Dar­le­gungs- und Beweis­last im Ver­gü­tungs­pro­zess

Klagt ein Arbeit­neh­mer Arbeits­ver­gü­tung ein, hat er dar­zu­le­gen und – im Bestrei­ten­s­fall – zu bewei­sen, dass er Arbeit ver­rich­tet oder einer der Tat­be­stän­de vor­ge­le­gen hat, der eine Ver­gü­tungs­pflicht ohne Arbeit regelt.

Dar­le­gungs- und Beweis­last im Ver­gü­tungs­pro­zess

Der Arbeit­neh­mer trägt für die Behaup­tung, er habe die geschul­de­te Arbeit ver­rich­tet, die Dar­le­gungs- und Beweis­last. Aus­ge­hend von den Vor­schrif­ten des all­ge­mei­nen Schuld­rechts iVm. § 614 BGB gilt im Arbeits­ver­hält­nis der Grund­satz „Ohne Arbeit kein Lohn“ [1]. Ver­langt der Arbeit­neh­mer gemäß § 611 BGB Arbeits­ver­gü­tung für Arbeits­leis­tun­gen, hat er des­halb dar­zu­le­gen und – im Bestrei­ten­s­fall – zu bewei­sen, dass er Arbeit ver­rich­tet oder einer der Tat­be­stän­de vor­ge­le­gen hat, der eine Ver­gü­tungs­pflicht ohne Arbeit regelt (z.B. § 1 BUr­lG, §§ 615, 616 Satz 1 BGB, § 2 Abs. 1, § 3 Abs. 1 Ent­geltFG, § 37 Abs. 2 BetrVG). Da die kon­kret zu leis­ten­de Arbeit idR vom Arbeit­ge­ber durch Wei­sun­gen zu bestim­men ist (§ 106 GewO), genügt der Arbeit­neh­mer sei­ner Dar­le­gungs­last, indem er vor­trägt, er habe sich zur rech­ten Zeit am rech­ten Ort bereit­ge­hal­ten, um Arbeits­an­wei­sun­gen des Arbeit­ge­bers zu befol­gen. Auf die­sen Vor­trag muss der Arbeit­ge­ber im Rah­men einer gestuf­ten Dar­le­gungs­last sub­stan­ti­iert erwi­dern. Des­halb hat der Arbeit­ge­ber im Ein­zel­nen vor­zu­tra­gen, wel­che Arbei­ten er dem Arbeit­neh­mer zuge­wie­sen hat und ob der Arbeit­neh­mer den Wei­sun­gen nach­ge­kom­men ist. Trägt er nichts vor oder lässt er sich nicht sub­stan­ti­iert ein, gel­ten die vom Arbeit­neh­mer vor­ge­tra­ge­nen Arbeits­stun­den als zuge­stan­den.

Gelingt dem Arbeit­neh­mer die Dar­le­gung und im Fall sub­stan­ti­ier­ten Bestrei­tens der Beweis nicht, muss er das Risi­ko des Pro­zess­ver­lus­tes tra­gen, wenn sich die sein Begeh­ren tra­gen­den Tat­sa­chen nicht fest­stel­len las­sen. Denn die Beweis­last für die anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen trägt, wer den Anspruch erhebt [2]. Aus­ge­hend von den Moti­ven zum Bür­ger­li­chen Gesetz­buch [3] wird im Anschluss an die Recht­spre­chung des Reichs­ge­richts [4] dem Schuld­ner die Beweis­last für die Erfül­lung einer ihm oblie­gen­den Ver­pflich­tung auch dann zuge­wie­sen, wenn der Gläu­bi­ger aus der Nicht­er­fül­lung Rech­te her­lei­tet bzw. wenn sich an die Nicht­er­fül­lung einer posi­ti­ven ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung oder die nicht recht­zei­ti­ge Erfül­lung ungüns­ti­ge Rechts­fol­gen knüp­fen, die der Gläu­bi­ger gel­tend macht [5].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. April 2012 – 5 AZR 248/​11

  1. BAG (GS) 17.12.1959 – GS 2/​59 – zu B IV der Grün­de, BAGE 8, 285; vgl. auch BAG 13.02.2002 – 5 AZR 470/​00 – zu I 2 a der Grün­de, BAGE 100, 256; 7.06.1988 – 1 AZR 597/​86 – zu III 2 a der Grün­de, BAGE 58, 332[]
  2. BAG 24.10.2001 – 5 AZR 245/​00 – zu I 1 der Grün­de, AP Ent­geltFG § 2 Nr. 8 = EzA Ent­gelt­fort­zG § 2 Nr. 3; BGH 18.05.1999 – X ZR 158/​97NJW 1999, 2887; Stein-Jonas/­Lei­pold ZPO 22. Aufl. § 286 Rn. 61, 62; Rosen­berg Die Beweis­last 5. Aufl. S. 98[]
  3. Moti­ve I, 383[]
  4. RG 28.02.1898 – VI 352/​97 – RGZ 41, 220; 6.11.1898 – VI 241/​99 – RGZ 45, 356; 20.09.1910 – II 592/​09 – JW 1910, 937 Nr. 10; 20.11.1928 – III 51/​28 – HRR 1929 Nr. 373[]
  5. BGH 29.01.1969 – IV ZR 545/​68NJW 1969, 875; 17.01.2007 – VIII ZR 135/​04MDR 2007, 703; vgl. auch BGH 15.11.2006 – XII ZR 120/​04NJW 2007, 2394; Stein-Jonas/­Lei­pold ZPO 22. Aufl. § 286 Rn. 87, 88; Rosen­berg Die Beweis­last 5. Aufl. S. 346[]