Been­di­gung Rege­lun­gen in den Ver­gleich auf­ge­nom­men wer­den, die über­flüs­sig sind, weil sie unstrei­tig sind und hin­sicht­lich derer auch kein Titu­lie­rungs­in­ter­es­se besteht.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 16. Febru­ar 2012 – 3 AZB 34/​11

  1. BAG 13.05.1998 – 7 ABR 65/​96 – zu B II 1 der Grün­de, AP BetrVG 1972 § 80 Nr. 55 = EzA BetrVG 1972 § 80 Nr. 42[]
  2. vgl. BAG 26.04.2006 – 7 AZR 366/​05, Rn. 28, AP TzB­fG § 14 Ver­gleich Nr. 1 = EzA TzB­fG § 14 Nr. 29[]
  3. so schon: RG 12.02.1927 – V 435/​26 – RGZ 116, 143, 145 f.[]
  4. aA LAG Rhein­land- Pfalz 5.12.2008 – 7 Ta 214/​08 – zu II der Grün­de[]
  5. vgl. BAG 18.05.2010 – 3 AZB 9/​10, Rn. 22 mwN, EzA ZPO 2002 § 121 Nr. 3[]