Pau­scha­lier­te Auf­wands­de­ckung für die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung

Die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung hat kei­nen Anspruch auf die für den Per­so­nal­rat in § 40 Abs. 2 Satz 1 LPers­VG NW vor­ge­se­he­ne Auf­wands­de­ckung. Die Bestim­mung ist auf die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nach ihrem unmiss­ver­ständ­li­chen Wort­laut nicht unmit­tel­bar anwend­bar.

Pau­scha­lier­te Auf­wands­de­ckung für die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung

Eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 40 Abs. 2 Satz 1 LPers­VG NW auf die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ist nicht gerecht­fer­tigt. Es fehlt bereits an einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke. Der Gesetz­ge­ber hat in § 96 Abs. 8 und 9 SGB IX abschlie­ßen­de Rege­lun­gen zur Pflicht der Kos­ten­tra­gung für die Tätig­keit der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung und zu ihrer Aus­stat­tung getrof­fen. Im Übri­gen könn­te bereits aus Grün­den der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz eine Lücke in einem Bun­des­ge­setz nicht durch die ent­spre­chen­de Anwen­dung einer lan­des­recht­li­chen Rege­lung geschlos­sen wer­den.

Ein Anspruch der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung auf Auf­wands­de­ckung folgt auch nicht aus § 96 Abs. 3 Satz 1 SGB IX. Die Vor­schrift gilt nicht für die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung als Organ, son­dern aus­schließ­lich für die Ver­trau­ens­per­son als deren Mit­glied. Nach § 96 Abs. 3 Satz 1 SGB IX besit­zen die Ver­trau­ens­per­so­nen gegen­über dem Arbeit­ge­ber die glei­che per­sön­li­che Rechts­stel­lung, ins­be­son­de­re den glei­chen Kündigungs‑, Ver­set­zungs- und Abord­nungs­schutz wie ein Mit­glied des Betriebs‑, Personal‑, Staats­an­walts- oder Rich­ter­ra­tes (§ 96 Abs. 3 Satz 1 SGB IX). Wie Wort­laut und Sys­te­ma­tik des § 96 SGB IX (und eben­so der Vor­gän­ger­vor­schrift des § 26 SchwbG) zei­gen, unter­schei­det der Gesetz­ge­ber zwi­schen der amts­be­zo­gen-per­so­na­li­sier­ten Stel­lung „der Ver­trau­ens­per­so­nen“ (§ 96 Abs. 1 bis 7 SGB IX) und den Kos­ten für die Tätig­keit sowie dem Raum- und Geschäfts­be­darf „der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung“ (§ 96 Abs. 8 und 9 SGB IX). Dies ent­spricht der Rege­lungs­sys­te­ma­tik per­so­nal­ver­tre­tungs- und betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Bestim­mun­gen, wel­che einer­seits Rech­te und Pflich­ten der Mit­glie­der der Beschäf­tig­ten­ver­tre­tun­gen (wie zB in § 15 KSchG, § 37 BetrVG oder §§ 42, 43 LPers­VG NW) und ande­rer­seits der Beschäf­tig­ten­ver­tre­tun­gen als Organ fest­le­gen (wie zB in §§ 103, 40 BetrVG oder § 40 LPers­VG NW).

Art. 3 Abs. 1 GG gebie­tet nicht, dass die für den Per­so­nal­rat in § 40 Abs. 2 Satz 1 und 2 LPers­VG NW vor­ge­se­he­ne Auf­wands­de­ckung jeden­falls in Nord­rhein-West­fa­len auch an die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung zu zah­len wäre. Die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ist eine ande­re Inter­es­sen­ver­tre­tung als der Per­so­nal­rat; sie hat ande­re Auf­ga­ben und muss nicht in jeg­li­cher Hin­sicht mit dem Per­so­nal­rat gleich behan­delt wer­den. Der auf kei­ner gestal­ten­den Maß­nah­me des Arbeit­ge­bers, son­dern auf Nor­men­voll­zug beru­hen­de Unter­schied dahin gehend, dass dem Per­so­nal­rat ein pau­scha­lier­ter Betrag zur Ver­fü­gung gestellt wird, wäh­rend die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung die erfor­der­li­chen Kos­ten ihrer Tätig­keit sowie ihren Geschäfts­be­darf nach § 96 Abs. 8 und 9 SGB IX ver­lan­gen kann, ist im Übri­gen kei­ne Schlech­ter­stel­lung. Der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung wird die durch ihre Tätig­keit ver­ur­sach­ten Kos­ten nicht auf­ge­bür­det; sie hat die­se ledig­lich ein­zeln nach­zu­wei­sen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 2. Juni 2010 – 7 ABR 24/​09