Kein Sozi­al­plan bei Zwangs­schlie­ßung einer Betriebs­kran­ken­kas­se

Die bei einer Betriebs­kran­ken­kas­se gebil­de­te Eini­gungs­stel­le ist nicht berech­tigt, im Fal­le der Schlie­ßung der Kas­se durch das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt einen Sozi­al­plan zu beschlie­ßen.

Kein Sozi­al­plan bei Zwangs­schlie­ßung einer Betriebs­kran­ken­kas­se

Im April 2010 zeig­te die City BKK dem Bun­des­ver­si­che­rungs­amt ihre Über­schul­dung an. Mit Blick dar­auf bean­trag­te der Haupt­per­so­nal­rat die Auf­stel­lung eines Sozi­al­plans für den Fall der Kas­sen­schlie­ßung und rief nach Ableh­nung die­ses Antra­ges durch den Vor­stand der Kas­se die Eini­gungs­stel­le an. Die­se beschloss unter dem 16. Juni 2010 einen Sozi­al­plan über Abfin­dungs­leis­tun­gen für die Beschäf­tig­ten der Kas­se. Mit Bescheid vom 4. Mai 2011 ord­ne­te das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt die Schlie­ßung der Kas­se wegen feh­len­der auf Dau­er gesi­cher­ter Leis­tungs­fä­hig­keit zum 30. Juni 2011 an.

In der Fol­ge leg­te die bei der City BKK gebil­de­te Eini­gungs­stel­le am 16. Juni 2010 einen Sozi­al­plan fest. Die­sen Beschluss hat die City BKK im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren ange­grif­fen. Das von der City BKK ange­ru­fe­ne Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart hat den Beschluss der Eini­gungs­stel­le auf­ge­ho­ben 1. Die­se Ent­schei­dung hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim bestä­tigt 2. Die hier­ge­gen gerich­te­te Rechts­be­schwer­den des Haupt­per­so­nal­rats und der Eini­gungs­stel­le hat nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig eben­falls zurück­ge­wie­sen:

Die Eini­gungs­stel­le kann nach dem Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz nur in Fäl­len tätig wer­den, in denen ein Mit­be­stim­mungs­recht des Per­so­nal­rats besteht. Nach der hier allein in Betracht kom­men­den Vor­schrift des Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes bestimmt der Per­so­nal­rat mit bei der Auf­stel­lung von Sozi­al­plä­nen zum Aus­gleich oder zur Mil­de­rung von wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len, die den Beschäf­tig­ten infol­ge von Ratio­na­li­sie­rungs­maß­nah­men ent­ste­hen. Nach der Dienst­stel­len­ver­fas­sung des Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes setzt die Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats vor­aus, dass ent­we­der die Dienst­stel­le für ihre Beschäf­tig­ten oder die über­ge­ord­ne­te Dienst­stel­le für ihren Geschäfts­be­reich eine Maß­nah­me trifft. Für die Mit­be­stim­mung bei der Auf­stel­lung von Sozi­al­plä­nen bedeu­tet dies, dass wegen des engen Zusam­men­hangs zwi­schen Sozi­al­plan und Ratio­na­li­sie­rungs­maß­nah­me auch die Ratio­na­li­sie­rungs­maß­nah­me von der Beschäf­ti­gungs­stel­le selbst oder von der über­ge­ord­ne­ten Dienst­stel­le für ihren Geschäfts­be­reich getrof­fen sein muss. Dar­an fehlt es, wenn das Bun­des­ver­si­che- rungs­amt als staat­li­che Auf­sichts­be­hör­de eine als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts mit Selbst­ver­wal­tung ver­fass­te Betriebs­kran­ken­kas­se wegen deren Über­schul­dung schließt, denn die staat­li­che Auf­sichts­be­hör­de steht außer­halb des für die Betei­li­gung der Per­so­nal­rä­te maß­geb­li­chen Dienst­stel­len­or­ga­nis­mus.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 28. Novem­ber 2012 – 6 P 11.11

  1. VG Stutt­gart, Beschluss vom 02.03.2011 – PB 21 K 4633/​10[]
  2. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 29.09.2011 – PB 15 S 1026/​22[]