Ehe­schlie­ßung auf Mau­ri­ti­us

Die Ver­ein­ba­rung der Güter­tren­nung gegen­über dem Stan­des­be­am­ten auf Mau­ri­ti­us hat auch dann Gül­tig­keit, wenn zwi­schen den Ehe­leu­ten das deut­sche Güter­rechts­sta­tut gilt.

Ehe­schlie­ßung auf Mau­ri­ti­us

Nach Art. 15 Abs. 1 EGBGB bestimmt sich das Güter­rechts­sta­tut nach dem Recht, das im Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung für die all­ge­mei­nen Wir­kun­gen der Ehe maß­ge­bend ist, sofern die Ehe­leu­te kei­ne Rechts­wahl nach Art. 15 Abs. 2 EGBGB getrof­fen haben – so der Bun­des­ge­richts­hof. Die Par­tei­en hat­ten zwar bei ihrer Hei­rat unter­schied­li­che Staats­bür­ger­schaf­ten, aber ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung in Deutsch­land, so dass für die all­ge­mei­nen Ehe­wir­kun­gen gemäß Art. 14 Abs. 1 Nr. 2 EGBGB deut­sches Recht gilt. Eine Rechts­wahl nach Art. 15 Abs. 2 EGBGB haben die Par­tei­en nicht getrof­fen. Die güter­recht­li­chen Wir­kun­gen der Ehe der Par­tei­en unter­lie­gen daher dem deut­schen Sach­recht.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­ho­fes haben bei­de Par­tei­en durch ihre gemein­sa­me Erklä­rung zur Wahl des Güter­stan­des gegen­über dem Stan­des­be­am­ten bei der Ehe­schlie­ßung auf Mau­ri­ti­us aber wirk­sam den gesetz­li­chen Güter­stand der Zuge­winn­ge­mein­schaft aus­ge­schlos­sen und Güter­tren­nung ver­ein­bart.

Nach deut­schem Güter­recht kön­nen die Ehe­gat­ten gemäß § 1408 Abs. 1 BGB ihre güter­recht­li­chen Ver­hält­nis­se durch einen Ver­trag regeln, der bei gleich­zei­ti­ger Anwe­sen­heit bei­der Tei­le zur Nie­der­schrift eines Notars geschlos­sen wer­den muss (§ 1410 BGB). Wird eine güter­recht­li­che Ver­ein­ba­rung – wie im hier zu ent­schei­den­den Fall – von Ehe­leu­ten unter­schied­li­cher Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten geschlos­sen, ent­schei­det das im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­de Güter­recht­sta­tut nach Art. 15 Abs. 1 EGBGB über Zuläs­sig­keit, mate­ri­ell­recht­li­che Wirk­sam­keit und mög­li­chen Inhalt des Ehe­ver­trags 1. Ob der Ehe­ver­trag form­wirk­sam zustan­de gekom­men ist, bestimmt sich dage­gen nach der Anknüp­fungs­re­ge­lung des Art. 11 EGBGB 2.

Ein Ehe­ver­trag i.S.v. § 1408 Abs. 1 BGB ist ein Rechts­ge­schäft zwi­schen Ver­lob­ten oder Ehe­leu­ten zur Rege­lung ihrer güter­recht­li­chen Ver­hält­nis­se, des­sen Zustan­de­kom­men sich nach den all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten der §§ 145 ff. BGB rich­tet 3. Daher bedarf es zum Abschluss eines Ehe­ver­trags zwei­er über­ein­stim­men­der Wil­lens­er­klä­run­gen der Ehe­wil­li­gen, die dar­auf gerich­tet sind, rechts­ver­bind­lich die güter­recht­li­chen Wir­kun­gen ihrer Ehe zu gestal­ten (8vgl. Palandt/​Ellenberger, BGB, 70. Aufl., Einf. v. § 145 BGB Rn. 2)). Da das ehe­li­che Güter­recht von dem Grund­satz der Ver­trags­frei­heit beherrscht wird, kön­nen die Ehe­wil­li­gen ihre auf die Ehe bezo­ge­nen Ver­mö­gens­be­zie­hun­gen weit­ge­hend frei regeln 4. Sie kön­nen einen Güter­stand ins­ge­samt wäh­len, einen ande­ren Güter­stand erset­zen oder einen Güter­stand modi­fi­zie­ren 5.

Gemes­sen an die­sen Wesens­merk­ma­len einer güter­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung i.S.v. § 1408 Abs. 1 BGB haben die Par­tei­en bei der Ehe­schlie­ßung durch ihre gemein­sa­me Erklä­rung vor dem mau­ri­ti­schen Stan­des­be­am­ten wirk­sam Güter­tren­nung ver­ein­bart.

