Über­brü­ckungs­leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers bis zum Ren­ten­ein­tritt

Ffür ein "betrieb­li­ches Ruhe­geld" aus einer Direkt­zu­sa­ge des frü­he­ren Arbeit­ge­bers sind kei­ne Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung zu zah­len, solan­ge die Zah­lung Über­brü­ckungs­funk­ti­on hat.

Über­brü­ckungs­leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers bis zum Ren­ten­ein­tritt

Mit Ren­ten­ein­tritt, spä­tes­tens aber mit Errei­chen der Regel­al­ters­gren­ze unter­lie­gen sol­che Leis­tun­gen aller­dings als Ver­sor­gungs­be­zü­ge der Bei­trags­pflicht.

Des ent­schied jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt auf die Kla­ge eines Arbeit­neh­mers, dem bei Been­di­gung sei­nes Arbeits­ver­hält­nis­ses ab "Errei­chen des 55. Lebens­jah­res die Betriebs­ren­te von 1327,55 DM monat­lich" zuge­sagt und ab Dezem­ber 1998 lau­fend aus­ge­zahlt wor­den war. Wenig spä­ter nahm der Klä­ger eine ande­re ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung auf. Seit Beginn sei­ner Alters­ren­te aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zahlt er auch auf die Betriebs­ren­te Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge. Sei­ne Kran­ken­kas­se ver­lang­te von ihm hier­für jedoch auch für die Zeit vor Ren­ten­be­ginn die Nach­zah­lung von Bei­trä­gen.

Wider­spruch, Kla­ge und Beru­fung des Klä­gers blie­ben ohne Erfolg. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat sei­ner Revi­si­on statt­ge­ge­ben und ent­ge­gen der Ansicht der Vor­in­stan­zen ent­schie­den, dass es sich bei der Betriebs­ren­te aus der Direkt­zu­sa­ge bis zum Beginn der Alters­ren­te nicht um einen Ver­sor­gungs­be­zug han­delt, der in der GKV bei­trags­pflich­tig ist.

Damit hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt sei­ne Recht­spre­chung aus dem Jahr 2015 1 fort­ent­wi­ckelt, wonach Leis­tun­gen, die ein Arbeit­ge­ber an einen Arbeit­neh­mer nach des­sen Aus­schei­den aus dem Arbeits­ver­hält­nis zur Über­brü­ckung der Zeit bis zum Ren­ten­ein­tritt zahlt, kei­ne bei­trags­pflich­ti­gen Ver­sor­gung­be­zü­ge sind, wenn für den Leis­tungs­be­ginn auf ein Lebens­al­ter abge­stellt wird, das nach der Ver­kehrs­an­schau­ung typi­scher­wei­se nicht schon als Beginn des Ruhe­stands gel­ten kann, und die­se Zuwen­dung bis zum Ein­tritt in den gesetz­li­chen Ruhe­stand befris­tet ist.

Nun­mehr hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­den, dass auch auf unbe­fris­te­te Leis­tun­gen kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zu zah­len sind, solan­ge der Über­brü­ckungs­zweck der Leis­tung im Vor­der­grund steht. Dies kön­ne nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts jedoch nur bis zum Ren­ten­ein­tritt, längs­tens aber bis zum Errei­chen der Regel­al­ters­gren­ze der Fall sein.

Die Ver­si­che­rungs- und Bei­trags­pflicht in der GKV grei­fe in die grund­ge­setz­lich geschütz­te all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit (Arti­kel 2 Absatz 1 GG) ein. Die­ser Ein­griff sei dem Gebot grund­rechts­scho­nen­der Aus­le­gung ent­spre­chend mög­lichst gering zu hal­ten und das Gesetz folg­lich dahin aus­zu­le­gen, dass auch unbe­fris­te­te, über den Ren­ten­ein­tritt hin­aus gezahl­te Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen solan­ge kei­ne Ver­sor­gungs­be­zü­ge und daher bei­trags­frei sind, als sie vor­ran­gig einem Über­brü­ckungs- und kei­nem Ver­sor­gungs­zweck dien­ten.

Mit dem Beginn des tat­säch­li­chen Ren­ten­be­zugs sowie der gesetz­lich fest­ge­leg­ten Regel­al­ters­gren­ze lie­gen, so das Bun­des­so­zi­al­ge­richt, zudem ein­fach fest­zu­stel­len­de Merk­ma­le vor, an wel­che die Kran­ken­kas­sen im Rah­men der Mas­sen­ver­wal­tung für das Ende der Bei­trags­frei­heit sol­cher Leis­tun­gen anknüp­fen kön­nen.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 20. Juli 2017 – B 12 KR 12/​15 R

  1. BSG, Urtei­le vom 29.07.2015 – B 12 KR 4/​14 R; und B 12 KR 18/​14 R[]