Embryo­nen im Aus­land – Fest­stel­lung der Vater­schaft in Deutsch­land?

Für Embryo­nen im Aus­land ist nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf eine Fest­stel­lung einer Vater­schaft nach Deut­schem Recht nicht mög­lich.

Embryo­nen im Aus­land – Fest­stel­lung der Vater­schaft in Deutsch­land?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf jetzt eine Beschwer­de zurück­ge­wie­sen, mit der der Beschwer­de­füh­rer die Fest­stel­lung sei­ner Vater­schaft nach Deut­schem Recht an neun Embryo­nen begehrt, die sich ein­ge­fro­ren in einer Fort­pflan­zungs­kli­nik in Kalifornien/​USA befin­den. Die Embryo­nen sol­len anläss­lich der künst­li­chen Zeu­gung sei­ner zwei Töch­ter aus sei­nen Sper­ma­zel­len und Eizel­len einer Spen­de­rin in Kali­for­ni­en ent­stan­den sein. Der Beschwer­de­füh­rer will die in den USA befind­li­chen Embryo­nen "zur Geburt füh­ren" und betrieb bzw. betreibt mit die­sem Ziel ver­schie­de­ne Gerichts­ver­fah­ren in Deutsch­land. Bereits erst­in­stanz­lich wur­de sein Antrag zurück­ge­wie­sen.

Zur Begrün­dung führt das Ober­lan­des­ge­richt aus, dass die vom Beschwer­de­füh­rer begehr­te Fest­stel­lung sei­ner Vater­schaft zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht mög­lich sei. Die Fest­stel­lung der Vater­schaft für ein Kind erfol­ge nach deut­schem Recht grund­sätz­lich erst mit der Geburt. Gemäß des in § 1592 Nr. 1 BGB zum Aus­druck kom­men­den Wil­lens des Gesetz­ge­bers gel­te die – wider­leg­ba­re – Ver­mu­tung, dass der Mann, mit dem die Kinds­mut­ter im Zeit­punkt der Geburt ver­hei­ra­tet ist, auch Vater des Kin­des sei. Zwar kön­ne die Vater­schaft für ein Kind auch schon vor des­sen Geburt gem. §§ 1592 Nr. 2 und 1594 Abs. 4 BGB aner­kannt wer­den. Eine sol­che Aner­ken­nung sei jedoch von der vom Beschwer­de­füh­rer begehr­ten gericht­li­chen Fest­stel­lung sei­ner Vater­schaft zu unter­schei­den.

Der Beschwer­de­füh­rer kön­ne die Fest­stel­lung sei­ner Vater­schaft auch nicht auf den Rechts­ge­dan­ken in § 1912 BGB "Pfleg­schaft für eine Lei­bes­frucht" stüt­zen. Die­se Norm, die der Wah­rung künf­ti­ger Rech­te einer Lei­bes­frucht die­ne, sehe hier­für die Bestel­lung eines Pfle­gers vor, nicht die Fest­stel­lung einer Vater­schaft. Zwar habe der Gesetz­ge­ber in § 1912 Abs. 2 BGB bestimmt, dass die Pfle­ge für eine Lei­bes­frucht den Eltern zuste­hen sol­le, soweit ihnen auch die elter­li­che Sor­ge zustün­de, wenn das Kind bereits gebo­ren wäre. Jedoch ste­he im vor­lie­gen­den Fall kei­nes­wegs fest, dass der Antrag­stel­ler tat­säch­lich sor­ge­be­rech­tigt wäre, wenn eines der Kin­der bereits gebo­ren wäre. Die Fra­ge, ob dem Beschwer­de­füh­rer die elter­li­che Sor­ge im Sin­ne des Geset­zes auch an den Embryo­nen zuste­he, sei Gegen­stand eines wei­te­ren Ver­fah­rens des Beschwer­de­füh­rers, über das ein ande­rer Fami­li­en­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts noch zu ent­schei­den habe 1. Auf die­se Ent­schei­dung kom­me es aber nicht an, da der Antrag­stel­ler im gegen­ständ­li­chen Ver­fah­ren kei­ne künf­ti­gen Rech­te eines mensch­li­chen Embry­os gel­tend mache, son­dern sich von der begehr­ten Fest­stel­lung sei­ner Vater­schaft eine Art Ver­fü­gungs­be­fug­nis über die Embryo­nen erhof­fe – auch ohne oder sogar gegen den Wil­len der Eizel­len­spen­de­rin.

Ob nach dem Recht der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka bzw. des Staa­tes Kali­for­ni­en, wo sich die Embryo­nen nach dem Vor­trag des Antrag­stel­lers der­zeit befin­den, eine Fest­stel­lung sei­ner Vater­schaft tat­säch­lich bereits zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt mög­lich wäre, bedür­fe kei­ner Ent­schei­dung. Die Anwen­dung aus­län­di­schen Rechts schei­de in die­sem Ver­fah­ren aus. Zwar habe der Gesetz­ge­ber für Fäl­le zur Rege­lung von Abstam­mungs­fra­gen in Art.19 Abs. 1 Satz 1 EGBGB nor­miert, dass die Abstam­mung eines Kin­des dem Recht des Staa­tes unter­lie­ge, in dem das Kind sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt habe. Da es sich vor­lie­gend um unge­bo­re­ne Kin­der hand­le, sei die Vor­schrift nicht unmit­tel­bar anwend­bar. Für eine sinn­ge­mä­ße, sog. ana­lo­ge Anwen­dung der Vor­schrift sei hier kein Raum, da die­se eine unbe­ab­sich­tig­te Lücke im Gesetz vor­aus­set­ze. Unter Berück­sich­ti­gung der Rege­lun­gen im Embryo­nen­schutz­ge­setz (ESchG) sei eine sol­che jedoch nicht ersicht­lich.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 31. Juli 2015 – II-1 UF 83/​14

  1. OLG Düs­sel­dorf – II‑7 UF 75/​14[]