Betreu­er für die Gesund­heits­sor­ge – wegen Behand­lung­ver­wei­ge­rung?

Kann der Betrof­fe­ne auf­grund einer psy­chi­schen Erkran­kung sei­ne Ange­le­gen­hei­ten hin­sicht­lich des Auf­ga­ben­krei­ses der Gesund­heits­sor­ge nicht selbst besor­gen, so ist ihm hier­für grund­sätz­lich auch dann ein Betreu­er zu bestel­len, wenn er die not­wen­di­ge Behand­lung ablehnt 1.

Betreu­er für die Gesund­heits­sor­ge – wegen Behand­lung­ver­wei­ge­rung?

Gemäß § 1896 Abs. 1 Satz 1 BGB bestellt das Betreu­ungs­ge­richt dem Betrof­fe­nen einen Betreu­er, wenn jener auf­grund einer psy­chi­schen Krank­heit sei­ne Ange­le­gen­hei­ten ganz oder teil­wei­se nicht besor­gen kann. Nach § 1896 Abs. 2 Satz 1 BGB darf die­ser nur für Auf­ga­ben­krei­se bestellt wer­den, in denen die Betreu­ung erfor­der­lich ist.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedarf die Betrof­fe­ne nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen einer medi­zi­ni­schen Behand­lung ihrer psy­chi­schen Grund­er­kran­kung, für die sie wegen feh­len­der Krank­heits­ein­sicht nicht selbst sor­gen kann. Dar­aus folgt ein Betreu­ungs­be­darf für den Auf­ga­ben­kreis der Gesund­heits­sor­ge.

Die Annah­me, wonach sich die Betrof­fe­ne jeg­li­cher Maß­nah­me zur psych­ia­tri­schen Heil­be­hand­lung nach­hal­tig wider­set­zen wer­de, lässt den Betreu­ungs­be­darf für sich genom­men nicht ent­fal­len. Denn es lässt sich nicht von vorn­her­ein aus­schlie­ßen, dass ein Betreu­er die Betrof­fe­ne noch von der Not­wen­dig­keit einer Behand­lung über­zeu­gen kann. Auch dies zählt zu sei­nem Auf­ga­ben­be­reich 2. Es ist daher zumin­dest der Ver­such zu unter­neh­men, der Betrof­fe­nen im Wege der Ein­rich­tung einer Betreu­ung die not­wen­di­ge Hil­fe zukom­men zu las­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Sep­tem­ber 2014 – XII ZB 305/​14

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 23.01.2013 XII ZB 395/​12 Fam­RZ 2013, 618
  2. BGH, Beschluss vom 23.01.2013 XII ZB 395/​12 Fam­RZ 2013, 618 Rn. 13; vgl. außer­dem BGH, Beschluss vom 04.06.2014 XII ZB 121/​14 Fam­RZ 2014, 1358 Rn. 17 ff.