Einst­wei­li­ge Anord­nung – Beschwer­de – Rechts­be­schwer­de

Wird in einem (Gewalt­schutz-)Ver­fah­ren auf Anord­nung, Abän­de­rung oder Auf­he­bung einer einst­wei­li­gen Anord­nung die Beschwer­de eines Betei­lig­ten als unzu­läs­sig ver­wor­fen, kann auch durch die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de kei­ne drit­te Instanz eröff­net wer­den.

Einst­wei­li­ge Anord­nung – Beschwer­de – Rechts­be­schwer­de

In Fami­li­en­sa­chen der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit fin­det nach § 70 Abs. 4 FamFG gegen einen Beschluss im Ver­fah­ren über die Anord­nung, Abän­de­rung oder Auf­he­bung einer einst­wei­li­gen Anord­nung die Rechts­be­schwer­de nicht statt.

Die­ser Aus­schluss ist wie der Wort­laut von § 70 Abs. 4 FamFG ver­deut­licht umfas­send. Die Vor­schrift begrenzt den Instan­zen­zug bezüg­lich sämt­li­cher Ent­schei­dun­gen, wel­che die mit dem "Haupt­sa­che­ver­fah­ren" nach § 52 FamFG nicht zu ver­wech­seln­de Haupt­sa­che im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes betref­fen 1. Zur Haupt­sa­che des Eil­ver­fah­rens gehö­ren ins­be­son­de­re Kos­ten­ent­schei­dun­gen 2 und die gemäß § 62 FamFG nach Erle­di­gung der einst­wei­li­gen Maß­nah­me zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen 3.

Nur hin­sicht­lich sol­cher, von der Haupt­sa­che des Eil­ver­fah­rens gelös­ten Neben- und Zwi­schen­ent­schei­dun­gen, die kraft beson­de­rer spe­zi­al­ge­setz­li­cher Rege­lung ange­foch­ten wer­den kön­nen, steht § 70 Abs. 4 FamFG einer Anru­fung der Rechts­be­schwer­de­instanz nicht ent­ge­gen. Dies ist etwa bei Ent­schei­dun­gen über die Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe 4 oder über die Zuläs­sig­keit des Rechts­we­ges 5 der Fall.

Wird die Beschwer­de gegen eine Ent­schei­dung im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes wie hier als unzu­läs­sig ver­wor­fen, betrifft dies die Anfecht­bar­keit der einst­wei­li­gen Maß­nah­me in der Haupt­sa­che; daher schließt § 70 Abs. 4 FamFG eine Rechts­be­schwer­de in die­sen Fäl­len aus 6. Damit steht es in Ein­klang, dass in den Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes nach der Zivil­pro­zess­ord­nung gegen die Ver­wer­fung eines Rechts­mit­tels durch das Beru­fungs- oder Beschwer­de­ge­richt wegen §§ 574 Abs. 1 Satz 2, 542 Abs. 2 Satz 1 ZPO weder die Revi­si­on noch die Rechts­be­schwer­de eröff­net ist 7. Die Rege­lun­gen der §§ 574 Abs. 1 Satz 2, 542 Abs. 2 Satz 1 ZPO soll­ten in § 70 Abs. 4 FamFG ihre inhalt­li­che Ent­spre­chung fin­den 8.

An der Begren­zung des Instan­zen­zu­ges durch § 70 Abs. 4 FamFG ändert auch die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch das Beschwer­de­ge­richt nichts. § 70 Abs. 1 FamFG bin­det das Gericht der Rechts­be­schwer­de zwar an die Beur­tei­lung des Beschwer­de­ge­richts zum Vor­lie­gen von Zulas­sungs­grün­den; die­se Vor­schrift ver­mag aller­dings den gesetz­li­chen Instan­zen­zug nicht zu erwei­tern. Daher kann das Beschwer­de­ge­richt in einem Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes auch durch die (irr­tüm­li­che) Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de die nach dem Gesetz aus­ge­schlos­se­ne Anru­fung der drit­ten Instanz nicht ermög­li­chen 9.

Die Rechts­be­schwer­de ist daher – unab­hän­gig von der durch das Beschwer­de­ge­richt für klä­rungs­be­dürf­tig gehal­te­nen Rechts­fra­ge nach der all­ge­mei­nen Unan­fecht­bar­keit von Auf­he­bungs­ent­schei­dun­gen gemäß § 52 Abs. 2 FamFG – in jedem Fal­le unzu­läs­sig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2013 – XII ZA 54/​13

  1. Prütting/​Helms/​Abramenko FamFG 2. Aufl. § 70 Rn.19[]
  2. KG Fam­RZ 2011, 576[]
  3. BGH Beschluss vom 03.02.2011 – V ZB 128/​10 FGPrax 2011, 148 Rn. 8[]
  4. BGH, Beschluss vom 18.05.2011 – XII ZB 265/​10 Fam­RZ 2011, 1138 Rn. 7[]
  5. vgl. BGH Beschluss vom 09.11.2006 – I ZB 28/​06 NJW 2007, 1819[]
  6. Unger in SchulteBunert/​Weinreich FamFG 4. Aufl. § 70 Rn. 31[]
  7. vgl. BGH Beschlüs­se vom 15.01.2009 – V ZB 130/​08 WuM 2009, 145 Rn. 4 und vom 10.10.2002 – VII ZB 11/​02 NJW 2003, 69[]
  8. BT-Drucks. 16/​6308, S.209[]
  9. Keidel/​MeyerHolz FamFG 17. Aufl. § 70 Rn. 48; Prütting/​Helms/​Abramenko FamFG 2. Aufl. § 70 Rn.19; Borth/​Grandel in Musielak/​Borth FamFG 4. Aufl. § 70 Rn. 7; Unger in SchulteBunert/​Weinreich FamFG 4. Aufl. § 70 Rn. 31; vgl. auch BGH, Beschluss vom 23.05.2012 XII ZB 417/​11 Fam­RZ 2012, 1204 Rn. 4[]