Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt – und die Gren­zen sei­ner Anordnung

Ein Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt kann nur dann ange­ord­net wer­den, wenn kon­kre­te Anhalts­punk­te für eine Ver­mö­gens­ge­fähr­dung erheb­li­cher Art vor­lie­gen1. Ein Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt kann nicht gegen den frei­en Wil­len des Betrof­fe­nen ange­ord­net wer­den2.

Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt – und die Gren­zen sei­ner Anordnung

Soweit dies zur Abwen­dung einer erheb­li­chen Gefahr für die Per­son oder das Ver­mö­gen des Betreu­ten erfor­der­lich ist, ord­net das Betreu­ungs­ge­richt nach § 1903 Abs. 1 BGB an, dass der Betreu­te zu einer Wil­lens­er­klä­rung, die den Auf­ga­ben­kreis des Betreu­ers betrifft, des­sen Ein­wil­li­gung bedarf (Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt). Ob dies der Fall ist, hat das Betreu­ungs­ge­richt im Rah­men sei­ner Amts­er­mitt­lungs­pflicht fest­zu­stel­len. Ein Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt kann aller­dings nur dann ange­ord­net wer­den, wenn kon­kre­te Anhalts­punk­te für eine Ver­mö­gens­ge­fähr­dung erheb­li­cher Art vor­lie­gen. Der Grund­satz der Erfor­der­lich­keit bedeu­tet dabei auch, dass der Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt je nach den Umstän­den auf einen ein­zel­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stand oder eine bestimm­te Art von Geschäf­ten beschränkt wer­den kann3. Der Umfang der Ermitt­lun­gen muss zudem dem Umstand Rech­nung tra­gen, dass es sich bei dem Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt um einen gra­vie­ren­den Ein­griff in die Grund­rech­te des Betrof­fe­nen han­delt, der sich ohne kon­kre­te Fest­stel­lun­gen nicht recht­fer­ti­gen lässt4.

Auch wenn § 1903 BGB weder eine dem § 1896 Abs. 1a BGB ent­spre­chen­de Vor­schrift zum frei­en Wil­len ent­hält noch auf letz­te­re ver­weist, darf ein Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt nicht gegen den frei­en Wil­len des Betrof­fe­nen ange­ord­net wer­den5.

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de im hier ent­schie­de­nen Fall die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung des Land­ge­richts Wei­den in der Ober­pfalz6 nicht gerecht:

Das Land­ge­richt beschränkt sich auf die Fest­stel­lung, dass der Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt auf­grund eines erkran­kungs­be­ding­ten Rea­li­täts­ver­lus­tes zur Abwen­dung einer erheb­li­chen Gefahr für das Ver­mö­gen des Betrof­fe­nen erfor­der­lich sei. Im Übri­gen ver­weist es auf das Gut­ach­ten, den Bericht der Betreu­ungs­be­hör­de vom 19.05.2020, das Schrei­ben des Betreu­ers vom 06.10.2020 sowie auf die Aus­füh­run­gen im amts­ge­richt­li­chen Beschluss. Auch die­ser ent­hält kei­ne kon­kre­ten Fest­stel­lun­gen, son­dern beschränkt sich auf die all­ge­mei­nen Aus­füh­run­gen, der Betrof­fe­ne täti­ge sinn­lo­se Aus­ga­ben in erheb­li­chem, zu sei­nem Ver­mö­gen und sei­nen gerin­gen Ein­künf­ten völ­lig außer Ver­hält­nis ste­hen­dem Umfang, wes­halb ein Ver­mö­gens­ver­lust, eine erheb­li­che Ver­schul­dung und eine Gefähr­dung sei­ner Grund­be­dürf­nis­se zu befürch­ten sei­en. Damit fehlt es der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung an Fest­stel­lun­gen kon­kre­ter Anhalts­punk­te, die einen sol­chen Ein­griff recht­fer­ti­gen könn­ten; sol­che kön­nen auch nicht durch eine pau­scha­le Bezug­nah­me auf Akten­tei­le ersetzt werden.

Schließ­lich hat weder das Amts­ge­richt noch das Land­ge­richt Fest­stel­lun­gen zum frei­en Wil­len des Betrof­fe­nen i.S.d. § 1896 Abs. 1a BGB getroffen.

Weil die Sache noch nicht zur End­ent­schei­dung reif war, hat der Bun­des­ge­richts­hof sie unter Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Beschlus­ses zur ander­wei­ti­gen Behand­lung und Ent­schei­dung an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen, § 74 Abs. 6 Satz 2 FamFG.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Febru­ar 2021 – XII ZB 503/​20

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 09.05.2018 – XII ZB 577/​17 , FamRZ 2018, 1193[]
  2. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 17.05.2017 – XII ZB 495/​16 , FamRZ 2017, 1341[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 09.05.2018 – XII ZB 577/​17 , FamRZ 2018, 1193 Rn. 16 mwN[]
  4. BGH, Beschluss vom 06.05.2020 – XII ZB 483/​19 , FamRZ 2020, 1405 Rn. 7 mwN[]
  5. BGH, Beschluss vom 17.05.2017 – XII ZB 495/​16 , FamRZ 2017, 1341 Rn. 11 mwN[]
  6. LG Wei­den i.d. OPf., Beschluss vom 28.10.2020 – 22 T 66/​20[]

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