Wei­ter­be­schäf­ti­gung des Ju­gend­ver­tre­ters zu ge­än­der­ten Ar­beits­be­din­gun­gen

In Fäl­len, in denen der Ju­gend­ver­tre­ter (hilfs­wei­se) sein Ein­ver­ständ­nis mit der Wei­ter­be­schäf­ti­gung zu ge­än­der­ten Ar­beits­be­din­gun­gen er­klärt hat, kann der Schutz­zweck des § 9 BPers­VG es ge­bie­ten, dass der öf­fent­li­che Ar­beit­ge­ber auf der­ar­ti­ge Än­de­rungs­wün­sche ein­geht. Vor­aus­set­zung dafür ist, dass der Ju­gend­ver­tre­ter dem öf­fent­li­chen Ar­beit­ge­ber früh­zei­tig zu er­ken­nen gibt, zu wel­chen ab­wei­chen­den Ar­beits­be­din­gun­gen er sich sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung vor­stellt.

Wei­ter­be­schäf­ti­gung des Ju­gend­ver­tre­ters zu ge­än­der­ten Ar­beits­be­din­gun­gen

Gemäß dem Beschluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 6. Novem­ber 1996 1 kann in Fäl­len, in denen der Aus­zu­bil­den­de (hilfs­wei­se) sein Ein­ver­ständ­nis mit der Wei­ter­be­schäf­ti­gung zu geän­der­ten Arbeits­be­din­gun­gen erklärt hat, der Schutz­zweck des § 78a BetrVG es gebie­ten, dass der Arbeit­ge­ber auf der­ar­ti­ge Ände­rungs­wün­sche ein­geht. Zur Ver­mei­dung einer Benach­tei­li­gung wegen der Amts­aus­übung kann der Arbeit­ge­ber gehal­ten sein, Ände­rungs­wün­schen, denen er auch bei ande­ren Aus­zu­bil­den­den nach­kom­men wür­de, bei einem durch § 78a BetrVG geschütz­ten Aus­zu­bil­den­den bevor­zugt Rech­nung zu tra­gen. Vor­aus­set­zung dafür ist, dass der Aus­zu­bil­den­de dem Arbeit­ge­ber früh­zei­tig, regel­mä­ßig nach des­sen Nicht­über­nah­me­mit­tei­lung nach § 78a Abs. 1 BetrVG und spä­tes­tens mit dem eige­nen Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­ver­lan­gen, zu erken­nen gibt, zu wel­chen abwei­chen­den Arbeits­be­din­gun­gen er sich sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung vor­stellt. Die­sen Erwä­gun­gen ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt für den Anwen­dungs­be­reich des § 9 BPers­VG bei­getre­ten 2. Er hat mit Blick auf neue­re Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ledig­lich klar­ge­stellt, dass die Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­pflicht des öffent­li­chen Arbeit­ge­bers zu nach dem Kon­sens­prin­zip geän­der­ten Arbeits­be­din­gun­gen gleich­falls dienst­stel­len­be­zo­gen ist. Das Auf­lö­sungs­be­geh­ren des öffent­li­chen Arbeit­ge­bers kann daher kei­nes­falls mit der Begrün­dung abge­lehnt wer­den, das betref­fen­de Mit­glied der ört­li­chen Jugend­ver­tre­tung kön­ne außer­halb der Aus­bil­dungs­dienst­stel­le wei­ter­be­schäf­tigt wer­den 3.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der sich das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt für den Bereich des § 9 BPers­VG ange­schlos­sen hat, muss der Jugend­ver­tre­ter, der bei Feh­len einer aus­bil­dungs­ad­äqua­ten Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keit zu abwei­chen­den Arbeits­be­din­gun­gen in ein Arbeits­ver­hält­nis im Aus­bil­dungs­be­trieb über­nom­men wer­den möch­te, dem Arbeit­ge­ber unver­züg­lich nach des­sen Nicht­über­nah­me­er­klä­rung sei­ne Bereit­schaft zur Wei­ter­be­schäf­ti­gung zu geän­der­ten Ver­trags­be­din­gun­gen mit­tei­len. Er darf sich dabei nicht dar­auf beschrän­ken, sein Ein­ver­ständ­nis mit allen in Betracht kom­men­den Beschäf­ti­gun­gen zu erklä­ren oder die Bereit­schafts­er­klä­rung mit einem Vor­be­halt zu ver­bin­den. Er muss die von ihm hilfs­wei­se für mög­lich gehal­te­ne Beschäf­ti­gung viel­mehr so kon­kret beschrei­ben, dass der Arbeit­ge­ber erken­nen kann, wie sich der Jugend­ver­tre­ter sei­ne Wei­ter­ar­beit vor­stellt 4.

Die Kon­kre­ti­sie­rung modi­fi­zier­ter Arbeits­be­din­gun­gen ist aber vom Jugend­ver­tre­ter für die Wei­ter­be­schäf­ti­gung in jeder in Betracht zu zie­hen­den Dienst­stel­le zu ver­lan­gen, also gera­de auch für die Wei­ter­be­schäf­ti­gung in der Aus­bil­dungs­dienst­stel­le.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Janu­ar 2012 – 6 PB 21.11

  1. BArbG, Beschluss vom 06.11.1996 – 7 ABR 54/​95, BAGE 84, 294, 298 f.[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 01.11.2005 – 6 P 3.05, BVerw­GE 124, 292, 298 f. = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 25 Rn. 26 f.[]
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 11.03.2008 – 6 PB 16.07, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 30 Rn. 15 und vom 19.01.2009 – 6 P 1.08, BVerw­GE 133, 42 = Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 33 Rn. 25 f. und 37[]
  4. vgl. BAG, Beschlüs­se vom 06.11.1996 a.a.O. S. 298 f., vom 15.11.2006 – 7 ABR 15/​06BAGE 120, 205 Rn. 43, vom 16.07.2008 – 7 ABR 13/​07BAGE 127, 126 Rn. 30, vom 17.02.2010 – 7 ABR 89/​08 – AP Nr. 53 zu § 78a BetrVG 1972 Rn. 32 und vom 08.09.2010 – 7 ABR 33/​09 – AP Nr. 54 zu § 78a BetrVG 1972 Rn. 29[]