Das aus­län­di­sche Schei­dungs­ur­teil – und die Berich­ti­gung des Fami­li­en­stan­des im Mel­de­re­gis­ter

Ein in Deutsch­land leben­der aus­län­di­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger hat einen Anspruch auf Berich­ti­gung sei­nes Fami­li­en­stan­des im Mel­de­re­gis­ter von ver­hei­ra­tet in geschie­den, wenn er die Schei­dung durch Vor­la­ge eines wirk­sa­men aus­län­di­schen Schei­dungs­ur­teils nach­weist. Das aus­län­di­sche Schei­dungs­ur­teil ist anzu­er­ken­nen, wenn Aner­ken­nungs­hin­der­nis­se nach § 109 Abs. 1 FamFG nicht vor­lie­gen; eine inhalt­li­che Über­prü­fung des Urteils fin­det nicht statt.

Das aus­län­di­sche Schei­dungs­ur­teil – und die Berich­ti­gung des Fami­li­en­stan­des im Mel­de­re­gis­ter

Nach § 25 Abs. 1 Satz 1 Nds. Mel­de­ge­setz (NMG) hat die Mel­de­be­hör­de das Mel­de­re­gis­ter von Amts wegen oder auf Antrag der betrof­fe­nen Per­son zu berich­ti­gen oder zu ergän­zen, wenn es unrich­tig oder unvoll­stän­dig ist.

Im hier vom Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg ent­schie­de­nen Fall hat der Klä­ger zum Nach­weis der Schei­dung von sei­ner in Indi­en leben­den Ehe­frau, die wie er die indi­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit besitzt, ein Schei­dungs­ur­teil des High Court of Pun­jab and Harya­naat at Chan­di­garh vom 19.10.2012 vor­ge­legt, wel­ches nach der Stel­lung­nah­me der Bot­schaft der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in New Delhi vom 27.06.2013 for­mell echt ist. Die Aner­ken­nung aus­län­di­scher Urtei­le rich­tet sich im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren grund­sätz­lich nach § 173 Satz 1 VwGO i.V.m. § 328 ZPO. Für die Aner­ken­nung aus­län­di­scher Ent­schei­dun­gen in Ehe­sa­chen trifft § 107 des Geset­zes über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit – FamFG – eine Son­der­re­ge­lung, die § 328 ZPO auch im Ver­wal­tungs­pro­zess vor­geht 1. Nach § 107 Abs. 1 Satz 1 FamFG wer­den aus­län­di­sche Ent­schei­dun­gen in Ehe­sa­chen nur aner­kannt, wenn dies durch eine Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung fest­ge­stellt wur­de. Eine Aus­nah­me von die­sem Grund­satz sieht § 107 Abs. 1 Satz 2 FamFG für den Fall vor, dass ein Gericht des Staa­tes ent­schie­den hat, dem bei­de Ehe­gat­ten zur Zeit der Ent­schei­dung ange­hört haben. Hier bedarf es kei­ner Fest­stel­lung durch die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung. Viel­mehr prüft das jeweils befass­te Gericht oder die deut­sche Behör­de inner­halb der zu ent­schei­den­den Ange­le­gen­heit, bei der es um die Aner­ken­nung einer aus­län­di­schen Ent­schei­dung geht, ob die Vor­aus­set­zun­gen einer Aner­ken­nung vor­lie­gen 2. Die­se sog. Hei­mat­staat­klau­sel ist hier anwend­bar, da der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau bei­de indi­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge sind und die Schei­dung von einem indi­schen Gericht aus­ge­spro­chen wur­de.

Aner­ken­nungs­hin­der­nis­se nach § 109 Abs. 1 FamFG lie­gen ersicht­lich nicht vor. Ins­be­son­de­re greift nicht § 109 Abs. 1 Nr. 1 FamFG ein, wonach die Aner­ken­nung einer aus­län­di­schen Ent­schei­dung aus­ge­schlos­sen ist, wenn die Gerich­te des ande­ren Staa­tes nach deut­schem Recht nicht zustän­dig sind. Die­se Vor­schrift betrifft allein die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit. Nach der danach vor­zu­neh­men­den spie­gel­bild­li­chen Prü­fung ist die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit des aus­län­di­schen Gerichts, das die Ent­schei­dung erlas­sen hat, auf der Grund­la­ge der deut­schen inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit fest­zu­stel­len. Nach § 98 Abs. 1 Nr. 1 FamFG sind die deut­schen Gerich­te für Ehe­sa­chen zustän­dig, wenn ein Ehe­gat­te Deut­scher ist oder bei der Ehe­schlie­ßung war. Ent­spre­chend die­ser Rege­lung ist ein aus­län­di­sches Urteil dann anzu­er­ken­nen, wenn ein Ehe­gat­te Staats­an­ge­hö­ri­ger des Staa­tes ist, des­sen Gericht die Ent­schei­dung getrof­fen hat. Da hier ein indi­sches Gericht die Schei­dung von indi­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen aus­ge­spro­chen hat, ist des­sen inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit unzwei­fel­haft gege­ben.

Ob die­ses Gericht nach indi­schem Recht für die Ent­schei­dung zustän­dig gewe­sen ist, spielt für die Aner­ken­nung des Urteils kei­ne Rol­le. Maß­ge­bend ist allein, dass die Ent­schei­dung wirk­sam, d.h. nicht nich­tig oder unwirk­sam ist. Eine ledig­lich anfecht­ba­re Ent­schei­dung steht der Aner­ken­nung so lan­ge nicht ent­ge­gen, bis die­se auf­ge­ho­ben wird 2. Eben­so wenig kommt es für die Aner­ken­nung dar­auf an, ob das Urteil inhalt­lich falsch ist. Die Rich­tig­keit der aus­län­di­schen Ent­schei­dung ist inhalt­lich nicht zu über­prü­fen. Eine Aus­nah­me von die­sem Grund­satz gilt nach § 109 Abs. 1 Nr. 4 FamFG nur dann, wenn die Aner­ken­nung der aus­län­di­schen Ent­schei­dung zu einem Ergeb­nis führt, das mit wesent­li­chen Grund­sät­zen des deut­schen Rechts und ins­be­son­de­re mit den Grund­rech­ten unver­ein­bar ist. Anhalts­punk­te für das Vor­lie­gen eines der­ar­ti­gen Aus­nah­me­falls sind hier nicht erkenn­bar.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2014 – 11 LB 203/​14

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 29.11.2012 – BVerwG 10 C 4.1219[]
  2. Musielak/​Borth, FamFG, § 107, Rn. 8[][]