Anwalts­ver­gü­tung für den Ver­fah­rens­pfle­ger

Die Fra­ge, unter wel­chen Umstän­den ein Ver­fah­rens­pfle­ger im Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, unter denen ihm eine Ver­gü­tung nach dem Rechts­an- walts­ver­gü­tungs­ge­setz zu bewil­li­gen ist, obliegt einer wer­ten­den Betrach­tung des Tatrich­ters.

Anwalts­ver­gü­tung für den Ver­fah­rens­pfle­ger

Des­sen Wür­di­gung kann im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob der Tatrich­ter die maß­ge­ben­den Tat­sa­chen voll­stän­dig und feh­ler­frei fest­ge­stellt und gewür­digt hat, von ihm Rechts­be­grif­fe ver­kannt oder Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt wur­den und er die all­ge­mein aner­kann­ten Maß­stä­be berück­sich­tigt und rich­tig ange­wandt hat 1.

Nach § 277 Abs. 1 Satz 1 FamFG erhält der Ver­fah­rens­pfle­ger Ersatz sei­ner Auf­wen­dun­gen nach § 1835 Abs. 1 bis 2 BGB. Gemäß § 277 Abs. 2 Satz 2 FamFG erhält er neben den Auf­wen­dun­gen nach Absatz 1 eine Ver­gü­tung in ent­spre­chen­der Anwen­dung der §§ 1, 2 und 3 Abs. 1 und 2 des Vor­mün­der- und Betreu­er­ver­gü­tungs­ge­set­zes (VBVG), wenn die Ver­fah­rens­pfleg­schaft aus­nahms­wei­se berufs­mä­ßig geführt wird. Auf § 1835 Abs. 3 BGB, wonach als Auf­wen­dun­gen auch sol­che Diens­te des Vor­munds oder des Gegen­vor­munds gel­ten, die zu sei­nem Gewer­be oder sei­nem Beruf gehö­ren, ver­weist § 277 FamFG zwar nicht. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist die­se Vor­schrift jedoch auf den anwalt­li­chen Ver­fah­rens­pfle­ger anzu­wen­den. Die­ser kann daher eine Ver­gü­tung nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz bean­spru­chen, soweit er im Rah­men sei­ner Bestel­lung sol­che Tätig­kei­ten zu erbrin­gen hat, für die ein juris­ti­scher Laie in glei­cher Lage ver­nünf­ti­ger­wei­se einen Rechts­an­walt zuzie­hen wür­de 2. Hat das Amts­ge­richt bereits bei der Bestel­lung des Ver­fah­rens­pfle­gers die Fest­stel­lung getrof­fen, dass der Ver­fah­rens­pfle­ger eine anwalts­spe­zi­fi­sche Tätig­keit aus­übt, ist die­se Fest­stel­lung für das Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren bin­dend 3. Andern­falls ist im Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren auf ent­spre­chen­den Antrag des Ver­fah­rens­pfle­gers anhand der kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls zu prü­fen, ob die­ser im Rah­men sei­ner Bestel­lung sol­che Tätig­kei­ten zu erbrin­gen hat­te, für die ein juris­ti­scher Laie in glei­cher Lage ver­nünf­ti­ger­wei­se einen Rechts­an­walt zuzie­hen wür­de 4. Die Fra­ge, unter wel­chen Umstän­den ein Ver­fah­rens­pfle­ger im Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, unter denen ihm eine Ver­gü­tung nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz zu bewil­li­gen ist, obliegt einer wer­ten­den Betrach­tung des Tatrich­ters. Des­sen Wür­di­gung kann im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob der Tatrich­ter die maß­ge­ben­den Tat­sa­chen voll­stän­dig und feh­ler­frei fest­ge­stellt und gewür­digt hat, von ihm Rechts­be­grif­fe ver­kannt oder Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt wur­den und er die all­ge­mein aner­kann­ten Maß­stä­be berück­sich­tigt und rich­tig ange­wandt hat 5.

