Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die per­sön­li­che Anhö­rung durch das Beschwer­de­ge­richt

Zieht das Beschwer­de­ge­richt in einer Betreu­ungs­sa­che für sei­ne Ent­schei­dung eine neue Tat­sa­chen­grund­la­ge her­an, die nach der amts­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung datiert, gebie­tet dies eine erneu­te per­sön­li­che Anhö­rung des Betrof­fe­nen 1.

Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die per­sön­li­che Anhö­rung durch das Beschwer­de­ge­richt

Die erneu­te Anhö­rung der Betrof­fe­nen ist bereits des­halb gebo­ten, wenn sich das Land­ge­richt bei sei­ner Ent­schei­dung mit dem von ihm ein­ge­hol­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten owie den gericht­lich ein­ge­hol­ten Stel­lung­nah­men des Ver­fah­rens­pfle­gers maß­geb­lich auf Tat­sa­chen stützt, die nicht Gegen­stand der zudem vor Bestel­lung des Ver­fah­rens­pfle­gers durch­ge­führ­ten 2 Anhö­rung der Betrof­fe­nen durch die beauf­trag­te Rich­te­rin am 10.03.2015 gewe­sen sind 3.

Obwohl das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten kei­ne geän­der­ten Erkennt­nis­se über den Gesund­heits­zu­stand der Betrof­fe­nen und deren Fähig­keit zur Wahr­neh­mung ihrer eige­nen Ange­le­gen­hei­ten erbracht hat, kön­nen jeden­falls die Fra­ge aus­rei­chen­der ande­rer Hil­fen (§ 1896 Abs. 2 BGB) und der andern­falls anste­hen­den Betreu­er­aus­wahl nicht ohne Ermitt­lung des aktu­el­len Sach­ver­halts beant­wor­tet wer­den. Die Aktua­li­sie­rung der Tat­sa­chen­grund­la­ge erfor­dert auch eine erneu­te per­sön­li­che Anhö­rung der Betrof­fe­nen 4, solan­ge nicht aus­ge­schlos­sen ist, dass aus deren Ant­wor­ten und Ver­hal­ten Rück­schlüs­se auf ihren aktu­el­len natür­li­chen Wil­len gezo­gen wer­den kön­nen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Okto­ber 2018 – XII ZB 230/​18

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 15.08.2018 – XII ZB 10/​18[]
  2. vgl. inso­weit BGH, Beschluss vom 14.02.2018 – XII ZB 465/​17 Fam­RZ 2018, 705 Rn. 7 f.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 15.08.2018 – XII ZB 10/​18 11 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 02.12 2015 – XII ZB 227/​12 Fam­RZ 2016, 300 Rn. 9; und vom 18.10.2017 – XII ZB 198/​16 Fam­RZ 2018, 124 Rn. 9[]
  5. vgl. auch BGH, Beschluss vom 28.09.2016 – XII ZB 269/​16 Fam­RZ 2016, 2093 Rn. 12[]