Die Volks­ab­stim­mung zu Stutt­gart 21 vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Volks­ab­stim­mung zur Kün­di­gung der Stutt­gart 21-Finan­zie­rungs­ver­trä­ge wur­de vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als unzu­läs­sig ange­se­hen und nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.

Die Volks­ab­stim­mung zu Stutt­gart 21 vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Die in Baden-Würt­tem­berg leben­den Beschwer­de­füh­rer wen­den sich mit ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Anord­nung und Durch­füh­rung der für den 27. Novem­ber 2011 geplan­ten Volks­ab­stim­mung über ein Gesetz zur Aus­übung von Kün­di­gungs­rech­ten bei den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen für das Bahn­pro­jekt Stutt­gart 21.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, weil sie unzu­läs­sig ist. Damit hat sich der mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ver­bun­de­ne Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung zur vor­läu­fi­gen Aus­set­zung der Volks­ab­stim­mung erle­digt.

Soweit sich die Beschwer­de­füh­rer gegen die Anord­nung und Durch­füh­rung der für den 27. Novem­ber 2011 geplan­ten Volks­ab­stim­mung wen­den und deren Unver­ein­bar­keit mit den ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen der Lan­des­ver­fas­sung Baden-Würt­tem­berg rügen, ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de unzu­läs­sig, weil mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nur die Ver­let­zung von Grund­rech­ten und grund­rechts­glei­chen Rech­ten des Grund­ge­set­zes (Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG), nicht aber eine Unver­ein­bar­keit mit Lan­des­recht gel­tend gemacht wer­den kann.

Soweit die Beschwer­de­füh­rer dar­über hin­aus – unter ande­rem auf Grund­rech­te gestütz­te – Ein­wän­de gegen die zur Abstim­mung gestell­te Geset­zes­vor­la­ge erhe­ben, ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de bereits des­halb unzu­läs­sig, weil das Gesetz noch nicht beschlos­sen, geschwei­ge denn ver­kün­det ist 1. Ob für beson­de­re Aus­nah­me­fäl­le die Mög­lich­keit anzu­er­ken­nen ist, eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de schon frü­her zu erhe­ben 2, bedurf­te kei­ner Ent­schei­dung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, denn dass ein Aus­nah­me­fall vor­lä­ge, in dem der wirk­sa­me Schutz von Grund­rech­ten dies erfor­der­te, ist im hier ent­schie­de­nen Fall weder sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 21. Novem­ber 2011 – 2 BvR 2333/​11

  1. vgl. BVerfGE 1, 396, 406 ff.; 11, 339, 342; 68, 143, 150[]
  2. offen­las­send BVerfGE 125, 385, 393; 126, 158, 168[]