Nach mau­ri­ti­schem Güter­recht kön­nen Ehe­gat­ten die güter­recht­li­chen Wir­kun­gen ihrer Ehe ent­we­der den gesetz­li­chen Güter­stän­den der Güter­ge­mein­schaft ("com­mu­ni­ty of goods", vgl. Art. 1401 ff. Code Civil Mau­rici­en) oder der Güter­tren­nung ("sepa­ra­ti­on of goods", vgl. Art. 1475 ff. Code Civil Mau­rici­en) unter­stel­len oder einen ande­ren Güter­stand wäh­len (Art. 1479 Code Civil Mau­rici­en). Ande­re als die bei­den gesetz­li­chen Güter­stän­de kön­nen die Ehe­gat­ten nur durch den Abschluss eines nota­ri­ell beur­kun­de­ten Ehe­ver­trags wäh­len (Art. 1393 Abs. 2, 1479 Code Civil Mau­rici­en). Geben die Ehe­gat­ten bei der Ehe­schlie­ßung kei­ne Erklä­rung ab und haben sie auch kei­nen Ehe­ver­trag geschlos­sen, wird die Ehe im Güter­stand der Güter­ge­mein­schaft geführt (Art. 1400 Code Civil Mau­rici­en). Ent­schei­den sich die Hei­rats­wil­li­gen für den gesetz­li­chen Güter­stand der Güter­tren­nung, genügt für die Wahl die gemein­sa­me Erklä­rung der Ehe­gat­ten gegen­über dem Stan­des­be­am­ten bei der Ehe­schlie­ßung, dass die Ehe unter dem gesetz­li­chen Güter­stand der Güter­tren­nung geschlos­sen wer­den soll (Art. 1475 Code Civil Mau­rici­en).

Über die­se Mög­lich­kei­ten wer­den die Hei­rats­wil­li­gen bereits bei der Auf­ge­bots­be­stel­lung durch den Stan­des­be­am­ten infor­miert (§ 20 Abs. 1 (b) (ii) Civil Sta­tus Act 1981). Zusätz­lich erhal­ten sie ein gedruck­tes Erläu­te­rungs­blatt aus­ge­hän­digt (§ 20 Abs. 1 (b) (i) Civil Sta­tus Act 1981). Bei der Ehe­schlie­ßung befragt der Stan­des­be­am­te die Ehe­leu­te dann, wel­chen der bei­den gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Güter­stän­de sie wäh­len wol­len oder ob sie einen Ehe­ver­trag abge­schlos­sen haben (vgl. § 24 Abs. 2 (b) Mau­ri­ti­us Civil Sta­tus Act 1981).

Nach der Sys­te­ma­tik des mau­ri­ti­schen Ehe­gü­ter­rechts han­delt es sich bei der Güter­tren­nung nach Art. 1475 Code Civil Mau­rici­en zwar um einen gesetz­lich gere­gel­ten Güter­stand. Die­ser tritt jedoch nicht – ver­gleich­bar dem gesetz­li­chen Güter­stand der Zuge­winn­ge­mein­schaft nach deut­schem Recht (vgl. § 1363 Abs. 1 BGB) – zwin­gend als gesetz­li­che Fol­ge der Ehe­schlie­ßung ein. Nach mau­ri­ti­schem Recht müs­sen sich die Ehe­wil­li­gen viel­mehr bewusst und ein­ver­ständ­lich für den Güter­stand der Güter­tren­nung ent­schei­den und eine ent­spre­chen­de gemein­sa­me Erklä­rung vor dem Stan­des­be­am­ten bei der Ehe­schlie­ßung abge­ben. Aus der Sicht des deut­schen Rechts kann die­se gemein­sa­me Erklä­rung der Ehe­wil­li­gen als Abga­be zwei­er über­ein­stim­men­der Wil­lens­er­klä­run­gen ver­stan­den wer­den, die dar­auf gerich­tet sind, rechts­ver­bind­lich die güter­recht­li­chen Wir­kun­gen ihrer Ehe zu gestal­ten. Durch die Abga­be der gemein­sa­men Erklä­rung bei der Ehe­schlie­ßung bekun­den die Ehe­wil­li­gen ihren über­ein­stim­men­den Wil­len, ihre Ver­mö­gens­be­zie­hun­gen dem Güter­stand der Güter­tren­nung zu unter­stel­len. Dies ent­spricht den mate­ri­el­len Anfor­de­run­gen an den Abschluss eines Ehe­ver­trags nach § 1408 Abs. 1 BGB.