Im hier ent­schie­de­nen Fall war für den Bun­des­ge­richts­hof die tatrich­ter­li­che Wür­di­gung nicht zu bean­stan­den:

Da bei der Bestel­lung der Ver­fah­rens­pfle­ge­rin vom Amts­ge­richt kei­ne für das Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren bin­den­de Fest­stel­lung der Erfor­der­lich­keit anwalts­spe­zi­fi­scher Tätig­kei­ten getrof­fen wur­de, hat das Beschwer­de­ge­richt zu Recht geprüft, ob die Füh­rung der Ver­fah­rens­pfleg­schaft von sol­chen Ver­rich­tun­gen geprägt war, die typi­sche anwalt­li­che Tätig­kei­ten dar­stel­len.

Soweit das Beschwer­de­ge­richt ange­nom­men hat, dass im vor­lie­gen­den Fall auch ein Ver­fah­rens­pfle­ger, der über die beruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on für eine Ver­gü­tung nach der höchs­ten Stu­fe nach § 4 Abs. 1 Nr. 2 VBVG ver­fügt, die Diens­te eines Rechts­an­walts in Anspruch genom­men hät­te, begeg­net dies kei­nen recht­li­chen Beden­ken.

Der Verah­rens­pfle­ge­rin wur­de mit der Bestel­lung zur Ver­fah­rens­pfle­ge­rin die Auf­ga­be über­tra­gen, zu prü­fen, ob der von der Betreue­rin beab­sich­tig­te Ver­kauf des Grund­be­sit­zes der Betrof­fe­nen deren Wohl ent­spricht. Dazu muss­te die Ver­fah­rens­pfle­ge­rin alle in dem nota­ri­el­len Kauf­ver­trag ent­hal­te­nen Rege­lun­gen ein­ge­hend auf ihre Aus­wir­kun­gen für die Betrof­fe­ne unter­su­chen. Wie die Rechts­be­schwer­de selbst vor­trägt, bezog sich das beab­sich­tig­te Grund­stücks­ge­schäft zudem nicht nur auf ein von der Betrof­fe­nen allein genutz­tes Eigen­heim, son­dern auf ein teil­wei­se ver­mie­te­tes Mehr­par­tei­en­wohn­haus, das sich in einem stark sanie­rungs­be­dürf­ti­gen Zustand befand. Gera­de bei dem Ver­kauf eines sol­chen Anwe­sens bedarf es, etwa im Hin­blick auf kauf­recht­li­che Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che, einer ein­ge­hen­den Prü­fung des Kauf­ver­trags, die beson­de­re Rechts­kennt­nis­se vor­aus­setzt. Wenn das Beschwer­de­ge­richt unter die­sen Umstän­den das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen für eine Ver­gü­tung der Ver­fah­rens­pfle­ge­rin nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz bejaht, ist dies aus Rechts­grün­den nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2014 – XII ZB 444/​1

  1. Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 26.10.2011 – XII ZB 312/​11 , Fam­RZ 2012, 113[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 23.07.2014 – XII ZB 111/​14 , Fam­RZ 2014, 1629 Rn. 10; vom 27.06.2012 – XII ZB 685/​11 , Fam­RZ 2012, 1377 Rn. 7; und vom 17.11.2010 – XII ZB 244/​10 , Fam­RZ 2011, 203 Rn. 12 ff.[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 12.09.2012 – XII ZB 543/​11 , Fam­RZ 2012, 1866 Rn. 9; und vom 17.11.2010 – XII ZB 244/​10 , Fam­RZ 2011, 203 Rn. 17[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 23.07.2014 – XII ZB 111/​14 , Fam­RZ 2014, 1629 Rn. 12 f.; vom 27.06.2012 – XII ZB 685/​11 , Fam­RZ 2012, 1377 Rn. 7; und vom 17.11.2010 – XII ZB 244/​10 , Fam­RZ 2011, 203 Rn. 13[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2011 – XII ZB 312/​11 , Fam­RZ 2012, 113 Rn. 10 mwN zur Betreu­er­ver­gü­tung[]