Inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit für einst­wei­li­ge Maß­nah­men in Kind­schafts­sa­chen

Abge­se­hen von den Fäl­len des Art. 11 Abs. 1 OLGÜ bzw. Art.20 Abs. 1 EuE­he­VO kann die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit für einst­wei­li­ge Maß­nah­men in Kind­schafts­sa­chen ledig­lich aus der für das Haupt­sa­che­ver­fah­ren abge­lei­tet wer­den. Dies gilt auch dann, wenn einst­wei­li­ge Maß­nah­men – wie die deut­sche Einst­wei­li­ge Anord­nung seit 2009 – selb­stän­di­ge Ver­fah­ren dar­stel­len.

Inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit für einst­wei­li­ge Maß­nah­men in Kind­schafts­sa­chen

Mit die­ser Begrün­dung ver­nein­te jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te für eine einst­wei­li­ge Anord­nung zur vor­läu­fi­gen Rege­lung des Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht für ein mit sei­ner Mut­ter in der Schweiz leben­des Kind ab.

Die Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te folgt nicht aus § 50 FamFG, da die­se Vor­schrift nicht die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit regelt 1.

Eine inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit für die bean­trag­te Einst­wei­li­ge Anord­nung besteht auch nicht gem. § 15 Int­Fam­RVG in Ver­bin­dung mit Art. 11 Abs. 1 OLGÜ einer­seits bzw. Art.20 Abs. 1 EuE­he­VO, § 99 Abs. 1 S. 1 Nr. 1, S. 2 FamFG ande­rer­seits (Art.20 Abs. 1 EuE­he­VO regelt nicht selbst die Zustän­dig­keit für einst­wei­li­ge Maß­nah­men, vgl. dazu EuGH, Urteil vom 02.04.2009 – C‑523/​07 , Fam­RZ 2009, 843, 846, Rn. 49 ff.). Sowohl nach Art. 11 Abs. 1 OLGÜ wie nach Art.20 Abs. 1 EuE­he­VO muss sich das Kind noch im Inland befin­den. Dies war aber zum Zeit­punkt der Bean­tra­gung der Einst­wei­li­gen Anord­nung am 10.03.2011 nicht mehr der Fall, unab­hän­gig von der Fra­ge des gewöhn­li­chen Auf­ent­halts.

Abge­se­hen von den Fäl­len des Art. 11 Abs. 1 OLGÜ bzw. Art.20 Abs. 1 EuE­he­VO kann die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit für einst­wei­li­ge Maß­nah­men ledig­lich aus der für das Haupt­sa­che­ver­fah­ren abge­lei­tet wer­den 2. Dies gilt auch dann, wenn einst­wei­li­ge Maß­nah­men – wie die deut­sche Einst­wei­li­ge Anord­nung seit 2009 – selb­stän­di­ge Ver­fah­ren dar­stel­len, wie sich ins­be­son­de­re aus der Rege­lung des Art.19 EuE­he­VO ergibt, der inso­weit nicht dif­fe­ren­ziert. Eine inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit für das Haupt­sa­che­ver­fah­ren bestand zum rele­van­ten Zeit­punkt der Bean­tra­gung von Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe für die Beschwer­de aber nicht mehr.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 12. Novem­ber 2013 – 5 UF 139/​11; 5 UF 139/​11 eA

  1. vgl. Keidel/​Giers, FamFG, 17. Aufl., § 50 Rn. 2; Musielak/​Borth, Fami­li­en­ge­richt­li­ches Ver­fah­ren, 3. Aufl., § 50 FamFG Rn. 10; Münch­Komm-FamFG/­Soy­ka, 2. Aufl., § 50 Rn. 15[]
  2. in die­se Rich­tung vgl. EuGH, Urteil vom 15.07.2010 – C‑256/​09 , Fam­RZ 2010, 1521, 1522, Rn. 76[]