Beschrän­kung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs – und die Ermitt­lungs­pflicht des Fami­li­en­ge­richts

Zur Ermitt­lung des Umfangs der Beschrän­kung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs nach § 27 VersAus­glG kann das Fami­li­en­ge­richt grund­sätz­lich die kor­re­spon­die­ren­den Kapi­tal­wer­te des nicht mehr vor­han­de­nen und des aus­zu­glei­chen­den Anrechts des durch das Erlö­schen des Anrechts benach­tei­lig­ten Ehe­gat­ten zugrun­de legen. Eine wei­ter­ge­hen­de Ermitt­lungs­pflicht des Fami­li­en­ge­richts hin­sicht­lich nach § 47 Abs. 6 VersAus­glG zu berück­sich­ti­gen­der wei­te­rer Fak­to­ren besteht nur, wenn im kon­kre­ten Fall Anhalts­punk­te für von den kor­re­spon­die­ren­den Kapi­tal­wer­ten abwei­chen­de Wer­te der mit­ein­an­der ver­gli­che­nen Anrech­te bestehen.

Beschrän­kung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs – und die Ermitt­lungs­pflicht des Fami­li­en­ge­richts

Gemäß § 27 Satz 1 VersAus­glG fin­det ein Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­nahms­wei­se nicht statt, soweit er grob unbil­lig wäre. Ob und in wel­chem Umfang die Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs grob unbil­lig erscheint, unter­liegt der tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lung. Die­se ist im Ver­fah­ren der Rechts­be­schwer­de nur dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob alle wesent­li­chen Umstän­de berück­sich­tigt wur­den und das Ermes­sen in einer dem Geset­zes­zweck ent­spre­chen­den Wei­se aus­ge­übt wor­den ist1.

Nach § 47 Abs. 1 VersAus­glG ist der kor­re­spon­die­ren­de Kapi­tal­wert eine Hilfs­grö­ße für ein Anrecht, des­sen Aus­gleichs­wert nach § 5 Abs. 3 VersAus­glG nicht bereits als Kapi­tal­wert bestimmt ist. Sie dient dazu, ver­schie­den­ar­ti­ge Anrech­te ver­gleich­bar zu machen2. Für Anrech­te im Sin­ne des § 44 Abs. 1 VersAus­glG, also ins­be­son­de­re Beam­ten­ver­sor­gun­gen, sind bei der Ermitt­lung des kor­re­spon­die­ren­den Kapi­tal­werts die Berech­nungs­grund­la­gen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ent­spre­chend anzu­wen­den (§ 47 Abs. 3 VersAus­glG). Für ein Anrecht, das bei einem Trä­ger einer Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen oder kirch­li­chen Diens­tes besteht, ist nach § 47 Abs. 4 Satz 2 VersAus­glG als kor­re­spon­die­ren­der Kapi­tal­wert der Bar­wert im Sin­ne des § 47 Abs. 5 VersAus­glG zu ermit­teln3.

Zwar sind nach § 47 Abs. 6 VersAus­glG auch wei­te­re Fak­to­ren zu berück­sich­ti­gen, die sich auf die Ver­sor­gung aus­wir­ken4. Grund­sätz­lich darf das Fami­li­en­ge­richt aber von dem nach den oben­ste­hen­den Maß­stä­ben ermit­tel­ten kor­re­spon­die­ren­den Kapi­tal­wert aus­ge­hen, der den unter­schied­li­chen Typen der Ver­sor­gun­gen jeden­falls im Wesent­li­chen bereits Rech­nung trägt5. So wird sich ins­be­son­de­re die Dyna­mik der jewei­li­gen Ver­sor­gung in der Regel im kor­re­spon­die­ren­den Kapi­tal­wert wider­spie­geln6. Eine wei­ter­ge­hen­de Ermitt­lungs­pflicht des Fami­li­en­ge­richts besteht dem­entspre­chend nur, wenn im kon­kre­ten Fall etwa wegen Unter­schie­den im Leis­tungs­um­fang, in der Dyna­mik oder der Insol­venz­si­che­rung Anhalts­punk­te für von den kor­re­spon­die­ren­den Kapi­tal­wer­ten abwei­chen­de Wer­te der mit­ein­an­der ver­gli­che­nen Anrech­te bestehen.

Dass nach die­sen Maß­stä­ben im vor­lie­gen­den Fall zwi­schen der Beam­ten­ver­sor­gung des Ehe­manns und der (ursprüng­li­chen) Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes der Ehe­frau inso­fern wesent­li­che Unter­schie­de bestehen, die das Gericht zu wei­te­ren Fest­stel­lun­gen hät­ten ver­an­las­sen müs­sen, ist hier nicht auf­ge­zeigt wor­den. Das Gericht hat sich dem­nach bei der nach § 27 VersAus­glG zu tref­fen­den Bil­lig­keits­ent­schei­dung durch die Kür­zung des exter­nen Aus­gleichs der Beam­ten­ver­sor­gung um einen Monats­be­trag von rund 33 € im Rah­men des ihm zuste­hen­den tatrich­ter­li­chen Ermes­sens gehal­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 – XII ZB 450/​13

  1. BGH, Beschlüs­se vom 01.04.2015 XII ZB 701/​13 Fam­RZ 2015, 998 Rn. 14 f.; vom 11.12 2013 XII ZB 253/​13 Fam­RZ 2014, 461 Rn. 13; und vom 19.09.2012 XII ZB 649/​11 Fam­RZ 2013, 106 Rn. 16 mwN
  2. vgl. BT-Drs. 16/​10144 S. 84; Johannsen/​Henrich/​Holzwarth Fami­li­en­recht 6. Aufl. § 47 VersAus­glG Rn. 2
  3. vgl. Münch­Komm-BGB/­Dör­r/Glock­ner 7. Aufl. § 47 VersAus­glG Rn. 12 mwN
  4. zu den Fak­to­ren vgl. Wick Der Ver­sor­gungs­aus­gleich 3. Aufl. Rn.195; Johannsen/​Henrich/​Holzwarth Fami­li­en­recht 6. Aufl. § 47 Rn. 15
  5. a.A. Erman/​Norpoth BGB 14. Aufl. § 47 Rn. 15, nach dem abwei­chend von der gesetz­li­chen Rege­lung sämt­li­che Anrech­te nach § 47 Abs. 5 VersAus­glG zu bewer­ten sein sol­len
  6. vgl. Wick Der Ver­sor­gungs­aus­gleich 3. Aufl. Rn.195