Es bestehen auch kei­ne inhalt­li­chen Beden­ken, die Vor­gän­ge bei der Ehe­schlie­ßung der Par­tei­en auf Mau­ri­ti­us als wirk­sa­me güter­recht­li­che Ver­ein­ba­rung nach deut­schem Recht anzu­se­hen. Die Par­tei­en haben sich mit der Wahl der Güter­tren­nung nach Art. 1475 ff. Code Civil Mau­rici­en für einen Güter­stand ent­schie­den, den auch das deut­sche Güter­recht kennt. Nach Art. 1476 Abs. 1 Code Civil Mau­rici­en behält jeder Ehe­gat­te in der Wei­se die Ver­wal­tung, Nut­zung und freie Ver­fü­gungs­be­fug­nis über sei­ne per­sön­li­chen Güter, als ob er nicht ver­hei­ra­tet wäre 6. Jeder Ehe­gat­te haf­tet für Schul­den, die er vor oder wäh­rend der Ehe ein­ge­gan­gen ist, allein (Art. 1476 Abs. 2 Code Civil Mau­rici­en). Die­se kla­re Tren­nung der Ver­mö­gens­mas­sen der Ehe­leu­te und die nach der Ehe­schlie­ßung fort­dau­ern­de allei­ni­ge Ver­wal­tung des Ver­mö­gens sind auch prä­gen­de Merk­ma­le des Güter­stan­des der Güter­tren­nung nach deut­schem Recht 7. Die Güter­tren­nung nach mau­ri­ti­schem Recht ist daher der Güter­tren­nung nach deut­schem Recht in wesent­li­chen Punk­ten ver­gleich­bar.

Schließ­lich ist die güter­recht­li­che Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en auch form­wirk­sam zustan­de gekom­men.

Die Form­erfor­der­nis­se für ein im Aus­land abge­schlos­se­nes Rechts­ge­schäft rich­ten sich nach der Kol­li­si­ons­norm des Art. 11 Abs. 1 EGBGB 8. Nach die­ser Vor­schrift ist ein im Aus­land abge­schlos­se­nes Rechts­ge­schäft form­gül­tig, wenn es die Form­erfor­der­nis­se des Rechts, das auf das sei­nen Gegen­stand bil­den­de Rechts­ver­hält­nis anzu­wen­den ist (Geschäfts­rechts­form), oder des Rechts des Staa­tes erfüllt, in dem es vor­ge­nom­men wird (Orts­rechts­form). Damit stellt Art. 11 Abs. 1 EGBGB zur Erleich­te­rung des inter­na­tio­na­len Rechts­ver­kehrs die Form­vor­schrif­ten des Orts­rechts gleich­wer­tig neben die nach dem inhalt­lich maß­ge­ben­den Geschäfts­rechts 9.

Da nach mau­ri­ti­schem Recht für die Wahl der Güter­tren­nung die gemein­sa­me Erklä­rung der Ehe­gat­ten gegen­über dem Stan­des­be­am­ten bei der Ehe­schlie­ßung aus­reicht und die­se Form ein­ge­hal­ten wur­de, genügt die güter­recht­li­che Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en der maß­geb­li­chen Orts­rechts­form (Art. 11 Abs. 1 Alt. 2 EGBGB). Dadurch wird die nach deut­schem Recht erfor­der­li­che nota­ri­el­le Beur­kun­dung nach § 1410 BGB des Ehe­ver­trags ersetzt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Juli 2011 – XII ZR 48/​09

  1. Staudinger/​Mankowski, 2010, § 15 EGBGB Rn. 304 ff.; Palandt/​Thorn, BGB, 70. Aufl., § 15 EGBGB Rn. 30[]
  2. Staudinger/​Mankowski, 2010, § 15 EGBGB Rn. 315[]
  3. May­er in Beck­OK, BGB, § 1408 Rn. 2; Münch­Komm-BGB/­Kanz­lei­ter, 5. Aufl., § 1408 Rn. 4[]
  4. zu den Schran­ken vgl. Münch­Komm-BGB/­Kanz­lei­ter, 5. Aufl., § 1408 Rn. 9 ff.[]
  5. Palandt/Brudermülle,r BGB, 70. Aufl., § 1408 BGB Rn. 15[]
  6. Bergmann/​Ferid/​Henrich, Inter­na­tio­na­les Ehe- und Kind­schafts­recht, 2009, Mau­ri­ti­us Art. 1476 Code Civil Mau­rici­en[]
  7. Palandt/​Brudermüller, BGB, 70. Aufl., v. § 1414 Rn. 1[]
  8. Staudinger/​Winkler, von Moh­ren­fels, BGB, 2007, Art. 11 EGBGB Rn. 82; Münch­Komm-BGB/­S­pel­len­berg, 5. Aufl., Art. 11 EGBGB Rn. 22[]
  9. Münch­Komm-BGB/­S­pel­len­berg, 5. Aufl., Art. 11 EGBGB Rn. 36; Palandt/​Thorn, BGB, 70. Aufl., Art. 11 EGBGB Rn. 6[]