Die Betreu­er­ver­gü­tung für einen Diplom-Agrar­in­ge­nieur

Ein von der Betreue­rin im Jah­re 1985 an der Karl-Marx-Uni­ver­si­tät Leip­zig erwor­be­ne Stu­di­en­ab­schluss als "Diplom-Agrar­in­ge­nieur" recht­fer­tigt gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG nicht den höchs­ten Stun­den­satz von 44 €.

Die Betreu­er­ver­gü­tung für einen Diplom-Agrar­in­ge­nieur

Die abge­schlos­se­ne Hoch­schul­aus­bil­dung der Betreue­rin hat kei­ne beson­de­ren, für die Füh­rung der Betreu­ung nutz­ba­ren Kennt­nis­se ver­mit­telt.

Nach Sinn und Zweck des § 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG ist ein erhöh­ter Stun­den­satz nicht bereits gerecht­fer­tigt, wenn die Aus­bil­dung gleich­sam am Ran­de auch die Ver­mitt­lung betreu­ungs­re­le­van­ter Kennt­nis­se zum Inhalt hat. Erfor­der­lich ist viel­mehr, dass sie in ihrem Kern­be­reich hier­auf aus­ge­rich­tet ist. Davon ist aus­zu­ge­hen, wenn ein erheb­li­cher Teil der Aus­bil­dung auf die Ver­mitt­lung sol­chen Wis­sens gerich­tet ist und dadurch das erwor­be­ne betreu­ungs­re­le­van­te Wis­sen über ein Grund­wis­sen deut­lich hin­aus­geht.

Dies ist mit Blick auf das Aus­bil­dungs­ziel, die Betreue­rin zur Agrar­in­ge­nieu­rin aus­zu­bil­den, und die im Hoch­schul­zeug­nis unter "Abschluss­prü­fun­gen und Bele­ge" auf­ge­führ­ten Fächer, näm­lich "Mor­pho­lo­gie, Fut­ter­pro­duk­ti­on, Bio­che­mie, Gesund­heits, Arbeits- und Brand­schutz, Maschi­nen­tech­nik, Tie­rernäh­rung, Tier­ge­sund­heits- und Tier­seu­chen­leh­re, Haus­tier­ge­ne­tik und Tier­züch­tung, Rin­der­zucht, Schaf­zucht, Schwei­ne­zucht, Geflü­gel- und Klein­tier­zucht" zu ver­nei­nen 1 und wird in sei­ner Rich­tig­keit auch nicht durch die wei­te­ren Aus­bil­dungs­in­hal­te (45 Stun­den "sozia­lis­ti­sches Recht"; Grund­kennt­nis­se über Auf­bau von Orga­nen und Gewe­be sowie deren Ent­wick­lung und Funk­ti­ons­wei­se; Grund­la­gen der elek­tro­ni­schen Daten­ver­ar­bei­tung; Lei­tungs­funk­tio­nen) erfolg­reich in Fra­ge gestellt.

Auch die im vor­lie­gen­den Fall von der Betreue­rin berufs­be­glei­tend im Jah­re 2005 an der Säch­si­schen Ver­wal­tungs- und Wirt­schafts­aka­de­mie abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung zur "Ver­wal­tungs-Betriebs­wir­tin (VWA)" mit einem Gesamt­auf­wand von 956 Stun­den ist bereits von ihrem zeit­li­chen Umfang her weder mit einer abge­schlos­se­nen Hoch­schul­aus­bil­dung im Sinn des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG 2 noch mit einer abge­schlos­se­nen Leh­re im Sinn des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 VBVG 3 ver­gleich­bar. Sie begrün­det daher kei­nen erhöh­ten Stun­den­satz für die Betreu­er­ver­gü­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Janu­ar 2014 – XII ZB 527/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 23.10.2013 – XII ZB 429/​13 Fam­RZ 2014, 116 Rn.19 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 30.10.2013 – XII ZB 23/​13 Fam­RZ 2014, 117 Rn. 14 ff.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 11.12 2013 – XII ZB 383/​12[]