Beschwer­de­an­trag und ‑begrün­dung in Fami­li­en­sa­chen

Nach § 117 Abs. 1 Satz 1 FamFG hat der Beschwer­de­füh­rer in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen zur Begrün­dung sei­ner Beschwer­de einen bestimm­ten Sach­an­trag zu stel­len und die­sen zu begrün­den.

Beschwer­de­an­trag und ‑begrün­dung in Fami­li­en­sa­chen

Die­se Vor­schrift beruht auf der Erwä­gung, dass in den weit­ge­hend nach zivil­pro­zes­sua­len Ver­fah­rens­re­geln geführ­ten Ehe- und Fami­li­en­streit­sa­chen kei­ne voll­stän­di­ge Über­prü­fung der Ent­schei­dung von Amts wegen statt­fin­det 1. Der Umfang der Anfech­tung rich­tet sich viel­mehr als Aus­fluss der Par­tei­ma­xi­me in der zwei­ten Instanz nach dem Sach­an­trag des Beschwer­de­füh­rers, über den das Beschwer­de­ge­richt nicht hin­aus­ge­hen darf (vgl. § 117 Abs. 2 Satz 1 FamFG iVm § 528 ZPO). Ob ein Sach­an­trag hin­rei­chend bestimmt ist, beur­teilt sich nach den all­ge­mei­nen, zu § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen des Zivil­pro­zess­rechts 2.

Zweck des § 117 Abs. 1 Satz 1 FamFG ist es, den Beschwer­de­füh­rer im Inter­es­se der Beschleu­ni­gung des Beschwer­de­ver­fah­rens dazu anzu­hal­ten, sich ein­deu­tig über Umfang und Ziel sei­nes Rechts­mit­tels zu erklä­ren und das Beschwer­de­ge­richt und den Ver­fah­rens­geg­ner über Umfang und Inhalt sei­ner Angrif­fe mög­lichst schnell und zuver­läs­sig ins Bild zu set­zen. Die Vor­schrift ver­langt kei­ne beson­de­re For­ma­li­sie­rung der Antrag­stel­lung. Es genügt viel­mehr, wenn die inner­halb der Begrün­dungs­frist ein­ge­reich­ten Schrift­sät­ze des Beschwer­de­füh­rers ihrem gesam­ten Inhalt nach ein­deu­tig erhel­len, in wel­chem Umfang und mit wel­chem Ziel die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung ange­foch­ten wer­den soll 3. Es ist regel­mä­ßig als ein aus­rei­chen­der, den Erfor­der­nis­sen des § 117 Abs. 1 Satz 1 FamFG ent­spre­chen­der Beschwer­de­an­trag anzu­se­hen, wenn der Beschwer­de­füh­rer die Auf­he­bung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung und die Zurück­ver­wei­sung der Sache an die ers­te Instanz bean­tragt. Denn soweit sich aus der Beschwer­de­be­grün­dung kei­ne dage­gen spre­chen­den Anhalts­punk­te erge­ben, ist grund­sätz­lich davon aus­zu­ge­hen, dass der Beschwer­de­füh­rer die Zurück­ver­wei­sung der Sache nicht um ihrer selbst wil­len erstrebt, son­dern des­halb, um Sach­an­trä­ge aus der ers­ten Instanz wei­ter zu ver­fol­gen 4.

Nach die­sen Maß­stä­ben genüg­te im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Ver­fah­ren der Beschwer­de­an­trag der Antrags­geg­ne­rin den Erfor­der­nis­sen des § 117 Abs. 1 Satz 1 FamFG: Die Antrags­geg­ne­rin hat in ihrer Beschwer­de­be­grün­dung gel­tend gemacht, dass sie durch Ver­fah­rens­ver­stö­ße des Amts­ge­richts dar­an gehin­dert wor­den sei, in der ers­ten Instanz nach­ehe­li­chen Unter­halt im Schei­dungs­ver­bund gel­tend zu machen und ihr des­halb nach der Zurück­ver­wei­sung "erst­in­stanz­lich … die Mög­lich­keit eröff­net wer­den müs­se, den nach­ehe­li­chen Ehe­gat­ten­un­ter­halts­an­spruch strei­tig oder ein­ver­nehm­lich zu regeln". Damit hat die Antrags­geg­ne­rin unmiss­ver­ständ­lich zum Aus­druck gebracht, dass sie mit ihrem Rechts­mit­tel ein bestimm­tes Anlie­gen in der Sache ver­folgt und die Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung nicht in unzu­läs­si­ger Wei­se um ihrer selbst wil­len begehrt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2013 – XII ZB 87/​12

  1. BT-Drucks. 16/​6308, S. 225[]
  2. vgl. Münch­Komm-ZPO/­Fi­scher 3. Aufl. § 117 FamFG Rn. 7; HkZPO/​Kemper 5. Aufl. § 117 FamFG Rn. 5[]
  3. BGH, Beschluss vom 15.10.2003 – XII ZB 103/​02 Fam­RZ 2004, 179, 180; und BGH, Urteil vom 04.06.1986 – IVb ZR 51/​85 Fam­RZ 1987, 58, 59, jeweils zu § 519 Abs. 3 Nr. 1 ZPO aF[]
  4. BGH, Urtei­le vom 27.03.1996 – XII ZR 83/​95 Fam­RZ 1996, 1070; und vom 10.02.1993 – XII ZR 263/​91 Fam­RZ 1993, 1192, 1193[]