Vor­la­ge­pflicht der Gerich­te zum EuGH

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten ist gesetz­li­cher Rich­ter im Sin­ne von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG. Das natio­na­le Gericht ist unter den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 234 Abs. 3 EGV von Amts wegen gehal­ten, den EuGH anzu­ru­fen. Liegt zu einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge des Gemein­schafts­rechts ein­schlä­gi­ge Recht­spre­chung des EuGH noch nicht vor oder hat eine vor­lie­gen­de Recht­spre­chung die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Fra­ge mög­li­cher­wei­se noch nicht erschöp­fend beant­wor­tet oder erscheint eine Fort­ent­wick­lung der Recht­spre­chung des EuGH nicht nur als ent­fern­te Mög­lich­keit (Fall­grup­pe der „Unvoll­stän­dig­keit der Recht­spre­chung“), so wird Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG dann ver­letzt, wenn das letzt­in­stanz­li­che Haupt­sa­che­ge­richt den ihm in sol­chen Fäl­len not­wen­dig zukom­men­den Beur­tei­lungs­rah­men in unver­tret­ba­rer Wei­se über­schrit­ten hat. Dies kann ins­be­son­de­re dann der Fall sein, wenn mög­li­che Gegen­auf­fas­sun­gen zu der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge des Gemein­schafts­rechts gegen­über der vom Gericht ver­tre­te­nen Mei­nung ein­deu­tig vor­zu­zie­hen sind.

Vor­la­ge­pflicht der Gerich­te zum EuGH

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Dezem­ber 2008 – 1 BvR 1563/​08