Kei­ne Ver­gü­tung für Mit­ar­bei­ter­ver­tre­ter im kirch­li­chen Krankenhaus?

§ 19 MVG-EKD, nach dem die Mit­glie­der einer Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung ihr Amt unent­gelt­lich als Ehren­amt aus­üben, stellt als kir­chen­recht­li­che Rege­lung kein Ver­bots­ge­setz im Sin­ne des § 134 BGB dar.

Kei­ne Ver­gü­tung für Mit­ar­bei­ter­ver­tre­ter im kirch­li­chen Krankenhaus?

In dem vom Arbeits­ge­richt Aachen ent­schie­de­nen Fall ist der beklag­te Arbeit­ge­ber Mit­glied im (evan­ge­li­schen) Dia­ko­ni­schen Werk. In einem von ihm betrie­be­nen Kran­ken­haus war der Klä­ger seit 1981 als Arzt beschäf­tigt und seit 1988 Mit­glied, ab 1992 Vor­sit­zen­der der dort gebil­de­ten Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung. 2009 wech­sel­te der Klä­ger in ein eben­falls vom Beklag­ten betrie­be­nes medi­zi­ni­sches Ver­sor­gungs­zen­trum. Mit dem Kran­ken­haus war der Klä­ger wei­ter­hin auf­grund von Ver­trä­gen mit redu­zier­ter Arbeits­zeit und redu­zier­ter Ver­gü­tung ver­bun­den und blieb Vor­sit­zen­der der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung. Im Sep­tem­ber 2020 stell­te der Beklag­te die Ver­gü­tungs­zah­lun­gen an den Klä­ger ein und berief sich dar­auf, dass die den Zah­lun­gen zugrun­de lie­gen­den Ver­trä­ge nur die Tätig­keit des Klä­gers in der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung hät­ten ermög­li­chen sol­len. Da die­se nach § 19 MVG-EKD nur unent­gelt­lich mög­lich sei, sei­en die Ver­trä­ge nich­tig.

Die unter ande­rem auf Zah­lung der ein­ge­stell­ten Ver­gü­tung gerich­te­te Kla­ge des Klä­gers hat­te nun vor dem Arbeits­ge­richt Aachen Erfolg:

Das Arbeits­ge­richt ent­schied, dass die Rege­lung des § 19 MVG-EKD sich gegen die Ver­ein­ba­run­gen der pri­vat­au­to­nom geschlos­se­nen Arbeits­ver­trä­ge nicht durch­set­ze. Die Vor­schrift sei Bestand­teil der kirch­li­chen Ord­nung, deren Auf­recht­erhal­tung nicht Auf­ga­be der staat­li­chen Arbeits­ge­rich­te sei. 

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Umdeutung einer außerordentlichen Kündigung in eine ordentliche - und die nicht angehörte (kirchlichen) Mitarbeitervertretung

Eine Sit­ten­wid­rig­keit der ver­trag­li­chen Rege­lun­gen ver­nein­te das Arbeits­ge­richt ebenfalls.

Arbeits­ge­richt Aachen, Urteil vom 26. März 2021 – 6 Ca 3433/​20