Das umfang­rei­che Ver­mö­gen des Betreu­ten – und der Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt trotz Vorsorgevollmacht

Selbst bei einem umfang­rei­chen Ver­mö­gen des Betreu­ten darf ein Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt (§ 1903 BGB) nur dann ange­ord­net wer­den, wenn kon­kre­te Anhalts­punk­te für eine Ver­mö­gens­ge­fähr­dung erheb­li­cher Art vor­lie­gen1.

Das umfang­rei­che Ver­mö­gen des Betreu­ten – und der Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt trotz Vorsorgevollmacht

Auch bei einem geschäfts­un­fä­hi­gen Betrof­fe­nen muss für die Anord­nung eines Ein­wil­li­gungs­vor­be­halts im Bereich der Ver­mö­gens­sor­ge eine kon­kre­te Gefähr­dung sei­nes Ver­mö­gens durch sein akti­ves Tun fest­ge­stellt wer­den, indem er etwa ver­mö­gens­er­hal­ten­de und ‑schüt­zen­de Maß­nah­men des Betreu­ers kon­ter­ka­riert oder ande­re ver­mö­gens­schä­di­gen­de Maß­nah­men trifft2.

Die­sen Maß­ga­ben genü­gen­de tatrich­ter­li­che Fest­stel­lun­gen las­sen sich der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung jedoch nicht ent­neh­men, wenn dort unter Bezug­nah­me auf die Aus­füh­run­gen in den Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ledig­lich dar­auf abge­stellt wird, dass es des Ein­wil­li­gungs­vor­be­halts bedür­fe, um den Betrof­fe­nen, der auf­grund der erheb­li­chen kogni­ti­ven Funk­ti­ons­ein­schrän­kun­gen die tat­säch­li­che und recht­li­che Trag­wei­te sei­nes Han­delns nicht mehr über­schau­en kön­ne, vor finan­zi­el­len Nach­tei­len zu schüt­zen, sich den Ent­schei­dungs­grün­den jedoch nicht ent­neh­men lässt, wel­che ver­mö­gens­ge­fähr­den­den Maß­nah­men des Betrof­fe­nen drohen.

Sofern sich die Anord­nung eines Ein­wil­li­gungs­vor­be­halts als zum Schutz des Ver­mö­gens des Betrof­fe­nen erfor­der­lich erwei­sen soll­te, kommt es für den Auf­ga­ben­be­reich der Ver­mö­gens­sor­ge nicht auf die Wirk­sam­keit der Vor­sor­ge­voll­mach­ten an3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Novem­ber 2020 – XII ZB 179/​20

  1. BGH, Beschluss vom 22.08.2018 – XII ZB 180/​18 , FamRZ 2018, 1776 Rn. 12 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 15.08.2018 – XII ZB 10/​18 , FamRZ 2018, 1770 Rn. 25 ff. mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 27.07.2011 – XII ZB 118/​11 , FamRZ 2011, 1577 Rn. 11[]

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