Min­destohn – und die Kla­ge des Arbeit­neh­mers

Macht der Arbeit­neh­mer gel­tend, die vom Arbeit­ge­ber tat­säch­lich gezahl­te Ver­gü­tung errei­che den gesetz­li­chen Min­dest­lohn nicht, begrün­det dies von Geset­zes wegen einen Anspruch auf Dif­fe­renz­ver­gü­tung, wenn der Arbeit­neh­mer in der Abrech­nungs­pe­ri­ode für die geleis­te­ten Arbeits­stun­den im Ergeb­nis nicht min­des­tens den in § 1 Abs. 2 Satz 1 MiLoG vor­ge­se­he­nen Brut­to­lohn erhält. Dabei schei­den län­ge­re Berech­nungs­zeit­räu­me als ein Kalen­der­mo­nat für die Fra­ge, ob ein Anspruch auf Dif­fe­renz­ver­gü­tung ent­stan­den ist, aus.

Min­destohn – und die Kla­ge des Arbeit­neh­mers

Denn mit dem Min­dest­lohn­ge­setz soll den in Voll­zeit täti­gen Arbeit­neh­mern ein Monats­ein­kom­men „ober­halb der Pfän­dungs­frei­gren­ze“ gesi­chert wer­den. Um regel­mä­ßi­gen Zah­lungs­pflich­ten nach­kom­men zu kön­nen, regelt § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 MiLoG kon­se­quen­ter­wei­se die Fäl­lig­keit des Min­dest­lohns spä­tes­tens am letz­ten Bank­ar­beits­tag des Monats, der auf den Monat folgt, in dem die Arbeits­leis­tung erbracht wur­de [1].

Hier­von aus­ge­hend erfüllt der Arbeit­ge­ber den Anspruch des Arbeit­neh­mers auf den gesetz­li­chen Min­dest­lohn, wenn die für einen Kalen­der­mo­nat gezahl­te Brut­to­ver­gü­tung den Betrag erreicht, der sich aus der Mul­ti­pli­ka­ti­on der Anzahl der im betref­fen­den Monat tat­säch­lich geleis­te­ten Arbeits­stun­den mit dem Betrag des jewei­li­gen gesetz­li­chen Min­dest­lohns ergibt [2].

Nach die­sen Grund­sät­zen muss die Arbeit­neh­me­rin zur schlüs­si­gen Begrün­dung ihrer auf Zah­lung der Dif­fe­renz­ver­gü­tung zum gesetz­li­chen Min­dest­lohn gerich­te­ten Kla­ge für jeden ein­zel­nen Monat ein kon­kret bezif­fer­tes Unter­schrei­ten des gesetz­li­chen Min­dest­lohns dar­le­gen.

Das ist durch die Arbeit­neh­me­rin im hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall nicht erfolgt. Sie hat viel­mehr im Wege einer abschlie­ßen­den Gesamt­kla­ge Ent­gelt­an­sprü­che für das gesam­te Jahr unter Benen­nung der in die­sem Jahr ins­ge­samt geleis­te­ten Nacht­diens­te, der begehr­ten Frei­zeit­aus­gleichs­an­sprü­che nach den AVR, der Fort­bil­dungs- und Dienst­be­spre­chungs­zei­ten sowie der Urlaubs- und Arbeits­un­fä­hig­keits­zei­ten gel­tend gemacht. In dem schrift­sätz­li­chen Vor­brin­gen der Arbeit­neh­me­rin zu den Ansprü­chen für das Jahr 2017 ist eine zeit­li­che Zuord­nung zu ein­zel­nen Mona­ten nicht ent­hal­ten. Die in einem nicht näher erläu­ter­ten Anla­gen­kon­vo­lut vor­ge­leg­ten Dienst­plä­ne und Abrech­nun­gen sind nicht geeig­net, den ent­spre­chend § 130 Nr. 3 ZPO erfor­der­li­chen schrift­sätz­li­chen Par­tei­vor­trag zu erset­zen [3].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Juni 2020 – 5 AZR 93/​19

  1. vgl. BAG 25.05.2016 – 5 AZR 135/​16, Rn. 24 f., BAGE 155, 202[]
  2. BAG 12.12.2018 – 5 AZR 124/​18, Rn. 30[]
  3. vgl. BAG 16.05.2012 – 5 AZR 347/​11, Rn. 29, BAGE 141, 330[]