Kin­des­un­ter­halt – und die Vor­fra­ge der Vater­schaft

Für die Ver­wandt­schaft im Sin­ne von § 1601 BGB (i.V.m. Art. 3 HUP) ist auf die recht­li­che Ver­wandt­schaft gemäß §§ 1589 ff. BGB abzu­stel­len.

Kin­des­un­ter­halt – und die Vor­fra­ge der Vater­schaft

Eine inzi­den­te Fest­stel­lung der leib­li­chen Vater­schaft hat der Bun­des­ge­richts­hof nur für Aus­nah­me­kon­stel­la­tio­nen zuge­las­sen 1 liegt ersicht­lich nicht vor.

Ob die sich beim Ver­wand­ten­un­ter­halt stel­len­de Vor­fra­ge der Abstam­mung unter der Gel­tung des Haa­ger Unter­halts­pro­to­kolls vom 23.11.2007 (HUP) selb­stän­dig oder unselb­stän­dig anzu­knüp­fen ist, ist zwar umstrit­ten 2. Ins­be­son­de­re ist es strei­tig, ob die zum Unter­halts­an­spruch des nicht­ehe­li­chen Kin­des nach frü­he­rer Rechts­la­ge ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 3, nach der die Vater­schaft durch Aner­ken­nung nach deut­schem Recht zu beur­tei­len ist, wenn die­ses für die Unter­halts­pflicht des Vaters maß­geb­lich ist, auch unter Gel­tung des Haa­ger Unter­halts­pro­to­kolls fort­zu­füh­ren ist 4.

Die­se Fra­gen konn­te der Bun­des­ge­richts­hof aller­dings auch im vor­lie­gen­den Fall offen las­sen. Denn auch bei selb­stän­di­ger Anknüp­fung der Vor­fra­ge ist auf die Abstam­mung nach Art.19 Abs. 1 Satz 1 EGBGB deut­sches Recht anzu­wen­den, weil das unter­halts­be­rech­tig­te Kind sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land hat. Die Rechts­be­schwer­de weist zutref­fend dar­auf hin, dass das Auf­ent­halts­sta­tut wan­del­bar ist. Es ist im Gegen­satz zum Ehe­wir­kungs­sta­tut nach Art.19 Abs. 1 Satz 3 EGBGB nicht auf einen fes­ten Zeit­punkt bezo­gen, son­dern stellt auf den aktu­el­len gewöhn­li­chen Auf­ent­halt des Kin­des ab. Über­dies dürf­te aber schon gemäß Art.19 Abs. 1 Satz 2 EGBGB seit der Geburt des Kin­des deut­sches Recht anwend­bar sein, weil der Vater offen­sicht­lich deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger war und ist.

Das Pro­blem kon­kur­rie­ren­der Vater­schaf­ten auf­grund meh­re­rer in Betracht kom­men­der natio­na­ler Rech­te 5 stell­te sich im vor­lie­gen­den Fall nicht. Dass eine ande­re Rechts­ord­nung, ins­be­son­de­re das neben dem deut­schen Recht noch in Betracht kom­men­de spa­ni­sche Recht, zur gesetz­li­chen Vater­schaft eines ande­ren Man­nes als des Antrags­geg­ners füh­ren könn­te, war nicht ersicht­lich 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juli 2017 – XII ZB 277/​16

  1. vgl. BGH, Urtei­le BGHZ 191, 259 = Fam­RZ 2012, 200 und BGHZ 176, 327 = Fam­RZ 2008, 1424[]
  2. vgl. zum Streit­stand Staudinger/​Mankowski BGB [2016] Vor­bem zum HUP Rn. 12 ff.; Leh­mann GPR 2014, 342, 349 ff.[]
  3. BGH, Beschluss BGHZ 90, 129 = Fam­RZ 1984, 576, 579; und BGH, Urteil vom 27.06.1984 – IVb ZR 2/​83 Fam­RZ 1984, 1001, 1002 mwN; grund­le­gend BGHZ 60, 247 = Fam­RZ 1973, 257, 258 f.[]
  4. vgl. Staudinger/​Mankowski BGB [2016] Vor­bem zum HUP Rn. 29 ff. mwN; OLG Frank­furt Fam­RZ 2012, 1501[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 03.08.2016 – XII ZB 110/​16 Fam­RZ 2016, 1847[]
  6. zur Fra­ge wohl­erwor­be­ner Rech­te vgl. Staudinger/​Henrich BGB [2014] Art.19 EGBGB Rn. 14; Münch­Komm-BGB/Helms 6. Aufl. Art.19 EGBGB Rn. 26[]