Ände­rung einer Ver­wah­rungs­an­wei­sung – und das Schrift­form­erfor­der­nis

Die Ein­hal­tung der Schrift­form gilt auch für Ände­run­gen einer Ver­wah­rungs­an­wei­sung und ist unver­zicht­bar.

Ände­rung einer Ver­wah­rungs­an­wei­sung – und das Schrift­form­erfor­der­nis

In der hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Dis­zi­pli­nar­sa­che hat­te der Notar bei der Abwick­lung einer Mas­se Beträ­ge, die eine Bank auf ein Notarand­er­kon­to zur treu­en Hand über­wie­sen hat­te, ohne schrift­li­che Zustim­mung der Bank in Invest­ment­fonds-Antei­len ange­legt. Ein Scha­den ist nicht ent­stan­den. Es wur­de mit der Anla­ge ein Gewinn erzielt. Wie zuvor schon das Ober­lan­des­ge­richt Köln 1 bil­lig­te auch der Bun­des­ge­richts­hof die u.a. des­we­gen wegen eines Ver­stos­ses gegen die Vor­schrift des § 54a Abs. 4 und Abs. 6 BeurkG in einer Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung ver­häng­te Geld­bu­ße von 500, – €:

Der Notar durf­te die Ver­wah­rungs­an­wei­sung jedoch nicht schon durch die münd­li­chen Ver­ein­ba­run­gen der Ver­trags­par­tei­en als geän­dert anse­hen, solan­ge ihm gegen­über die Treu­ge­be­rin durch ihre schrift­li­che Zustim­mung nicht ver­si­chert hat­te, dass sie an der Ände­rung betei­ligt und damit ein­ver­stan­den war. Selbst wenn der Käu­fer die Treu­ge­be­rin über die Ver­wah­rungs­än­de­run­gen infor­miert haben soll­te, ersetzt dies nicht die nach § 54a Abs. 6 und 4 BeurkG erfor­der­li­che schrift­li­che Zustim­mung.

Der Bun­des­ge­richts­hof beur­teilt dies als einen Ver­stoß gegen die ver­fah­rens­recht­li­chen Vor­schrif­ten zur Ver­wah­rung von Fremd­gel­dern. Dem Notar wird nicht vor­ge­wor­fen, dass er ent­ge­gen den Inter­es­sen der Treu­ge­be­rin die Ver­wah­rungs­an­wei­sung miss­ach­tet habe, son­dern dass er die Form der Schrift­lich­keit der erfor­der­li­chen Zustim­mung zu einer ande­ren Art der Ver­wah­rung nicht beach­tet hat.

Für die in § 54a Abs. 4 BeurkG gere­gel­te Schrift­form, die bereits nach der Ver­wal­tungs­vor­schrift in § 11 Abs. 2 Satz 1 DONot a.F. galt, hat der Gesetz­ge­ber, der inso­weit von einer inhalt­li­chen Ent­spre­chung aus­ge­gan­gen ist, Erwä­gun­gen der Rechts­si­cher­heit ange­führt 2. Das Erfor­der­nis der Schrift­lich­keit dient objek­tiv einem Beweis­in­ter­es­se und erleich­tert die Prü­fung der Authen­ti­zi­tät einer Anwei­sung.

Das bedeu­tet aller­dings nicht, dass der Notar eine münd­li­che Anwei­sung des Treu­ge­bers bei Nicht­ein­hal­tung der Schrift­form nicht befol­gen dürf­te. Inso­weit ist die mate­ri­ell­recht­li­che Treu­hand­ver­ein­ba­rung von den der Durch­füh­rung der Ver­wah­rung die­nen­den nota­ri­el­len Ver­fah­rens­vor­schrif­ten zu tren­nen. Kann sich der Notar nicht auf eine schrift­lich erteil­te Wei­sung bezie­hen, trifft ihn die Beweis­last für die Recht­mä­ßig­keit sei­nes Ver­hal­tens im Ver­hält­nis zum Treu­ge­ber. So hat der Bun­des­ge­richts­hof 3 ent­schie­den, dass dem Notar der Beweis oblie­ge, wenn er unter Beru­fung auf den wirk­li­chen Wil­len eines Betei­lig­ten einer schrift­li­chen Treu­hand­auf­la­ge nicht ent­spro­chen hat. Auch unter der Gel­tung des § 54a Abs. 4 BeurkG kann der Notar den Nach­weis erbrin­gen, dass er sich dem Wil­len des maß­ge­ben­den Betei­lig­ten ent­spre­chend ver­hal­ten hat, obwohl er eine schrift­li­che Anwei­sung nicht erhal­ten hat.

Dar­um geht es im vor­lie­gen­den Fall aber nicht. Dem Notar wird nicht eine Ver­let­zung sei­ner Treu­hand­pflich­ten ange­las­tet, son­dern eine Ver­let­zung des nota­ri­el­len Ver­fah­rens­rechts 4 wegen der Nicht­ein­hal­tung der Schrift­form bei der Ände­rung einer Ver­wah­rungs­an­wei­sung an. Pein­li­che Genau­ig­keit bei der Ein­hal­tung der ver­fah­rens­recht­li­chen Vor­schrif­ten bei Ver­wah­rungs­ge­schäf­ten ist in glei­cher Wei­se gebo­ten wie bei der Erfül­lung mate­ri­ell­recht­li­cher Treu­hand­auf­la­gen 5.

Den Notar ent­las­tet auch nicht, dass er im Fal­le einer weni­ger ren­di­te­träch­ti­gen Anla­ge Scha­dens­er­satz­an­sprü­che befürch­ten muss­te, nach­dem ihm bekannt war, dass die Abwick­lung des Kauf­ver­tra­ges mit der dazu­ge­hö­ren­den Mas­se län­ge­re Zeit in Anspruch neh­men wür­de und gleich­wer­ti­ge siche­re und höher­wer­ti­ge Ver­wah­rungs­ar­ten mög­lich sein könn­ten. Er hät­te dem ent­ge­gen­wir­ken kön­nen, indem er vor der Anla­ge der Treu­hand­gel­der die schrift­li­che Ein­wil­li­gung der Treu­ge­be­rin vor Täti­gung der Geld­an­la­ge ein­hol­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Novem­ber 2014 – NotSt(Brfg) 6/​14

  1. OLG Köln, Urteil vom 13.05.2014 – 2 – X (Not) 18/​12[]
  2. vgl. zur Schrift­form des Wider­rufs einer ein­sei­ti­gen Anwei­sung nach § 54c Abs. 1 BeurkG BT-Drs. 13/​4184 S. 38[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 15.11.1984 – IX ZR 31/​84, DNotZ 1985, 234, 236[]
  4. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 28.05.2005 – III ZR 416/​04, DNotZ 2006, 56 Rn. 5, 6[]
  5. vgl. z.B. BGH, Beschluss vom 26.03.2007 – NotZ 37/​06; BGH, Urteil vom 10.07.2008 – III ZR 255/​07, WM 2008, 1662 Rn. 8 mwN[]